Mit der S-Bahn nach Leipzig?

Er scheint in direkter Nachfolge von Don Quichotte zu stehen. Seit Jahren kämpft Wolfgang Lochmann für eine direkte Anbindung des S-Bahnnetzes von Plauen nach Leipzig. Nun wurde sogar das MDR aufmerksam und besuchte den Mann vor Ort.

Plauen Eigentlich ist das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland eine Erfolgsgeschichte. Die Passagierzahlen steigen kontinuierlich - täglich nutzen 90.000 Fahrgäste die S-Bahn, was wiederum eine Steigerung um 25 Prozent in den letzten Jahren bedeutet. Doch das Vogtland profitiert davon nicht. Es ist schlicht nicht an das S-Bahn-Netz angeschlossen. Und nicht nur er, sagt Wolfgang Lochmann, viele Vogtländer fühlen sich im Wortsinne abgehängt. Er kämpft seit Jahren für eine Direktverbindung und hat dafür sogar 2015 eine Initiative gegründet. Seither sind vier Jahre ins Land gegangen, doch passiert sei bisher nichts, macht Lochmann seinem Ärger vor der Kamera Luft. "Die Strecke wurde für viel Geld elektrifiziert und man fährt mit Dieselzügen." Das sei auch aus klimapolitischer sicht unakzeptabel. "Die Leute wollen das - wie früher. Das ist unser Frust", sagt Lochmann. Bereits 2016 übergab die Initiative eine Petition an Landtagspräsidenten Matthias Rößler. Rund 3500 Unterschriften wurden für die Wiederaufnahme dfr direkten Bahnverbindung zwischen Plauen und Leipzig gesammelt. Inzwischen darf sich Lochmann und seine Mitstreiter zumindest der Unterstützung des Fahrgastverbandes Pro Bahn Mitteldeutschland gewiss sein. "Herr Lochmann hat da was in Bewegung gesetzt. Die Vogtländer würden bequemer nach Leipzig kommen und umgekehrt die Leipziger gut ins Vogtland mit seinen Erholungsorten", sagt Verbandsvertreter Bertram Zetzsche.
In Landrat Rolf Keil findet Lochmann allerdings keinen Unterstützer. Er favorisiert die Wiederaufnahme eines Fernbahnanschlusses nach München, Nürnberg und Berlin, weil das Vogtland seit Jahren vom Fernverkehr der Bahn abgekoppelt sei. Allerdings eben auch vom S-Bahn-Netz Mitteldeutschland mit seinen klimaschonenden Elektrozügen. An einer Ausschreibung der SB Mitteldeutschland hatte sich der Vogtlandkreis nicht beteiligt. Diese Absage hatte zur Folge, dass die S-Bahn-Verantwortlichen zu Beginn im Jahre 2013 auch nicht die Weichen bis Plauen stellten. Oliver Mietzsch, Geschäftsführer des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig dazu lakonisch: "Damals hat in Werdau ein Signal zum Weiterfahren gefehlt." Lochmann widerspricht: Ein Weiterfahren würde auch ohne Signal funktionieren, ist er überzeugt. "Die S5 fährt schon bis Werdau, die könnte doch einfach weiterfahren. Da braucht man kein Signal und keine Flügelung. Man müsste einfach weiterfahren." Allerdings: Eine Direktverbindung Plauen-Leipzig schlüge mit sechs Millionen Euro zu Buche. Da der Vogtlandkreis sich vertraglich bis 2026 an die Deutsche Bahn gebunden hat, könnten schmerzhafte Vertragsstrafen drohen. "Ich müsste für diese Sonderwünsche andere Linien stillegen, um es vor Vertragsende zu realisieren", sagt Landrat Keil dem MDR. Lochmann, vermeintlich in direkter Nachfolge von Don Quichotte, kämpft weiter mit seiner Initiative. Sein nächstes Ziel ist ein Treffen mit allen Bahn-Verantwortlichen an einem Tisch. Unbefriedigendes Fazit für Lochmann: In den nächsten sechs Jahren wird wohl keine S-Bahn auf direktem Wege von Plauen nach Leipzig verkehren.  red