"Miteinander!" in die nächste Spielzeit

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist zwar nicht das Motto der neuen Spielzeit, wohl aber spiegelt es das Herangehen des gesamten Ensembles des Theaters Plauen Zwickau wider. Gestern stellte Generalintendant Roland May und die Spartenleiter ihre Vorhaben für die kommende Saison vor.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Genau genommen handelt es sich um zwei Spielpläne - ersterer firmiert unter dem fast schon trotzig klingenden Begriff "Corona-Plan", der sich hoffentlich im Februar anschließende ist der "Hoffnungsplan". "Wir sind gewappnet für längere Einschränkungen, aber stellen uns auch auf Stücke mit mehr Publikum und Ensemblemitgliedern ein. Wir könnten selbst im Herbst schon wieder hochfahren", umreißt Generalintendant Roland May die Situation, die er gemeinsam mit den Spartenleitern allwöchentlich unter dem Gesichtspunkt "was geht, was geht nicht" bewertet. "Und wenn beide Szenarien nicht greifen reagieren wir flexibel im digitalen Bereich. Wir fahren auf Sicht und agieren trotzdem weitsichtig", so der General, dem man wie auch seinen Spartenleitern ansieht, dass sie ein "digitales Theater" zwar notfalls ein zweites Mal stemmen würden, es aber für die schlimmste aller Varianten halten. Denn, und bei diesem Satz fröstelt den Berichterstatter dann doch ein wenig, "wir haben eine Situation, die es in der Moderne noch nicht gab."
"Miteinander" also ist die neue Spielzeit 2020/2021 überschrieben. Ein schon vor Corona gefundenes Motto, dem auf fast schon prophetische Weise eine neue, weiterführende Bedeutung zukommt.
Ballett
Was übrigens auch für die Ballettpremiere am 3. Oktober zutrifft: "Auf Abstand" Wie erfinderisch Not macht, wird Ballettchefin Annett Göhre mit ihren Tänzerinnen und Tänzern an diesem Abend demonstrieren. Zwischen den tanzenden Personen sind sechs Meter Abstand zu halten, unabdingbare Duette übernimmt ein Paar, das auch im richtigen Leben ein solches ist. Dass Corona ganz selten auch Gutes bringt, beweist die Verpflichtung des Choreographen Ihsan Rustem, dessen Terminkalender lediglich während des Lockdowns etwas abschwoll. "Wir waren die ersten in der Schlange und hatten Glück", lächelt Annett Göhre. Ein weiteres Ballett hat am 20. März 2021 Premiere - ihm drückte das Virus sogar im Titel seinen Stempel auf: "Die Vier Fünf Jahreszeiten". Daran habe man im Lockdown weitergearbeitet, Göhre tanzte Sequenzen vor und schickte sie ihrem Team, das zu Hause probte. Und so wurden aus der Verschiebung in die nächste Spielzeit aus vier eben fünf Jahreszeiten. Am 15. Mai hat "Die Möwe Jonathan" Premiere. Dafür allerdings sei der "Hoffnungsspielplan" - also ein größeres Ensemble mit weniger Abstand - unabdingbar.
Schauspiel
Ein klassischer Antiheld hat am 9. Oktober 2020 Premiere. "Woyzeck" basiert auf einem wahren _Kriminalfall und Chefdramaturgin Maxi Ratzkowski hofft, dass bis dahin auch der Besuch von Schulklassen möglich sei - immerhin ist Büchners Drama im Schulplan enthalten. Eine junge Frau verliert bei einem Terroranschlag Mann und Sohn, die Schuldigen werden freigesprochen. Die Frage nach Rache und Selbstjustiz steht im Mittelpunkt des Stückes "Aus dem Nichts", das am 12. Dezember 2020 Premiere feiert.
Im Fokus von "Der Gott des Gemetzels" - Premiere am 30. Januar 2021- steht der Verlust von zwei Schneidezähnen. Im Streit von zwei Elternpaaren wird glücklicherweise ein Problem gelöst - wenn sich nicht 20 neue auftun würden. Drogenprobleme bilden den Schwerpunkt von "Auf Eis", das am 24. Februar Premiere hat. Eineinhalb Wochen vor der geplanten Premiere fiel es dem Lockdown zum Opfer, nun ein erneuter Anlauf. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem "Zerbrochen Krug" in der Regie von Roland May. Bühne und Kostüme waren fertig, die Proben begonnen, als Corona zuschlug. Das Problem auch für die Premiere am 1. Mai 2021: Es ist sehr extensives Sprechen nötig, was wiederum einen strengen Sechs-Meter-Abstand erfordert.
Oper
Auf "Tamerlano" können sich die Opernfreunde gleich zwei Mal freuen. Die Erklärung: Der erste Teil der Händel-Oper gelangt am 31. Oktober zur Premierenaufführung, der 2. Teil am 7. November. Da die Hygienevorschriften noch keine Pausen vorsehen, hat Spartenleiter Jürgen Pöckel das Stück kurzerhand in zwei 80-Minuten-Abschnitte geteilt. Wie er die Spannung über eine Woche halten will‘? "Wir inszenieren einen Cliffhanger, der sich gewaschen hat." Die Puccini-Oper "Manion Lescaut" hat am 22. Mai Premiere. Pöckel schon fast euphorisch: Puccini schafft mit den Rokokofarben eine bestimmte Klangfarbe und behält die Seinige zugleich bei."
Als Weihnachtsmärchen kommt in diesem Jahr ab 1. Dezember "Nachtigall Tausendthriller" zur Premiere. Ein armenisches Volksmärchen, dem der 1. Kapellmeister Valdimir Yaskorski als gebürtiger Armene quasi das musikalische Sahnehäubchen aufsetzt.
Operette
Und natürlich werden auch die Freunde der Operette nicht leer ausgehen. "Die Lustige Witwe", deren Premiere eigentlich Ende April angestanden hätte, kommt am 27. Februar zur Aufführung. Schließlich landet am 29 Juni 2021 noch "Die Kuh Rosmarie" vor dem Malzhaus und "Rock of Ages" hat am 1. Juli 2021 im Parktheater Premiere.