Mit Oma Hilde in China

Fleischer sorgen für ein  gutes Bauchgefühl vieler Menschen. Ein vogtländischer Fleischer ging jetzt mit Ehefrau und "Großmutter" auf Reisen, um selbst ein Bauchgefühl  zu bekommen - für das Reich der Mitte.

Von Uwe Faerber

Reichenbach - Ralf Schaller (51) und Ehefrau Kathleen (42) sind Inhaber der Reichenbacher Wurstfabrik Walter Schaller - und zurück aus China: Elf Tage reisten sie durch das Land. Wie sie berichten, wollten sie sich ein eigenes Bild von dem drittgrößten Land der Welt machen, von seinen 1,3 Milliarden Menschen und den riesigen Chancen. "Wir beschäftigen uns langfristig mit den Möglichkeiten, mit China zusammenzuarbeiten, zumal junge Menschen sich immer mehr an unserer, der westlichen Lebensweise orientieren", sagt Schaller, dessen Unternehmen rund 30 Mitarbeiter zählt.
Mit seiner Frau gehörte er zu einer Delegation von Politikern, Wirtschaftsvertretern und Wissenschaftlern unter Leitung Thomas Schmidts, des Sächsischen Ministers für Umwelt und Landwirtschaft. Die rund 20 Männer und Frauen begannen in der Hauptstadt Peking eine Rundreise durch das Riesenland und besuchten Städte mit Namen, die für deutsche Ohren ungewöhnlich klingen: Chongqing, Wuhan (Sachsens Partnerregion) und Kunming. 
Apropos: Chongqing. Laut Schaller die größte Stadt der Welt mit 33 Millionen Einwohnern. 
In Wuhan wurde ein Schlachthof samt Fleischverarbeitung besichtigt mit 1300 Mitarbeitern, die zu einem Konzern mit 65 000 Leuten zählen. "In China wird viel Fleisch gegessen, viel Gemüse, viel Fisch. Aufschnitt und Wurst sind eher unbekannt. Wir hatten den Eindruck, dass sich das gerade ändern könnte - eine Chance für deutsche Unternehmer."
Überhaupt sei das große Interesse zu spüren, Wissen (aus aller Welt) zu erlangen: Damit die Kühe mehr Milch geben, damit die Berufsausbildung besser wird, damit westliche Standards überall Einzug halten
Es gibt Shopping-Center (mit Starbucks, McDonald's und Coke) wie im Westen - und noch größer. Aber auch Märkte unter freiem Himmel existieren - mit ungekühltem Rindfleisch auf Holzböcken, mit Hühnerbeinen und Froschschenkeln. 
"Die jungen Leute sind flippig wie bei uns. Sie grenzen sich von ihren Eltern ab, und wollen so leben und so essen wie wir", sagt Frau Schaller, nach deren Eindruck China mitten in einem großen Kulturwandel steckt.
Das vogtländische Paar berichtet atemberaubende Dinge vom Reich der Mitte: Das Bautempo sei unvorstellbar hoch. "Doch auf Nachhaltigkeit wird weniger geachtet: Was verschlissen ist, kommt weg." Der Durchschnittslohn liege bei 500 Euro - doch gute Schweißer würden wie in Deutschland bezahlt und in der Hauptstadt seien Quadratmeterpreise von 36 Euro nicht ungewöhnlich.
Familie Schaller zeigt sich begeistert von den Erlebnissen und Eindrücken - und auch von der Reisedelegation. "Wir haben mit anderen Unternehmern interessante Gespräche geführt, von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts unerwartete Dinge erfahren und natürlich in kurzer Zeit unheimlich viel gesehen."
Ralf und Kathleen Schaller freuen sich nach eigenem Bekunden auf das geplante Treffen der Delegationsmitglieder, um die Reise auszuwerten. Vielleicht fällt auch die eine oder andere Bemerkung über "Oma Hilde", einen Markennamen für Wurst, die an die gute alte Zeit erinnern soll und mit der Schallers werben: Oma Hilde heißt wie die Großmutter des Inhabers und war als Foto bei allen Terminen in China dabei.
Nebenbei: Oma Hilde hätte gestaunt, wenn sie von den Sitten und Gebräuchen in China gewusst hätte: "Fleisch wird dort teilweise samt Knochen gehackt und verarbeitet. Das führt beim Essen dazu, dass man immer kleine Knochenstücke aus dem Mund pulen muss - dafür würde man hier eine Anzeige kassieren."