Mit Gottesdienst im Tanzsaal fing alles an

In Dresden feiert der langjährige Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche, Heinz-Claus Bahmann, am heutigen Samstag sein Goldenes Priesterjubiläum. Auf den Tag genau vor 50 Jahren wurde er geweiht.

Von Stephanie Rössel

Man kennt ihn in der Stadt und mag ihn. Heinz-Claus Bahmann hat in den 25 Jahren als Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde so Einiges geschafft. In den Ruhestand hätte er viel früher gehen können. Doch es gab viel zu tun für ihn.
1941 wurde Bahmann in Taucha bei Leipzig geboren. Die Mutter katholisch, der Vater evangelisch, geheiratet hatten sie deshalb evangelisch. Als der Vater aus dem Krieg schrieb, dass der gemeinsame Sohn auch evangelisch getauft werden solle, machte seine Mutter kurzen Prozess und taufte ihn mit einem mit Wasser gefüllten Kristallkrug selbst auf den Namen Heinz-Claus. Im Anschluss ging sie mit dem Kind zum Pfarrer, der das bestätigte und Taufkerze und Kleid übergab.


Seine ersten Gottesdienste erlebte er in einem Tanzsaal, da es im Ort, in dem er aufwuchs, keine Kirche gab. Als sein Vater im Krieg blieb, zog die Mutter mit ihm zu ihrer Schwester nach Dresden. In Kontakt mit Geistlichen sei er früh gekommen. Der spätere Bischof Otto Spülbeck habe damals noch als Pfarrer mit seinen beiden Kaplänen, einer davon später Pfarrer in der Plauener Kirche, bei ihm und seiner Mutter übernachtet, als man noch oft in die Luftschutzkeller musste.
Bahmann besuchte die Schule bis zur Mittleren Reife. Sein Berufswunsch war Pilot. Um diesem Traum einen Schritt näher zu kommen, wollte er eine Lehrstelle bei den VEB Flugzeugwerken Dresden. Leider war dort als Mechaniker nichts mehr frei. Man verwies ihn an das VEB Schreibmaschinenwerk Erika, welches zuvor Seidel & Naumann hieß. In einer verkürzten Ausbildung aufgrund guter schulischer Vorbildung erlernte er dort den Beruf des Werkzeugmachers. Mit dem "Club junger Techniker" baute er damals eine Einschienenbahn, mit der sie auf der "Messe der Meister von morgen" den zweiten Platz belegten. Noch heute brennt er für diesen Beruf. Doch ausüben - jeden Tag ein Leben lang - wollte er ihn nach dem Abschluss nicht.


Da die Mutter examinierte Krankenschwester war, traf er innerhalb von zwei Tagen die Entscheidung, als pflegerische Hilfskraft zu arbeiten. Viel habe er gelernt und selbstständig machen dürfen. "Lange Zeit war ich bei dieser Tätigkeit nicht mit dem Tod konfrontiert. Was gut war. Doch dann kam es anders", erinnert er sich. Als eine 36-Jährige an Krebs erkrankte Frau dem Tod ins Auge blickte, war es Bahmann, der ihr ein Gespräch mit dem Pfarrer vermittelte. Nachdem er gemerkt hatte, dass zwar alle sagen das Sterben gehöre dazu, aber keiner damit umgehen konnte, wenn es soweit ist.


In Folge dessen übernahm er oft Sitzwachen bei den Sterbenden. Aufgrund seines Engagement wurde ihm irgendwann nahe gelegt, dass man es fördern würde, wenn er ein Medizinstudium aufnehme. Und plötzlich dachte er über das Leben und den Tod nach und holte sich beim Pfarrer Rat. "Hör auf dein Herz. Wo es höher schlägt das mache", sagte dieser. Und so ging Heinz-Claus Bahmann nach Hause zur Mutter und verkündete, dass er ein Theologiestudium anstrebe. Vier Jahre Vorseminar musste er aufgrund des fehlenden Abiturs absolvieren, bevor er an die Theologische Fakultät konnte. Im Anschluss gab es den seelsorgerischen Teil, die Weihe als Diakon 1970 und das pastorale Seminar. Am 26. Juni 1971 folgte dann die Priesterweihe. Anders als ursprünglich geplant, trat er seine erste Stelle als Kaplan in Limbach-Oberfrohna, genauer in Penig an. Nach einiger Zeit wechselte er zur eigentlich angedachten Stelle nach Zwickau (St. Johann Nepomuk). Zweieinhalb Jahre später wurde er nach Kamenz versetzt. Danach war Bahmann sechs Jahre Kaplan in der Leipziger Propsteigemeinde tätig.. Dort wurde nicht nur aktiv gebaut, sondern auch die Arbeit, besonders mit den Jugendlichen, habe viel Freude gemacht.


Wie schon in den Gemeinden zuvor war Bauen das Hauptthema, als Heinz-Claus Bahmann dann als Pfarrer nach Gera-Süd versetzt wurde. Ein Seniorenheim und ein Kindergarten gehörten dazu und nach der Wende stellte er sich dort neuen Aufgaben. Die Ökumenische Gefängnisseelsorge für Gera und Hohenleuben übernahm er ehrenamtlich. Später folgte die Militärseelsorge bei der Bundeswehr, für die er sogar mit ins Manöver ging. 1994 dann überredete ihn der damalige Bischof bei einem Spaziergang an der Elbe, als Pfarrer nach Plauen zu gehen. Vom 4. September 1994 bis zum 15. November 2019 dauerte sein Ja zu Plauen. Und auch jetzt hält das noch an.


Über die Jahre hat der ehemalige Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde viel geschaffen und erreicht. Baulich in und um die Kirche, sozial und karitativ. Er hat viel Neues eingeführt, den St.-Martins-Tag verändert in der Stadt, das Malteser Kinderhaus auf den Weg gebracht und sich immer weiter um die Seelsorge, speziell auch die Telefonseelsorge und die bei der Polizei gekümmert.


"Auf Plauen schaue ich mit unendlich großer Freude und Dankbarkeit. Es gibt eine große Verbundenheit vielen Menschen gegenüber, die mich begleitet haben", sagt der 80-Jährige. Im Ruhestand habe er keine Langeweile. Irgendetwas beschäftigt ihn immer. Gespräche führe er täglich, oft auch sehr lange, problemreiche.


Körperlich war er in jüngster Zeit etwas eingeschränkt. Bei einem Sturz habe er sich die Schulter zertrümmert. Deshalb gehöre regelmäßige Physiotherapie gerade zu seinem normalen Programm. "Ansonsten genieße ich die Möglichkeiten, die ich habe", sagt Bahmann und ist viel unterwegs. Zu Konzerten in der Kirche oder Vorträgen trifft man ihn. Jetzt freut er sich aber freut er sich auf die Jubiläumsfeier zum Goldenen Priesterjubiläum und das in Kürze stattfindenden Kurstreffen aus den verschiedenen Bistümern.