Mira Foron fasziniert auf Violine

Man ist einfach gezwungen, es einmal anders zu machen: Was sonst erst am Schluss einer Rezession verkündet wird, soll gleich zu Beginn stehen - die junge Geigerin Mira Foron, Solistin im 3. Sinfoniekonzert der Clara-Schumann-Philharmonie Plauen-Zwickau, war phänomenal.

Von Friedrich Reichel

Plauen Mira Foron holte aus ihrer Violine, einem über 300 Jahre altem italienischen Meisterinstrument, solch wunderschöne Töne hervor, wie man es noch nie von einer Zwanzigjährigen zu hören bekam. Traumwandlerisch strich sie über die Saiten, die Technik spielte für sie, so schien es, dabei keine Rolle, ihr Ton faszinierte über alles.
Mira Foron kam mit zwei Stücken nach Plauen und Zwickau - als erstes interpretierte sie ein Rondo für Violine und Streichorchester von Franz Schubert. Haben die Komponisten sich meist mit der Konzertform vertraut gemacht, so hat Schubert sich insgesamt nur zwei Mal annähernd mit diesem Stoff auseinandergesetzt und die einsätzigen Werke beruhen nur auf konzertähnlichen Formen. Aber was Schubert daraus gemacht hat, sucht seinesgleichen vor allem unter den jüngeren Komponisten - der noch nicht zwanzigjährige Komponist schuf ein Werk, das weit über ein klassisches Rondo hinausreicht.
Er hat es mit der Konzertform verbunden und so ein lebendiges Stück geschaffen. Nach dem prahlerischen Adagio folgt ein fröhliches Allegrothema, das von der Solovioline vorgetragen wird - aber es folgt keine Wiederholung sondern eine dramatische Variante, die von der Solistin angetrieben wurde und um schnell in einem breiteren Teil, vergleichbar mit dem 2. Thema eines Satzes, erklingen kann. So baute Schubert sein Stück auf - es ist Rondo, wird aber von anderen Teilen durchtränkt.
Unsere junge Geigerin brillierte zwar zu Beginn und hatte dann aber die unterschiedlichsten Passagen zu bestehen. Von getragenen bis zu schmerzvollen, aber auch heiter hinweg gehenden Floskeln ist ihr Part gezeichnet.
Und das Streichorchester unter GMD Leo Siberski war ebenbürtiger Partner - es war ein ausgewogenes Miteinander.
Ein zweites Werk stellte uns die junge Geigerin vor: Sergej Prokofievs 2. Violinkonzert, op. 63 von 1935. Gleich im ersten Satz erklingt eine Melodie der Solovioline, die aus dem russischen Volksliederbuch stammen könnte, um die innige Melodie dann in Umspielungen, Engführungen und tonartlichen Rückungen im Wechsel- oder Zusammenspiel fortzuführen bis ein zweiter Gedanke von fast brahmsscher Lyrik diesen Ausdruck noch vertieft.
Das glatte Gegenteil im 3. Satz - der Beginn scheint den grotesken, bizarren Tonfall aus Prokofievs Jugendzeit aufnehmen zu wollen, aber die Musik zielt auf anspruchsvolle Virtuosität, auf tänzerische Impulse, die schließlich nun doch in einem Taumel und zum brüsk abbrechenden Schluss drängt. Man kann es nicht beschreiben, was die Solistin da so alles aus ihrem Instrument herausholte.
War dieses Violinkonzert schon der neoklassischen Musik hinzu zuschreiben, so ist dies bei Igor Stravinskys Ballettmusik "Apollon Musagète" (Apollo, Führer der Musen) erst recht der Fall. Diese Musik musste tonal sein. Sehr gekonnt hatte GMD Leo Sibirki die Figurinen in seiner Aufführung charakterisiert - die Streicher folgten konzentriert seinen Ausführungen.
Schubert stand noch einmal auf dem Programm: seine 3. Sinfonie in D-Dur, die er ungefähr ein Jahr vor dem Rondo für Violine und Streichorchester beendete.