Mit Gummihose in der Elster

Die Region hat schon viel Leid erfahren durch Hochwasser. Deshalb muss das Motto gelten: Vor dem Schaden klug sein - und dafür wird der größte Fluss des Vogtlands vermessen.

Plauen - Der Mann mit der Messlatte bewegt sich von Messpunkt zu Messpunkt durch die Weiße Elster: Manchmal ist das Wasser knietief, zuweilen droht seine Wathose vollzulaufen - und das wäre alles andere als angenehm, zuweilen sogar gefährlich. "Und an Wehranlagen kann man gar nicht stehen, da haben wir Boote benutzt", erklärt Bauingenieur Falk Mederer-Thelen, Prokurist der Bauer Tiefbauplanung GmbH Aue.
Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) hatte das 50-Mann-Unternehmen aus Aue beauftragt, die Weiße Elster zu vermessen - von der Talsperre Pirk bis zur Landesgrenze zu Thüringen. Wegen des Hochwasserschutzes lässt die LTV bei Notwendigkeit die Gewässer der 1. Ordnung vermessen - und dazu gehört die Weiße Elster.
Man arbeite mit herkömmlichen Nivelliergeräten, sagt Mederer-Thelen. Drohnen könne man für die Vermessung nicht einsetzen, da die Wasseroberfläche reflektiere und keinen Blick auf das Profil des Flusses ermögliche.
"Unsere drei Messtrupps haben ein Jahr etwa 30.000 Punkte vermessen", berichtet Mederer-Thelen weiter. "Die Daten haben wir im Sommer 2020 an unseren Auftraggeber geliefert, die Landestalsperrenverwaltung. Unsere Vermessungsdaten sind Grundlage für hydronumerische Berechnungen."
Hydro-was? Laut Mederer-Thelen werden damit Wasserspiegel-Lagen berechnet - und Überflutungsflächen sichtbar: Fachleute erstellen mit den Daten ein digitales Geländemodell. Dort hindurch lassen die Ingenieure am Computer Abflussmengen strömen - Mengen, wie sie statistisch gesehen aller 5 Jahre vorkommen, aller 10, 20, 50, 100, 200 und aller 300 Jahre. So ist zu sehen, wo wie viel Wasser was überflutet. Mit den simulierten Hochwasserereignissen entstehen Karten, von denen man Hochwassergefahren und -risiken ablesen kann. Sie sind Grundlage für das Landratsamt, um Betroffene zu warnen:
Welche Gebiete sind hochwassergefährdet? Wo muss Vorsorge getroffen werden? Wo darf man bauen - und wo nicht?
Angaben der Landestalsperrenverwaltung zufolge sollen die Karten im zweiten Quartal 2022 fertiggestellt werden. "Belastbare Berechnungen liegen üblicherweise schon eher vor", sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Nach ihren Angaben hat das ganze Projekt einen Umfang von rund 340.000 Euro. ufa