Möbeltischler "zimmern" Spuckschutz auf die Tresen

Ohne Spuckschutz könnten manche Geschäfte gar nicht öffnen. Die Tischlerei Weigel aus Neustadt bei Falkenstein stattet Apotheken, Arztpraxen und Läden damit aus.

Von Cornelia Henze

Möbel vom Schuhschrank bis zum kompletten Wohnzimmer: Das ist das Alltagsgeschäft der Brüder Florian und Sebastian Weigel. Seit kurzem ist mit dem Spuckschutz noch ein gut nachgefragtes Nischenprodukt dazugekommen. Das Einkaufscenter Nova eventis war einer der ersten Kunden, die bei demn tischlernden Brüdern nachfragte. "Wir hatten gerade eine Baustelle dort, und dabei sind wir angefragt worden", sagt Florian Weigel. In der Region war es dann die Park-Apotheke Rodewisch, die sich von dem 15-Mann-Betrieb eine solche Schutzwand aus Plexiglas maßfräsen ließ. Andere Apotheken, Arztpraxen und Geschäfte aus dem Vogtland und Erzgebirge folgten.
Die erste Wellle der Aufträge sei raus, denn Pharmazeuten undÄrzte mussten schon von Beginn der Corona-Pandemie handeln, um sich und ihre Kunden oder Patienten vor Tröpfcheninfektion durch Husten und Niesen zu schützen. Nun folge wohl eine zweite Auftragswelle, wie die Brüder seit etwa Anfang der Woche merken. Denn nun sind es die Einzelhändler, die ihre Geschäfte wieder öffnen, gefordert, ihre Ladentische und Tresen mit solch einem Plastikschutz auszustatten. "Mal sehen, ob später noch die Gastronomen nachziehen", fragt sich Sebastian Weigel, der es sich schlecht vorstellen kann, wie der Barmann so Bier, Cola und Cocktails über den Tresen schieben wird. Dazu brauche es pfiffige Ideen und habe fast schon mit Design zu tun, sagen die beiden umtriebigen Brüder, die mit formschönen Wohnaccessoires aus Holz übrigens auch schon auf der Plauener Messe "Schau auf Desgin" für Beachtung sorgten. Aber wie passt Plexiglas ins Holzgeschäft? Dann und wann wird Plexiglas als Komponente verarbeitet, zum Beispiel als Einsatz in Möbeln oder in Vitrinen. Je nach Wunsch wird der Spuckschutz nun umgesetzt: Das reicht vom einfachen Aufsteller, ausschließlich aus Plexiglas, bis zur aufwändigen Glas-Holz-Kombination. Unterschiedlich hoch, mobil oder fest verankert - und manchmal auch gebogen. So wie der Tresen es hergibt. Die Brüder Weigel beziehen den Werkstoff von Glasherstellern aus Lichtenstein, Machern und Schneeberg. Zurechtgefräst wird das Glas an der CNC-Maschine. Gebogen mittels Thermoverfahren.
Florian und Sebastian Weigel rechnen damit, dass die Zeit kommen wird, in der keiner mehr einen Spuckschutz bestellt. Jedes Geschäft wird dann damit ausgestattet sein - und irgendwann, so hoffen sie, wird Corona ein Ende finden.
Denn Corona wird hoffentlich "kurzatmiger" sein, als die Weigelsche Familientradition: Die Brüder bauen Möbel in achter Generation. Ihr Vater tut selbiges in der Stammtischlerei in Sosa. Seit 2003 führen seine Söhne den Betrieb im Vogtland.