Modelle perfekter als die Realität

Viele Aussteller der Modellbahn- und Modellautobörse in der Plauener Festhalle boten dem Publikum ihre Exponate an. Doch eines war allen noch wichtiger als das Feilschen…

Von Frank Blenz

Plauen "Die Kleeene muss erst noch warm werden", sagte Rainer Lehmann, mit einem Stand in der Festhalle vertreten, als er die kleine Lokomotive der Spur N immer wieder auf eine kurze Teststrecke platzierte, um sie fahren zu lassen. Lehmann war extra aus Dresden in die Spitzenstadt gereist, zu Hause hegt und pflegt der "Eisenbahner" ein ordentlich großes "Zugbrett" und mit den Jahren hat sich ein beachtlicher Bestand an Fahrzeugen und Zubehör angesammelt. "Da gibt es immer wieder Sachen, die ich weiterverkaufen oder tauschen will. Und mit den Leuten ins Gespräch kommen, das ist ein weiterer Grund, nach Plauen zu kommen", so Lehmann. "Das Plaudern ist den Leuten wichtig, das Fachsimpeln und bissel Quatschen, das gibt es nur hier", bestätigt Veranstalter Henning Herzog, der seit über zehn Jahren vier Mal im Jahr aus Berlin ins Vogtland kommt und die Börse durchzieht. "Das Internet hat uns nicht geschlagen", meint Herzog freudig, wohl wissend, dass das Internet ein großer Konkurrent ist, aber in einem Punkt nicht dem Live-Börsen-Geschehen gewachsen ist. "Hautnah ist es hier, man kann vieles gleich anschauen, vergleichen, ins Schwärmen kommen."
Schon entwickelt sich ein weiteres Fachgespräch über Modellarten und Spurbreiten und über die Stilechtheit der kleinen Gefährte am Nachbarstand. Da wird auch schnell mal vergessen, dass es sich ja eigentlich nur um Miniaturen für eine perfekte Modellwelt handelt.
Apropos perfekt und das Gegenteil. Darüber kam ein altes Ehepaar mit einem Händler ins Philosophieren und vor allem ins Schimpfen über die echte Bahn, die Deutsche Bundesbahn. "Man schaut sich nur mal die vielen kaputten, vergammelten Bahnhofsgebäude an, alles, weil die Bahn nur noch dem Geld hinterherfährt", so der eine. "Oder es verschwinden Bahnhöfe gleich ganz, weil sie ja nicht mehr gebraucht werden, wie behauptet wird. So wie zum Beispiel in Klingenthal. Da ist jetzt eine große Wiese und nix mehr." Als scheint es ihnen ein Trost zu sein, widmen sich die Diskutanten wieder den Loks und den Bahnhofsgebäuden im Saal zu.