Mittwochs wird geschraubt

Zwischen den Vomag-Bussen und den mit allen Raffinessen ausgestatteten DFB-Bussen für die Nationalmannschaft liegen Welten und Jahre. Beide Modelle stammen aber von den Bus-Herstellern aus Plauen. 100 Jahre Bus-Bau wird am Samstag in der Busschmiede am Leuchtsmühlenweg begangen.

Von Cornelia Henze

Plauen - Mittwochs wird geschraubt. Männer, und neuerdings auch ganz junge Kerls, treffen sich in einer Werkstatt, um Geschichte wieder zusammenzufügen. In dem Fall handelt es sich um fast 100-jährige Fahrzeuge, die ab 1919 in der Vomag Plauen montiert wurden. Von den Groß- oder Urgroßvätern jener Männer, die Motor- und Karosserieteile heute wieder wie Puzzles zusammensetzen. 
Einer, der an die großartigen Plauener Busbauer der Vomag (Vogtländische Maschinenfabrik AG) erinnern will, ist Bernd Goerke. Vier Tage vor dem großen Fest wuselt der ehemalige Neoplaner auf dem Gelände seiner früheren Arbeitsstätte herum. 30 Jahre, von 1985 an, war er am Leuchtsmühlenweg Busbauer und zuletzt Umweltmanager. Bis er wie viele andere Kollegen im Jahr 2015 der Umstrukturierung im Betrieb zum Opfer fiel und den Arbeitsplatz verlor. Seine Leidenschaft für Vomag-Fahrzeuge ist geblieben. 
In der Vomag-Gruppe des Vereins der Freunde und Förderer des Vogtlandmuseums Plauen engagiert er sich mit einem Dutzend weiterer Männer. So haben Goerke und seine Freunde vier Jahre lang einen Vomag-Lastkraftwagen, Baujahr 1944, wieder aufgebaut. Glänzend und wie neu steht er auf dem Gelände des Bus Modification Centrums. Gleich daneben eine beeindruckende Flotte moderner Reisebusse sowie der Euroliner, der zuletzt von den Plauener Neoplanern vom Werk rollte. Weitaus mehr Jahre auf dem Buckel hat der H3B (H steht für Horch), aus dem Hause Ifa. Baujahr 1952. Daneben der Nachfolger H6B. Zwei Omnibusse im runden Design der 50er und 60er Jahre, die sich MAN für den Tag der offenen Tür vom Reichenbacher Busunternehmen Gerlach geliehen hat. "Ab 1954 wurden diese Ifa-Busse in Plauen repariert, später dann kamen statt der Ifa-Busse die Ikarus aus Ungarn", weiß Bernd Goerke, der die Beschriftung der Busse mit technischen und historischen Daten übernommen hat. 
Weil in der DDR gute Fahrzeuge Mangelware waren und so gut wie nix kaputtgehen durfte, wurden die Busse im schlimmsten Fall drei Mal wieder aufgebaut. In den Fokus der heutigen MAN-Fahrzeugbauer gerät das Jahr 1919 - da begann man in Plauen die Vomag Busse zu bauen. Die Erfolgsgeschichte der Vomag wurde allerdings schon mit dem Gründungsjahr 1895 gesetzt. Am Anfang wurden Stickmaschinen, ab 1898 auch Druckmaschinen gebaut. 1915 stieg die Vomag in den Bau von Lkw für das kaiserliche Heer im Ersten Weltkrieg ein. Im letzten Kriegsjahr, 1918, lieferte die Vomag den 1000. Lkw aus. Ein Jahr später rollte der erste Bus aus dem Werk, besser gesagt, die Fahrgestelle. Die Karosserie wurde extern, so bei Schumann in Zwickau oder Lindner in Halle-Ammendorf gefertigt. In 25 Jahren fertigte die Vomag 2500 Busse. 
Aufgrund der Rüstungsproduktion sei die Vomag nach 1946 von den russischen Besatzern vollkommen liquidiert worden, weiß Bernd Goerke. Von 1954 bis 1990 wurden in Plauen Busse der Marken Ifa und Ikarus instandgesetzt. Neu gebaut wurde erst ab 1990, als die Stuttgarter Firma Auwärter (Neoplan) den Betrieb von der Treuhand erwarb. Bis 2015 wurden in Plauen über 8000 Neoplan- und MAN-Busse hergestellt, bis die Busfertigung in jenem Jahr in die Türkei verlegt wurde. Seitdem werden in Plauen Busse für Spezialkunden modifiziert.
Am Samstag darf ein jeder zwischen 12 und 17 Uhr hinter die Kulissen der Edelmanufaktur blicken und erleben, wie Busse nach Maß entstehen, heißt es von BMC-Betriebsleiter André Körner. Dazu gehören Sonderausstattungen für Fußballbusse über Club-, VIP- und Discobusse oder Tournee-Doppeldecker mit 20 Betten im Oberdeck bis hin zu Roadshow-Fahrzeugen. 
Neben den Oldtimer-Bussen - davon geht auch einer mit Gästen auf Rundfahrt - ist ein Highlight der 1:1-Nachbau des erst kürzlich an die deutsche Nationalelf ausgelieferten DFD-Busses.