Misstöne in Musikschule

Noten fehlen nicht - aber Banknoten sind knapp. Und auf die Geldsorgen der Musikschule Vogtland mit mehr als 2300 Schülern machte Direktor Andreas Häfer im Kreistag aufmerksam.

Plauen/Reichenbach - Die Musikschule Vogtland ist erfolgreich - und billig: Die beim Betreiberverein angestellten Lehrkräfte erhalten laut Häfer 87 Prozent des Tariflohns. Deshalb werde es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden, sagte der Direktor und dachte dabei sicher an das Vogtlandkonservatorium, das 100 Prozent Tariflohn zahlt.
Häfers moderat vorgetragene Forderung nach Lohngerechtigkeit wurde von Kreisräten unterstützt: Laut Thomas Höllrich (Die Linke) wird seit zehn Jahren über eine Lohnangleichung geredet. "Es muss endlich was passieren. Wir müssen uns kümmern, dieses Jahr - nicht irgendwann."
Dieter Kießling (CDU) relativierte: Trotz finanzieller Schwierigkeiten und Haushaltskonsolidierungskonzeptes des Kreises hätten sich die Bezüge erhöht. "Im Sommer bereiten wir den Doppelhaushalt des Kreises 2021/22 vor. Da müssen wir sehen, was möglich ist." Nach Kießlings Bekunden sind die Erfolge der Musikschüler ebenfalls eine Belohnung.
Kießlings CDU-Kollege Stefan Fraas - Vorstandsvorsitzender des Trägervereins - gab dem Linken-Politiker Höllrich recht: "Wir kommen aus desolaten Lohnverhältnissen 2013/14", die etwas gemildert worden seien durch Sonderzahlungen des Kreises und erhöhte Beiträge der Standortkommunen Auerbach und Reichenbach.
Nach Fraas‘ Worten ist die Musikschule ein Juwel, in deren Erfolg sich viele sonnen. Doch 100 Prozent arbeiten, aber nur 80 Prozent verdienen und das seit 20 Jahren? Das sei nicht in Ordnung. "Kein Beschäftigter der Kreisverwaltung würde das machen."
Direktor Andreas Häfer hatte den Kreisräten seine Bildungseinrichtung vorgestellt. Die Kreisräte erfuhren Folgendes:
Die Musikschule wird privat-rechtlich geführt: Der Verein "Musikschule Vogtland" übernahm vor 21 Jahren die Trägerschaft über die bis dahin kreislich getragenen Musikschulen Reichenbach, Auerbach und Markneukirchen mit der damaligen Außenstelle Klingenthal.
Die Musikschule Vogtland musste sparen, 100.000 D-Mark pro Jahr. "Und dies verbunden mit der Forderung nach Bewahrung der Ausbildungsqualität und Angebotsvielfalt. Eine nahezu unlösbare Aufgabe, die nur gelingen konnte durch die finanzielle Beteiligung der Standortkommunen an der Musikschulfinanzierung, durch freiwilligen Lohnverzicht aller Vereinsangestellten, durch Personalabbau und im Gegenzug Umwandlung von Festanstellungen in Beschäftigungsverhältnisse auf Honorarbasis", sagte Häfer.
Die Musikschule ist erfolgreich: Nach seinen Angaben kamen 2018 acht Schüler aus Lübeck mit Preisen zurück, vom Bundeswettbewerb "Jugendmusiziert". Auch an diversen anderen Wettbewerben nahmen Schüler teil - erfolgreich. 17.700 Besucher habe man in 221 Veranstaltungen gezählt, in denen Musikschüler aufgetreten seien.
Häfer zufolge hat die Musikschule 19 hauptamtliche Lehr- und mehr als 50 Honorarkräfte. Er verwies auf den "Stuttgarter Appell" des Verbandes deutscher Musikschulen von 2017, der fordere, dass eine öffentliche Musikschule grundsätzlich nur mit angestellten und angemessen vergüteten Lehrkräften zu realisieren sei.
Wie Häfer erklärte, erwirtschaftet die Musikschule Vogtland mit 41 Prozent einen größeren Eigenanteil als andere Schulen; der sächsische Durchschnitt liege bei 36,9 Prozent. ufa