Mit Humor gegen Extremismus

Der Plauener Verein "colorido" präsentiert in der Galerie im Malzhaus die Wanderausstellung "Oh, eine Dummel! Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit in Karikatur und Satire". Am Mittwochabend wurde die Ausstellung eröffnet.

Von Wilfried Hub

Plauen - Der Termin für die Schau in Plauen könnte besser nicht passen. So war die Eröffnung auch überschattet durch die Vorfälle am 1. Mai n der Plauener Innenstadt. Mirko Kluge vom "colorido"-Vorstand rief dazu auf, eine Petition an Landrat Rolf Keil zu unterzeichnen. Es geht darin um die "Feststellung der Uniformierung der Partei III. Weg" bei dem Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai. Kluge betonte, die Versammlungsbehörde, der Vogtlandkreis also, hätte das Tragen von uniformähnlicher Kleidung in Verbindung mit Fahnen und Trommeln sowie das Abbrennen von Signalfackeln nicht genehmigen dürfen. Sächsische Gesetze würden solche Versammlungen verbieten. 
Die Unterzeichner der Petition, die die in der Ausstellung ausliegt, fordern den Landrat auf, bei zukünftigen Versammlungen dieser Art keine Genehmigung zu erteilen. Solche Aufmärsche erinnerten an die dunkelsten Zeiten in Deutschland, heißt es in dem Aufruf. Der III. Weg sei sich dieser Wirkung sehr wohl bewusst. Der Landrat müsse alles unternehmen um genau dies zu verhindern. Auch auf die Gefahr hin, dass ein Gericht etwas anderes entscheide. Allein die Vermutung, dass dies geschehen könne, reiche als Begründung für eine Genehmigung keinesfalls aus. Den Statements aus dem Landratsamt, dass es sich bei den gleichen T-Shirts nicht um Uniformen handelte und diese nicht bedrohlich auf andere wirkten, wird in der Petition an den Landrat entschieden widersprochen. 
Die Zusammenstellung aktueller Karikaturen und filmischer Satirebeiträge tourt bereits seit 2016 mit großem Erfolg durch Deutschland. Gezeigt werden in der Ausstellung "Oh, eine Dummel!" gut 60 Karikaturen aus verschiedenen Printmedien sowie Beiträge aus TV-Satire-Sendungen wie "Extra3" und Filmen. 
Die Präsentation integriert zudem T-Shirts des Satire-Labels "Storch Heinar", die die bei Rechtsextremen populären Modemarken "Thor Steinar" und Lonsdale "auf die Schippe" nehmen. Die Ausstellung möchte das Publikum, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, anregen, sich mit Themen wie Flucht und Flüchtlinge, Migration und Integration, Diskriminierung und Alltagsrassismus, Nazis und rechten Bewegungen in unserem Land auseinanderzusetzen. Rechtsextremes Gedankengut entlarven, es der Lächerlichkeit preisgeben, das kann eine Form der Bekämpfung von nationalistisch-intoleranten Tendenzen sein.
Die Karikaturen stammen unter anderem von Ralph Ruthe, Klaus Stuttmann, Kostas Koufogioros, Harm Bengen und Heiko Sakurai. Viele prominente Künstler wie Culcha Candela, Clueso, Cro, Jella Haase, Milky Chance, die Toten Hosen und Karoline Herfurth unterstützen die Ausstellung ebenfalls und haben Zitate beigesteuert, die exklusiv in der Ausstellungszeitschrift zu lesen sind. Die Zeitschrift ist bewusst nicht als Katalog konzipiert, sondern hat als eigenständiges Werk auch neben der Ausstellung Bestand. Auf diese Weise bietet die Ausstellung einen etwas anderen Zugang zum Thema Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, als er sonst oft in der politischen Bildung verbreitet ist.
Zur Eröffnung gaben die Vorsitzende von "colorido", Dorrita Korte, und vier weitere Vorstandsmitglieder eine Einführung in die Themen der Ausstellung. Hassen sei so einfach. Um zu hassen müsse man nichts können. Jeder Dummel könne hassen, sagte die "colorido"-Schatzmeisterin Heidi Kröll. Sie verstehe, wenn manche Leute wütend seien. Jeder sei mal wütend. Wut als Antrieb für Veränderung könne auch etwas Gutes sein. Kröll: "Hass allerdings führt niemals zu etwas Gutem." 
Doritta Korte sagte, die Ausstellungsbesucher könnten sich mit den typischen, allzu simplen rechtspopulistischen und rechtsextremen Problemlösungsversuchen und Argumentationsweisen auseinandersetzen und so deren gefährlichen Gehalt offenlegen. Dem Besucher bleibt hier manchmal das Lachen förmlich im Halse stecken.
Die Besucher sind eingeladen, sich eine Meinung zu bilden und die Ausstellung durch eigene Bild- und Wort-Kommentare weiter zu gestalten. Dies soll zum Ausgangspunkt genommen werden, um über die Entstehung und über Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nachzudenken und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie man dem etwas entgegensetzen kann. 
Die Ausstellung unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Kultusministeriums ist noch bis zum 2. Juni in der Galerie im Malzhaus zu sehen. Der Eintritt ist frei. Zielgruppe sind vor allem Schulklassen von der 9. Klasse an und Jugendgruppen, aber eben nicht nur. Der Besuch lohnt sich aber für alle politisch Interessierten, egal welchen Alters. Die Vernissage wurde vom Plauener A Capella-Chor "drei:viertel" musikalisch gestaltet.