Müll-Desaster

ANSICHTSSACHE

Von Wilfried Hub

Ein paar Wochen nach dem Start des neuen Abfallwirtschaftssystems im Vogtlandkreis tobt in der Region das Chaos. Es klappte nicht bei der Abholung der alten und Bereitstellung der neuen Tonnen. Da wurden Behälter an falsche Adressen geliefert. An manche Haushalte kamen gar keine, an andere mehrere. Der Unmut in der Bevölkerung ist groß. Es wurde bereits von Protestaktionen gesprochen und auch davon, den nicht entsorgten Müll vorm Landratsamt abzukippen. Das ist natürlich keine Lösung. Aber es ist mehr als verständlich, dass die Leute das Landratsamt und Landrat Rolf Keil irgendwie unter Druck setzen wollen.
 Trotz massiver Beschwerden gab's lange gar keine Reaktion der Verantwortlichen in der Behörde oder bei der Kreisentsorgungs-GmbH Vogtland (KEV). Nicht mal ein "wir haben verstanden". Die vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossene Abfallsatzung scheiterte und scheitert immer noch an der Wirklichkeit. Die praktische Umsetzung funktioniert einfach nicht. Und das trotz einer Vorbereitungszeit von vielen Monaten. Die dringenden Hinweise von Unternehmen der Wohnungswirtschaft wurden ignoriert, die warnende Kritik von Bürgern überhört. Von Anfang an ließ die Zusammenlegung der Abfallentsorgungsgebiete Plauen und Vogtland (Altkreis) Transparenz vermissen. Wobei die aktuellen Probleme nicht nur Plauen betreffen. Der gesamte Landkreis ist vom Müllchaos betroffen. Landrat Keil und die Verantwortlichen müssen die Fehler in der Abfallsatzung erkennen und schnell korrigieren. Den Schwarzen Peter jetzt irgendwo hin weiterzugeben, ist wenig zielführend. 
Keine Durchhalteparolen bitte 
Wenigstens werden die massiven Pannen mittlerweile zugegeben. Der zuständige Kreis-Dezernent Lars Beck sprach letzte Woche im Kreisausschuss von "erheblichen Problemen" und auch davon, dass "einiges schiefgelaufen" sei. Das ist schon mal gut. Mit seinem Versprechen, dass alles "bis Mitte Februar hundertprozentig funktionieren" soll, ging er aber vielleicht doch etwas zu weit. Wir haben heute nämlich schon den 2. Februar. Wie sehr das Thema die Leute umtreibt, sieht man allein schon daran, dass die Beschwerdestelle im Landratsamt vorübergehend um fünf Personen aufgestockt werden musste. Trotzdem kritisieren viele Bürger, dass die Behörde nur schwer erreichbar sei. Die Telefone seien immer besetzt. Die Bürger fühlen sich nicht ernst genommen.
 Ich habe übrigens nicht angerufen. Bei uns im Haus klappt alles. Die neuen Tonnen wurden geliefert, die alten abgeholt, der Müll wird pünktlich entsorgt. Doch was ist zu tun, damit es bald überall so reibungslos funktioniert? Abwarten bis sich alles eingespielt hat, weil das Thema nur schlecht kommuniziert war? Das erscheint doch sehr blauäugig. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Müll-Desaster über uns hereinbricht. Die Stadtverwaltung Plauen will das Landratsamt unter Druck setzen, damit sich grundsätzlich etwas ändert. Ob ein mehr oder weniger freundlicher Brief da reicht, ist aber fraglich. Die Leute fühlen sich allein gelassen. Wenigstens in dem Jahr, in dem Kommunalwahlen anstehen, hätte ich mir mehr Aktivität erwartet. Hoffen wir, dass in den gewählten Gremien jetzt eine Diskussion beginnt, an deren Ende möglicherweise eine geänderte Abfallsatzung beschlossen wird.
 Jetzt muss den Bürgern vor allem die Angst vor höheren Gebühren genommen werden. Einige sprechen schon von einer Steigerung von bis zu 50 Prozent. Das darf nicht sein. Denn die Kosten für die Beseitigung des wochenlangen Müllchaos' können nicht ernsthaft auf die Bürger umgelegt werden. Doch ich fürchte, genau das wird passieren. Sind wir alle zusammen gespannt, ob wir in den nächsten Tagen von irgendeiner Stelle etwas zum Thema Gebühren hören werden.
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