Mit highSTICK in die textile Zukunft

Über eine Abwrackprämie für Heimtextilien würde sich nicht nur Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Modespitze GmbH in Plauen, freuen. Vielmehr muss die Branche, die im Vogtland aktuell insgesamt um die 600 Mitarbeiter beschäftigt, aus eigenen Kräften das Überleben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sichern.

 

Wie das funktionieren kann, darüber informierten sich über 40 Wirtschaftsjunioren aus Plauen und dem Vogtland anlässlich ihres März-Stammtisches in dem Plauener Familienunternehmen, das seinen Sitz in der Annenstraße hat und im Gewebegebiet Reißig im neuen Produktionsgebäude auf modernster Großsticktechnik produziert.

Produktion und Verkauf von Erzeugnissen der Qualitätsmarke Plauener Spitze ® haben sich in den vergangenen Jahren stetig verändert. So schrumpfe seit 2001 der deutsche Markt für Heimtextilien durch ständig wachsende Importquoten aus Fernost. Zuwächse gab es bislang hingegen im Premiumsegment, im Bereich Mode sowie beim Exportgeschäft. Letzteres ist allerdings rezessionsbedingt seit November 2008 rückläufig.

Mit der sich verändernden Marktsituation habe sich auch das Kauf- und Orderverhalten der Kunden geändert. Ob Haus- und Heimtextilien (etwa 50 Prozent der Produktion) oder Mode (40 Prozent der Produktion) - die Aufträge werden vom Volumen her tendenziell kleiner. Damit erziele man nicht nur weniger Umsatz, auch der Aufwand werde immer höher, schätzt Andreas Reinhardt ein. Konnte vor Jahren die Produktion im Schichtsystem ohne große Stopps realisiert werden, kommen heute mehr Kleinserien (oft nur 500 Stück) in die Fertigung. Die Stickmaschinen müssen dazu mehrmals pro Woche - teilweise auch täglich - umgerüstet werden, um lukrative Nischenmärkte bedienen zu können.

Einen Ausweg aus der Situation sieht die Branche im Wachstumskern highSTICK. Durch Innovationen im Bereich der Sticktechnologie sollen neue Geschäftsfelder im Wachstumsmarkt der Technischen Textilien erschlossen und so die Zukunft der Stickereien gesichert werden.

So setzt auch die Modespitze Plauen GmbH intensiv auf Forschung und Entwicklung. Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet das Unternehmen eng mit der Technischen Universität (TU) Chemnitz zusammen und profitiert so vom fachübergreifenden Wissenstransfer. Dabei geht es um spezielle Sensorbauteile, die unter anderem im Bausektor oder auch im Automobilbau als preiswerter Massenartikel zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich etwa um neuartige Druck-, Feuchte-, Dehnungs- sowie berührungslose Sensoren, die auf modifizierten Stickmaschinen gefertigt und anschließend in Kunststoffbauteile integriert werden. Bei einer Entwicklung für den Automobilbereich wird zum Beispiel sehr feines Drahtmaterial auf ein spezielles Fließ durch Sticken verlegt. So entsteht ein neuartiger, absolut flacher und mechanikfreier "Schalter", ein textiler Sensor. Das Fließ kann direkt in das Bauteil eingebracht und danach beispielsweise lackiert werden. Die textile Struktur erleichtert die Integration in das Bauteil und der Kunststoff macht den textilen Sensor verschleißfest. Von dem Fließ ist dann nichts mehr zu sehen. Der neuartige Sensor reagiert beispielsweise auf Berührung, ja sogar auf die Annäherung mit Finger oder Hand.

Anwendungen aus dem Projekt werden mehrmals pro Jahr auf Fachmessen und Tagungen vorgestellt sowie potenziellen Anwendern präsentiert, sagt Andreas Reinhardt und ist optimistisch, dass sich mit solchen Innovationen in baldiger Zukunft neue Geschäftsfelder erschließen lassen.  -schin