Mit Energie aus dem Vogtland

Plauen/Neuensalz - Elektro-Autos sind keine Hexerei. Auch im Vogtland werden welche gebaut - im Gewerbepark Neuensalz. Die E-Mobile heißen Wizzard, was Zauberer oder Hexenmeister bedeutet.

 

Die Serienproduktion läuft seit Ende 2010, sagt Peter Meinel, Chef des Herstellers, der AIW Production GmbH. "Wir wollen in diesem Jahr 2000 Stück verkaufen und in fünf Jahren auf 10 000 erhöhen. Das bedeutet: Ausbau des Standorts Neuensalz und 50 neue Arbeitsplätze."

Ende 2009 hatte Meinel einen Prototyp präsentiert. Einzelne Fahrzeuge habe man daraufhin verkauft - auch an die Schweizer Post. "Die haben sich bedankt und mitgeteilt, dass sie damit schon Alpen-Gipfel erreicht haben", berichtet Meinel.

Bisher gibt es Ein- und Dreisitzer des Wizzard. Mit dem Baukastensystem wolle man auch Fünfsitzer entwickeln und einen Transporter anbieten für Lasten bis zu einer Tonne. "Das wäre interessant für Gewerbetreibende, für die Lagerhaltung und auch für Friedhöfe", sagt Meinel. Nach Angaben des Chefs ist die Straßenzulassung der E-Fahrzeuge kein Problem. "Ich wohne in Markneukirchen und benutze zum Einkaufen selbst so eins." Vorteilhaft sei, dass man damit in Umweltzonen fahren dürfe, die für Autos mit Verbrennungsmotoren gesperrt sind.

Meinel erhofft sich viel von dem Kooperationsvertrag mit dem rumänischen Karpaten-Ort Slanic-Moldawa - der Vogtland-Anzeiger berichtete am Freitag. Dort sei eine Bürgersolaranlage im Gespräch, mit deren Strom E-Mobile aus Neuensalz betankt werden könnten. "Die Ladezeit an jeder normalen Steckdose beträgt maximal sechs Stunden - für eine Reichweite von 100 Kilometern. Im Internet findet man nichts Besseres." Die Idee für das bis 25 Stundenkilometer schnelle Fahrzeug hatte ein Professor aus Zwickau. Meinel hat die Rechte an dem Fahrzeug (und einen Mitarbeiter des Professors) nach eigenen Angaben übernommen. Fünf Leute seien mit der Weiterentwicklung des Fahrzeugs beschäftigt.

Derzeit montieren vier Arbeiter die Elektromobile in einer Halle des Neuensalzer Gewerbeparks unweit der Autobahn - doch am Standort sind 200 Mitarbeiter beschäftigt. "Wir sind ein Automobilzulieferer mit insgesamt 700 Mitarbeitern, nicht nur in Deutschland", sagt Meinel und nennt als weitere Standorte: Markneukirchen, Delitzsch und Regnitzlosau sowie die Slowakei und das russische Kaliningrad.

 

Bei einem Gesamtumsatz von jährlich 30 Millionen Euro statte man viele Automarken aus. Meinel nennt Armauflagen und Türverkleidungen, Kopfstützen und Mittelarmlehnen für Audi, BMW und Daimler. "Und wir planen weitere Produktionsstätten, zum Beispiel in Rumänien", sagt er. va