Mühltroff will nicht - Mühltroff muss

Mühltroff will nicht mit Pausa - Mühltroff muss wahrscheinlich. Um den "freiwilligen Zwang" ging es in der Ratssitzung mit rund 60 Einwohnern.

 

In der nächsten Woche findet eine Beratung mit dem Pausaer Stadtrat statt, um ein Zusammengehen auszuloten. Ziel ist - und das favorisiert auch Bürgermisterin Christine Weinrich - der Zusammenschluss zweier gleichberechtigter Partner. Keinesfalls dürfe Mühltroff untergebuttert werden: "Pausa - Ortsteil Mühltroff" - diese Ortsschilder werde es freiwillig nicht geben.

Das war das Resümee der Stadtratssitzung am Mittwoch im Kospothsaal des Schlosses. Bürgermeisterin Weinrich war erfreut über die rege Teilnahme der Öffentlichkeit, weil die sonstigen Beratungen fast ohne Einwohner stattfinden.

Zur Einstimmung gab sie einen Abriss über die Geschichte der Verwaltungsgemeinschaft (VG) mit Pausa, die gegen den Willen Mühltroffs angeordnet worden sei. Und sie sprach über die Möglichkeiten, wie es mit Mühltroff weitergeht:

Unrealistisch sei es, an den Zusammenschluss zu glauben von Mühltroff, Pausa und den Rosenbach-Gemeinden Leubnitz, Syrau und Mehltheuer. Nicht möglich sei auch die Vorzugsvariante einer Fusion von Mühltroff und den Rosenbach-Gemeinden. "Es bleibt nur Pest oder Cholera", sagte die Bürgermeisterin - und meinte ein Zusammengehen Mühltroffs mit Pausa. "Weil wir aus der Verwaltungsgemeinschaft mit Pausa nicht herauskommen." Mühltroff hatte in der Vergangenheit (mit 20 000 D-Mark Kosten) gegen die Verwaltungsgemeinschaft geklagt - erfolglos. Ein erneutes Klagebegehren habe keine Erfolgsaussicht. Das hätten Recherchen der Stadträte Torsten Zimmermann und Hans-Joachim Graap ergeben.

Danach entfachte sich eine emotionsgeladene Debatte über die verbleibenden Varianten: Freiwilliges Zusammengehen mit Pausa ("aber nur auf gleicher Augenhöhe") oder Verharren bis zu einer gesetzlichen Entscheidung, die auch zum Zusammenschluss führt. Manche sagten, man sollte die "Heiratsprämie" für freiwillige Zusammenschlüsse mitnehmen - im Falle Mühltroffs seien das 180 000 Euro, die mit Fördermitteln veredelt bis zu einer halben Million werden könnten.

Mehrere, wie Bernd Pätz, Karl Hermann Schorn und Gunar Krell bekannten ihr fehlendes Demokratieverständnis: Hier werde von oben diktiert, was dem Gesetzgeber am genehmsten ist. Andere wie Hartmut Philipp und Willibald Augst mahnten, die Eigenständigkeit nicht aufzugeben. Besonders die Ortsteile wären am meisten betroffen. Altpfarrer Ernst Scheibe war mit seiner Meinung "Pausa braucht Mühltroff, um eigenständig zu überleben" nicht der einzige, der damit den Grund für eine politische Entscheidung von oben sah. Ex-Stadtrat Kleemeyer stellte fest, dass sich "Pausa durch verbale Ausfälle und sein Verhalten gegenüber dem kleineren Mühltroff, die Sympathien verscherzt habe".

Nach Darlegungen mehrerer Stadträte glätteten sich die Wogen und Einwohner wie der Kornbacher Ortsvorsteher Thomas Hohl oder Christine Wolf sahen den besten Weg darin, die Gemeinsamkeiten mit Pausa aufzuspüren und die Angelegenheit losgelöst von Personen zu führen.  jpk/ufa