Mit 65 alles andere als von gestern

Plauen - "Wir finden bei Stellenausschreibungen für das Pflegepersonal keine Bewerber mehr." Diese Erfahrung beunruhigt die Geschäftsführerin der Volkssolidarität Plauen/Oelsnitz, Sabine Schwarz. Deshalb ermuntere der Verein bereits eigene Pflegehilfskräfte, sich berufsbegleitend weiterbilden zu lassen. Doch das könne nicht die Lösung sein. Ebenso engagiert sich die Gesprächspartnerin für einen gesetzlichen Mindestlohn für Pflegeberufe. Und: "Wir müssen weg von der Pflege im Minutentakt!"

Außerdem müsste nach Einschätzung der Fachfrau die generelle Rente mit 67 zurückgenommen werden. "Ein Altenpfleger ist nicht in der Lage, bis 67 Jahre voll arbeiten zu können." Diese Tätigkeit sei viel zu schwer, sowohl körperlich als auch mental.

Trotz dieser Probleme sieht die Geschäftsführerin die Volkssolidarität Plauen/Oelsnitz als gut aufgestellt in der Region an. Dies in dreifacher Hinsicht: als Interessenvertreter von Kindern und älteren Menschen, als sozialer Dienstleister und last but not least als Verband mit über 2000 Mitgliedern im Vogtland.

Interessenvertreter mündet in der Forderung nach einem besseren Betreuungsschlüssel für Kindertagesstätten. Bisher betreut in Sachsen im Schnitt eine Fachkraft 13 Steppkes in einer Kita, was Frau Schwarz als zu hoch ansieht und fordert eine Verringerung auf zwölf Kinder, um sich besser um die einzelnen Mädchen und Jungen kümmern zu können, unter anderem auch mit Blick auf eine erforderliche Weiterbildung der Pädagogen. Derzeit sind es rund 850 Kinder in den acht Einrichtungen in Plauen sowie jenen in Pausa und Mühltroff.

Der Sozialverband bietet in der Region in seinen zehn Kitas verschiedene Konzepte zur Betreuung der Steppkes an, von Kneipp über verstärkte musische Erziehung bis hin zur Betreuung begabter Kinder, so zum Beispiel in der Kita "Friesenzwerge". Die Volkssolidarität als sozialer Dienstleister hat sich für dieses Jahr einiges vorgenommen. Da wäre die künftige Einrichtung "Goldene Sonne" in Oelsnitz zu erwähnen - unsere Zeitung berichtete darüber. Weiterhin stehe der Hort der Grundschule Pausa im Fokus. Mitte Mai solle mit dem Neubau begonnen werden. Als Endtermin ist Ende August 2011 angepeilt. "Dieses Jahr können wir erstmalig eine Komplettsanierung einer Kindereinrichtung anpacken, mit der Kita Märchenland in Plauen." Nach Informationen von Frau Schwarz sei dies dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung zu verdanken, aus dem 1,2 Millionen Euro in die komplette energetische Erneuerung des Plattenbaus am Chrieschwitzer Hang fließen, was die Fachfrau als Pilotprojekt bezeichnet.

Nicht zuletzt mit Blick auf die tickende demografische Zeitbombe hat die Volkssolidarität in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse das Projekt "Betriebliches Gesundheitsmanagement" für Mitarbeiter aus der Taufe gehoben. Langfristig solle so die Bindung der Beschäftigten an die Firma erhöht und deren Motivation verbessert werden. Immerhin liege das Durchschnittsalter der Beschäftigten in der Volkssolidarität bei 47 Jahren. Etwas älter ist der Verein selbst, der heuer auf 65 Jahre zurückblicken kann. Im Oktober soll an die Gründung des aus der Notgemeinschaft Plauen hervorgegangenen Vereins erinnert werden. Am 24. Oktober sei eine Festveranstaltung im Vogtland-Theater geplant, dem sich eine Plakatausstellung im Rathausfoyer anschließe, umriss Frau Schwarz die geplanten Aktivitäten. Dann dürften die Besucher auch einen Einblick in eine eigens dafür angefertigte Chronik werfen können. "Mit unseren 65 Jahren als Verein ist die Volkssolidarität nicht von gestern, sondern wir stehen mit unserer Arbeit voll im Leben", so Sabine Schwarz. va