Mord an der Pöhl seit 25 Jahren ungesühnt

Der Mord an Heike Wunderlich jährt sich zum 25. Mal: Die damals 18-jährige Altensalzerin wurde in der Nacht zum 10. April 1987 im Voigtsgrüner Wald an der Talsperre Pöhl vergewaltigt und erwürgt. Von ihrem Mörder fehlt noch immer jede Spur.

Altensalz/Zwickau - Mord verjährt in Deutschland nicht. So wird der Täter, soll er irgendwann gefasst werden, seiner gerechten Strafe nicht entgehen. Darauf hoffen seit einem Vierteljahrhundert die Eltern von Heike Wunderlich und sind daran zerbrochen. Vor allem die Mutter, so schildert uns Pfarrer Rainer Strobel, sei gesundheitlich stark angeschlagen. Zu oft seien ihre Hoffnungen genährt und dann wieder zerschlagen worden. "Die Eltern möchten nicht mehr darüber reden", sagte der langjährige Altensalzer Pfarrer.

Heike Wunderlich, die junge Stickerin im VEB Plauener Gardine, war am 9. April nach dem Besuch der Volkshochschule und einem kurzen Stopp bei einer Freundin auf der Heimfahrt mit dem Moped verschwunden. Einen Tag später wurde ihre Leiche fast nackt auf einem Holzplatz an der Voigtsgrüner Straße nahe der B 173 bei Plauen gefunden. Die Bekleidung war am Tatort verstreut, Personalausweis und Geldbörse fehlten. Es gab durch stundenlangen Regen keinerlei Fuß-, Finger- und Reifenabdrücke. 1989 wurde die Akte Wunderlich wegen der scheinbar aussichtslosen Spurenlage geschlossen.

Zur Jahrtausendwende hatte die Mordkommission Zwickau die Akten wieder geöffnet, da die Fahnder auf moderne DNA-Tests hofften. Auf Kleidungsstücken der Ermordeten, die seit der Tat aufbewahrt werden, konnte im Landeskriminalamt ein genetischer Fingerabdruck isoliert werden. Die Polizei suchte intensiv nach dem Mann, zu dem die DNA-Spur passte. Rund 3000 Männer mussten zur Speichelprobe. Es gab jedoch keine Übereinstimmung. Der Fall Heike Wunderlich füllt inzwischen mehr als 100 Aktenordner.

Elf Jahre lang schon ist Kriminalhauptkommissar Enrico Petzold mit dem Mordfall beschäftigt. Der 43-Jährige sei nach Einschätzung von Polizei-Sprecher Oliver Wurdak akribisch am Ball, wenn es neue Hinweise zu dem Fall Wunderlich gebe. "Wenn der Fall seit so vielen Jahren in einer Hand ist, dann ist auch die Erfahrung und die Übersicht bis ins kleinste Detail am größten", so Wurdak. "Natürlich wäre es für den engagierten Kriminalisten am schönsten, wenn nach so langer Zeit der Fall endlich gelöst werden könnte. Auch die Eltern hoffen darauf, dass der Mörder seiner gerechten Strafe nicht entgeht", so Wurdak.

Hauptkommissar Petzold hat noch eine dringende Bitte: Zu DDR-Zeiten hätten sich verschiedene Ermittlungsorgane mit dem Mordfall beschäftigt. Dazu gehörte auch die Staatssicherheit, die bei Kapitalverbrechen selbst ermittelte. Der Polizeidirektion Südwestsachen lägen aber nur die polizeilichen Ermittlungsakten vor. "Leute, die zu DDR-Zeiten im Zuge der Ermittlungen im Fall Wunderlich befragt worden sind und nicht noch einmal seit dem Jahr 2000, die möchten sich bitte an die Polizei unter Ruf 0375/4284480 wenden. Wir sind überzeugt, dass es früher weitere Hinweise gab, die uns auf Grund fehlender Akten verborgen geblieben sind", ist sich Petzold sicher.

Nach wie vor richtet sich die Suche der Mordkommission in Zwickau auch auf zwei Zeugen, die bislang noch nicht namentlich bekannt gemacht werden konnten.

Dabei handelt es sich zum einen um den Besitzer eines 353er Wartburg (Limousine, hellgrün bis dunkelgelb), der 1987 etwa 30 bis 38 Jahre alt gewesen sein muss und mit Heike Wunderlich zusammen gesehen worden ist.

Zum anderen wird ein etwa 18- bis 20-jähriger Mann gesucht, den die Eltern ein Jahr nach dem Verbrechen am 13. Juni 1988 am Grab ihrer Tochter Heike auf dem Friedhof in Altensalz gesehen hatten. Aber auch zeugen, die noch nie gegenüber der Polizei ausgesagt haben, jedoch Hinweise zum Sachverhalt geben können. "Die Akte bleibt offen", sagte Wurdak. Vor fünf Jahren mit der Festnahme des mehrfachen Prostituiertenmörders Volker Eckert glaubte die ermittelnde Polizei in Bayreuth, dass der aus Oelsnitz stammende Fernfahrer auch der Mörder von Heike Wunderlich sei. Auch nachdem dieser damals einen 32 Jahre zurückliegenden Mord an einer Mitschülerin der Plauener Clara-Zetkin-Schule gestand. Doch die DNA passte nicht zu Eckert, der sich im Gefängnis erhängte.

Wie die Eltern hoffen auch die Menschen in Altensalz, dass das Verbrechen von vor 25 Jahren endlich aufgeklärt werden möge. Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.