Mit 1600 Pferdestärken an den Rhein

Ein 78 Meter langer Schwertransport machte sich dieser Tage von der Plauen Stahl Technologie auf die Reise. Sein Ziel ist Nordrhein-Westfalen, wo die Schwergewichte aus Plauen für den Bau einer neuen Brücke dienen.

Von Karsten Repert

Peter Völkner und Gerald Eckersberg wirken nicht sonderlich angespannt. Dabei managen die beiden Geschäftsführer in diesen Tagen ein Auftragsvolumen von 100 Millionen Euro. Insgesamt hat die Plauen Stahl Technologie (PST) sogar Bestellungen im Wert von 200 Millionen Euro vorliegen. Und dann hielt Ende voriger Woche erneut ein 78 Meter langer Schwertransport alle am Gelingen dieses Mammutprojektes in Atem. In der Branche gilt der Plauener Standort als Schwergewicht. Das war zu DDR-Zeiten nicht anders. Das Unternehmen mit seinen 250 Mitarbeitern hat in diesen Tagen für einen neuen unglaublichen Rekord gesorgt. Etliche Zaungäste standen mit offenem Mund vor dieser "Eisensau". Auf dem Betriebshof an der Hammerstraße "parkte" ein 78 Meter langer Schwerlasttransport. Vieles schoss vermutlich die frage durch den Kopf: Wo soll der lang fahren? Peter Völkner schmunzelt. "Wir haben hier eine Mannschaft, die genau berechnen kann, was unter allen geforderten Sicherheitsregeln möglich ist. Heute senden wir den zweiten Transport auf die Reise. Teil 1 ist bereits vor Ort." Rückblick: Die PST erhielt den Auftrag im September 2019. Der Ersatzneubau für eine Straßenbrücke in Nordrhein-Westfalen aus den 1940er Jahren gehört zu den aktuellen Highlights im spannenden Unternehmensalltag. PST-Pressesprecherin Aileen Sammler übermittelt die technischen Daten: "Der Auftrag umfasst drei Brückenbauteile mit je knapp 64 Meter Länge und 170 Tonnen Gewicht. Das sind die größten jemals bei PST gefertigten Brückenbau-Einzelteile." Aber wie gelangt ein insgesamt 78 Meter langer Schwertransport von Plauen an den Rhein? Peter Völkner und Gerald Eckersberg sprechen voller Hochachtung von ihren Mitarbeitern. Denn die PST-Belegschaft hat drei Riesenstahlbau-Unikate hochpräzise als Drillinge zur Welt gebracht. "Die Fertigung in unserem Werk in Plauen ist abgeschlossen. Wir sind sehr stolz, dass wir für ein solches Projekt fertigen durften und haben alle Maßnahmen ergriffen, dass das Brückenbauteil erfolgreich transportiert werden kann. Unsere Mitarbeiter haben eine tolle Arbeit geleistet." Das erste Brückenbauteil wurde am 11. Mai abgeholt. Es war fast eine Woche auf Reise. Ein Schwerlasttransport dieser Art dauert fünf bis sieben Tage. Statt der normalen Strecke von 500 Kilometer bis zur Baustelle muss der Schwerlast-Transporter 1.200 Kilometer zurück zu legen, da der Lkw nur auf den dafür zugelassenen Straßen fahren darf und die Fahrer streng vorgegebene Fahrzeiten einhalten müssen. Buchstäblich ins Rollen gebracht hat ein Lkw-Doppelpack das Bauteil. Die Zug- und Schubmaschine bringt es auf insgesamt 1.600 PS. Am Mittwoch Abend ging der Megatransport auf die Reise.
Die Endmontage erfolgt in einer sogenannten "Sperrpause" an einem Wochenende im Juni, an dem die Bundesstraße gesperrt wird. Im Anschluss haben die Plauener vor Ort vier Wochen Zeit, die eingehobenen Brückenbauteile zu verbinden und den Korrosionsschutz anzubringen. Dann erst hat die PST alle Leistungen erbracht. Im Anschluss wird noch die Fahrbahnplatte aufgebracht, bevor die neue Brücke im Sommer befahren werden und die alte Brücke abgerissen werden.