Mühltroff wehrt sich gegen Grundschul-Schließung

Das drohende Aus für die Grundschule Mühltroff löst breiten Widerstand und Verärgerung in der Wisentastadt aus.

Pausa-Mühltroff - Unverständlich herrscht über die vom Ministerium hinausgezögerte Entscheidung, die Eltern der künftigen Mühltroffer Abc-Schützen verunsichert und ihnen den zeitlichen Spielraum für andere Entscheidungen nimmt.

Ortsvorsteher Steffen Rauchfuß will am 11. Juni eine öffentliche Ortschaftsratssitzung einberufen, in der der Auftrag an die Mühltroffer Schulverbandsratsmitglieder erteilt wird, wie in der Sache weiter verfahren werden sollte. Rauchfuß hofft, dass bis dahin die schriftliche Begründung für die ministerielle Entscheidung vorliegt. Als Rechtsmittel käme laut amtierenden Schulverbandsvorsitzenden Achim Schulz nur ein wahrscheinlich zeit- und kostenintensiver Klageweg infrage.

Das langjährige Schulverbandsmitglied, Mühltroffs Ex-Bürgermeister Ulrich Weiß, sieht eine weitere drastische Schwächung von Mühltroff. "Bereits 1991/92 waren wir als Stadt in einer sehr schwierigen Situation, als Thüringen die Schulgebäude übernehmen wollte und sich Mühltroff weigerte. Damals haben wir den Schulbetrieb mit eigenen Mitteln übernehmen müssen. Deshalb vertraue ich auf die Einwohner der Stadt, das nicht hinzunehmen. Eine große Mitschuld an der stetigen Verringerung der Mühltroffer Schülerzahlen hat auch das Schulamt, welches ständig Ausnahmeanträge vor allem Schönberger Eltern zur Einschulung nach Mehltheuer bewilligte und damit den Standort schwächte", sagt er.

Hartmut Philipp äußert als Großvater eines der künftigen Erstklässler: "Einfach betrüblich! Die Schließungsabsicht besteht ja in Dresden wahrscheinlich schon länger und ist eine Folge der sächsischen Schulpolitik mit ihrer strengen Sprengelbildung, welche die Anrechnung sprengelfremder Kinder auf die Klassenstärke nicht zulässt. Mühltroff lag früher an der thüringischen und heute an der sächsischen Außengrenze; da spielen regional länderübergreifende Lösungen keine Rolle." Thomas Graap, Vorsitzender des Schulfördervereins: "Es ist einfach traurig, dass unser jahrelanger Kampf um den Erhalt des Schulbetriebes in der Stadt jetzt mit diesem Ergebnis zu Ende geht. Wir haben alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft, Eltern und Einwohner mobilisiert und aufgerufen, sich für die Schule einzusetzen. Jetzt hat man von oben eine andere Entscheidung getroffen, welche dokumentiert, dass Bürgerwille nichts wert ist."

"Schon meine Eltern haben diese Schule besucht, ich selbst, die Kinder und Enkel auch. Aber wie soll man eine Schule erhalten, wenn schlichtweg die Kinder fehlen. In vielen Familien gibt es Planungsmodelle, in denen für mehrere Nachkommen kein Platz ist", so Heide Graap. jpk