Mit Edelsteinen zum Geopark Vogtland

Ein Teil des Vogtlandes soll ein zertifizierter Geopark werden. Im Zentrum geologischer Schätze steht dabei der Schneckenstein mit seinen Topasen, die sogar in der englischen Königskrone und im Grünen Gewölbe des Sachsenkönigs in Dresden funkeln.

Falkenstein/Muldenhammer - "Ihr Schneckenstein ist ein Geotop der Extraklasse. Er sprengt alle Rahmen normaler Geotope und erfüllt alle Kriterien von Seltenheit, Eigenart und Schönheit", wendet sich Professor Thomas Seifert von der Bergakademie Freiberg begeistert an die Vogtländer, die am Montagabend in den Falkensteiner Ratssaal gekommen sind.

Die lassen sich gerne mitreißen von dem Professor für Lagerstättenlehre und Petrologie, der mit seinem Team im Auftrag des Leader-Regionalmanagements "Sagenhaftes Vogtland" eine Studie zum Geopark anfertigt. Mineralienfreunde, wie auch Gastronomen, Pädagogen, Leute aus der Tourismusbranche sowie Bürgermeister und Vertreter aus den späteren Geopark-Kommunen hören von der Studie, fragen, sagen ihre Meinung - und sind bereit, sich in Workshops zu engagieren.

"Ein Geopark wird nicht umzäunt", stellt Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund klar. Vielmehr handelt es sich um ein Gebiet mit geologisch-mineralogischen Besonderheiten, das man für den (sanften) Tourismus infrastrukturell und pädagogisch aufwertet und zusammen mit anderen Geoparks landes- und bundesweit vermarktet.

16 Geoparks (z. B. Vulkaneiffel, Kyffhäuser-Gebiet, Tharandter Wald) gibt es schon. Der im Vogtland soll Nummer 17 sein. Der im Vogtland umfasst 115 Quadratmeter und damit die Kommunen Muldenhammer, Bergen, Grünbach, Werda, Neustadt, Falkenstein und Ellefeld, in denen insgesamt 18.500 Menschen leben.

Eine halbe Million Euro wird der Geopark kosten, wovon 20 Prozent die sieben Leader-Kommunen zahlen. Schon jetzt haben sich besagte Städte und Gemeinden 12.000 Euro für die Studie kosten lassen, welche insgesamt 60.000 Euro kommt.

"Ohne Geotope kein Geopark", sagt der Freiberger Geologe und verweist auf die geotopreiche Natur, mit der das Vogtland wie nur ganz wenige Regionen reich gesegnet sei. Weltweit einzigartig sei der Schneckenstein, europaweit die Grube Tannenberg mit der größten zugänglichen Zinnkammer.

Um diese beiden Highlights scharen sich weitere wichtige Gesteinsformationen: Da gehört zum Beispiel der Theumaer und Werdaer Fruchtschiefer dazu, wie der Eibenstocker und Bergener Granit oder das mit Quarz versetzte Seifengold in der Weißen Mulde.

Beliebte Ausflugsfelsen, wie der Grünbacher Wendelstein, Falkensteiner Lochstein und Beerheider Röthelstein gehören in den Geopark wie auch die Bergbau-Tradition, die im Vogtland keine untergeordnete Rolle spielt. Da wären die Zinn-Pingen in Gottesberg, an denen ganz aktuell wieder geforscht wird, Lagerstätten von Zinn, Wolfram, Fluorit und schließlich der noch bis zu DDR-Zeiten betriebene Uranabbau in Bergen.

Schön wäre, wenn man auch den leider etwas vernachlässigten Hohen Stein bei Erlbach, der sich schon auf tschechischen Gebiet befindet, in den Park integrieren könne, schlug ein Gast aus Erlbach der Runde vor. Markus Schneider brachte das Zusammenspiel mit einem Geopark in Tschechien/Mähren zur Sprache.

Man wolle erst mal klein anfangen und den Geopark auf das Gebiet der sieben Leader-Gemeinden beschränken, antworteten darauf Thomas Seifert und sein Team. Was nicht heißt, dass man später den Park noch erweitern könnte, so zum Beispiel in Richtung Oelsnitz oder Schöneck (Alter Söll).

Dem pflichteten Steffen Gerisch von der Grube Tannenberg und Muldenhammers Bürgermeister Jürgen Mann zu. Mann: "Eine gewisse Eigendynamik wäre wünschenswert. Ich hatte schon zwei Anrufe von Interessenten gehabt, die vielleicht später an den Geopark andocken können." Armin Hess wollte wissen, ob der geplante Zinnabbau in Gottesberg den Plänen Schaden könnte, was der Freiberger Professor verneinte.

Kritische Worte fand Martina Becker, Direktorin des Auerbacher Goethe-Gymnasiums. Schneckenstein und Grünheider Hochmoor schön und gut - aber wie kommen Schulklassen mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort hin? Im Moment gar nicht, konstatierte Becker mit dem Hinweis an das Geopark-Team, hier für ausreichend Bustourismus und Gastronomie zu sorgen. Immerhin gehören Schulklassen, wie auch Urlauber jeder Art zur Zielgruppe. Bis 2020 soll das Projekt Geopark stehen. Cornelia Henze