Moderne Schweißerei

Für 4,5 Millionen Euro soll am Fuße der Friedensbrücke auf dem Gelände der Fördergesellschaft für Berufliche Bildung Plauen eine moderne Schweißerei entstehen. Bürokratische Hürden erfordern reichlich Ausdauer.

Von Marlies Dähn

Plauen Unter dem Dach der Fördergesellschaft für berufliche Bildung Plauen-Vogtland (FG) ist das Büro von Geschäftsführerin Annett Schmidt. Von hier aus zieht sie seit mehr als 25 Jahren die Fäden für ihr breit aufgestelltes Unternehmen, das als ganz besonderer Verein mit einem Jahresumsatz von immerhin fünf Millionen Euro und 84 Mitarbeitern von sich reden macht. Die FG kümmert sich um Berufsvorbereitung, Erstausbildung, Umschulung, Fort- und Weiterbildung, ist Träger der Volkshochschule und betreibt am Stammsitz Dobenaustraße 80 auch das Sozialkaufhaus.
"Das ist nur möglich, weil wir viele verlässliche Partner an unsere Seite haben", sagt die Plauenerin. Deshalb zögerte Annett Schmidt auch nicht, einen Rettungsanker auszuwerfen für die Schweißtechnische Kursstätte. Die war unter einem anderen Bildungsträger in Schieflage geraten und stand vor dem Aus. Die Auswirkungen wären fatal für den Wirtschaftsstandort Vogtland, bestätigt dazu auch Steve Liedtke. Der 40-Jährige gelernte Konstruktionsmechaniker und Industriemeister Metall sammelte als junger Schweißer im Stahlbau Erfahrungen und ist Leiter der Schweißtechnischen Kursstätte, die derzeit noch in der Stresemannstraße 81, gegenüber der Volkshochschule ihren Sitz hat. Immerhin gut 250 Schweißer, nicht nur aus dem Vogtland, steuern alljährlich die Ausbildungsstätte an. Hinzu kommen Lehrlinge aus verschieden metallverarbeitenden Betrieben. Zudem hat jeder Schweißer nach drei Jahren sein Schweißzertifikat zu erneuern. Am Standort Plauen kann er auch das.
Im September 2020 kamen am Runden Tisch mehrere Akteure zusammen, die sich für die Rettung der Kursstätte stark machten. Landrat samt Wirtschaftsförderung, Wirtschaftsförderer der Stadt Plauen, IHK und Vertreter der Metallbaubranche, allen voran die Plauener Stahltechnologie. Neben den Metall- und Elektro-Lehrlingen gehören nun seit Januar 2021 auch die Lehrlinge der Schweißerei zur Fördergesellschaft. Doch allein mit der Übernahme gab sich Annett Schmidt nicht zufrieden. Die 57-jährige ist Managerin mit Leib und Seele und plante kühn in die Zukunft. Geht es nach ihr lernen die Lehrlinge in drei Jahren in einer modernen Schweißerei. Platz ist vorhanden in der Dobenaustraße. "Wir bauen die ehemalige Turnhalle zurück und errichten einen Neubau mit modernen Arbeitsplätzen, mit Schweißgeräten samt Kabinen und Ablüftung." Doch bis zum 4,5 Millionen-Neubau fehlen noch etliche Puzzleteile. Eines davon war der Erbbaurechtsvertrag, den der Stadtrat jüngst bis 2055 verlängerte. Ein weiteres war die aktuelle Zertifizierung der Schweißtechnischen Kursstätte durch den Fachverband DVS. Zuletzt steht noch die Frage der Förderung. "Haben wir alles beieinander, bauen wir auf eine Fördermittelbewilligung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn", gibt sich Annett Schmidt zuversichtlich.