Mitten ins Schwarze

Die Plauener Bogenschützen sind vor ein paar Tagen in Jena als Team Deutscher Vizemeister geworden. Ein Grund den Sport für "Fit im Vogtland" auszuprobieren.

Von Stephanie Rössel

Plauen Ein wirklich schönes Fleckchen hat sich der Bogensportverein 1960 Plauen für sein Training gesucht. Versteckt im Syratal, unweit vom Tennisplatz und einem Fahrradpark schienen am Abend letzten Sonnenstrahlen des Tages auf den Platz. Einige Pfeile flogen durch die Luft und landeten in den großen Scheiben, die in verschiedenen Abständen auf dem Platz stehen. Eine der wichtigsten Regeln ist, dass alle hinter der Schießlinie stehen, bevor ein Schütze den Pfeil in den Bogen einlegt.


Alles begann mit einem Augendominanztest. Das ist bei Schießsportarten wichtig. Etwa zwei Drittel der Menschen sind Rechtshänder. Das heißt, dass bei den meisten auch das rechte Auge dominant ist. Beim Test stellte sich schnell heraus, dass ich zu dem eher geringen Anteil gehöre, die über gemischte Augendominanz verfügen. Es ließ sich also nicht klar feststellen, ob ich links oder rechts besser schieße. Ich nahm dann also den Bogen in die Hand und ließ mich von der Intuition leiten und entschied mich für links.


Es gab eine kurze Einweisung zu Sicherheitsregeln. Ein Köcher mit Pfeilen wird am Hosenbund eingehängt und ein Schutz für den Unterarm muss unbedingt angelegt werden, denn wenn eine Sehne den Arm trifft, tut das nicht nur weh, sondern kann zu Verletzungen führen. Zusätzlich gibt es noch einen Fingerschutz. Mit einem Recurvebogen ging es dann zur 10 Meter entfernten Scheibe. Die Distanzen die bei Wettbewerben geschossen werden, reichen von 30 bis 90 Metern. Die Scheiben sind aus Stroh und haben einen Durchmesser von etwa 60 bis 80 Zentimetern. Zum Trainieren haben sie kein Ringschema. Jeder legt selbst einen individuellen Punkt fest, auf dem alle Pfeile landen sollen. Beim Schießen ist die Körperhaltung wichtig. Gerader Stand mit richtigem Winkel zur Schussrichtung, aufrechte Haltung, richtige Fingerhaltung an der Sehne, die richtige Position von Schulter und Zugarm sowie die entsprechende Position der Sehne am Kopf.
Mein erster Schuss ging genau in die Mitte der Scheibe. Wahrscheinlich nennt man das Anfängerglück. Aber auch die nachfolgenden Pfeile kamen relativ gut auf der Scheibe an. Klar war aber auch ganz schnell, jede noch so kleine Unkonzentriertheit, jede kleinste nicht korrekt ausgeführten Bewegung, hatte Einfluss. Im Vergleich schoss ich dann mit Visier (Zielkreuz). Was eine andere Position der Sehne am Kopf mit sich bringt. Außerdem durfte ich den Holzbogen einer anderen Schützin ausprobieren. Der bedeutete allerdings auch ein Wechsel des Auges und des Armes. Was sich aber für mich witzigerweise nicht als wesentliches Problem darstellte.


Für so einen Bogen entscheidet sich jeder individuell. Die Recurvebögen sind gängig, haben ein gewisses Gewicht und benötigen schon Kraft. Die "einfacheren" Holzbögen fühlen sich für mein Empfinden einfach toll in der Hand an. Außerdem gibt es noch Compoundbögen, die HighTech-Variante sozusagen. Im Übrigen verursachen alle beim Schuss einen anderen Klang.


Bogenschießen ist eine Mischung aus Technik, Kraft und Konzentration. Der Ehrgeiz wird gekitzelt, man ist in der Natur, es fördert Intuition und Instinkt, verkörpert Freiheit und Abenteuer und trotzdem gibt es Ruhe und verlangt Fokus.
Der größte Kalorienverbrauch beim Bogenschießen liegt wohl beim Laufen über den Platz um die Pfeile zu holen. Der Plauener Verein hat aktuell rund 100 Mitglieder.