Minister übergibt Campus-Schlüssel

Auf dem Schlossberg ist seit fünf Wochen schon studentisches Leben gezogen. Gestern wurde der Campus feierlich übergeben. Und vom Finanzminister gab es auch den Schlüssel für das umgebaute Amtsgerichtsgebäude.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Bauherr für den Campus der Studienakademie Plauen ist der Freistaat Sachsen. Und deshalb übergab gestern Finanzminister Matthias Haß gemeinsam mit Wissenschafts-Staatssekretär Uwe Gaul offiziell den Schlüssel für das zu einem Lehr- und Laborgebäude umgebaute ehemalige Amtsgericht an Direktor Prof. Dr. Lutz Neumann. Rund 14 Millionen Euro hat der Freistaat bisher auf dem Schlossberg investiert. Das Geld sei gut angelegt, sagte Haß: "Mitten in der Stadt, dort wo einst die Vögte regierten, ist ein moderner Hochschulkomplex entstanden. Und ein Ort mit einer hohen Aufenthaltsqualität für jedermann und nicht nur für Studenten. Eine Bauzeit von gut drei Jahren kann sich sehen lassen. Und es sind weitere Bauten geplant. Mit der Schlossruine versuchen wir eine Lösung zu finden, bei der alt und neu auch weiterhin verbunden werden."
Der Finanzminister verriet auch, dass er es sich mit der Entscheidung zur Schlossruine gar nicht leicht gemacht habe. Als es hieß, sie sei zu porös um in den Bau des Multifunktionsgebäudes integriert zu werden, wäre ein neues Gebäude die einfachere Lösung gewesen. "Bei einem Besuch in Plauen habe ich mir das Gelände angesehen und mir war klar, die Ruine muss erhalten werden. Sie wird als Fassade ohne tragende Funktion bleiben", sagte Haß. Bis 2022 soll der nächste Bauabschnitt, der neben Bibliothek und Mensa auch ein Audimax mit 200 Plätzen enthalten soll, fertig sein. 
 Diana Weber, Leiterin der Niederlassung Zwickau des Staatsbetriebes Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), erinnerte an ihr erstes Gespräch mit Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, der damals noch den Aufbau des Schlosses favorisierte, aber damit auch den Anstoß gab, das Areal wieder zu beleben. Und auch nicht locker ließ, die Studienakademie nicht nur zu gründen, sondern auch zu entwickeln. 
 Vor 20 Jahren begann die Berufsakademie Sachsen in der ehemaligen Seume-Schule mit dem Lehrbetrieb mit zwei Dozenten in zwei Studiengängen für 34 Studenten. 2007 wurde daraus die Staatliche Studienakademie Plauen. Heute lernen aktuell 340 Frauen und Männer an der dualen höheren Bildungseinrichtung. "Zielstellung sind 400 Studenten und diese haben wir spätestens im nächsten Jahr erreicht", sagte Prof. Neumann und nannte die 140 Studienanfänger des vergangenen Jahres. "Bevor auf dem Campus alles fertig ist, sind wir schon wieder am Limit. Und wir wollen weiter wachsen", fügte er hinzu und blickt Richtung Staatssekretär Gaul in Vertretung von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Dieser lobte den bisherigen Weg der Studienakademie, sprach von der Verantwortung alles zu tun, um die Abwanderung junger Menschen zu stoppen, nannte auch die richtungsweisenden Studienangebote in Plauen, aber blieb die Antwort auf die zukünftige Ausgestaltung schuldig. Immerhin ließ er nicht unerwähnt, dass nur durch die Sparkassen-Stiftung "Zukunft Vogtland" , die Honorarprofessoren bezahlte, die Etablierung des einmaligen Studiengangs Physical Assistent gelang. Insgesamt konnten in den letzten drei Jahren drei neue Studienangebote an der Studienakademie etabliert werden. Doch mehr Personal gab es dafür nicht. "Wohlwollende Begleitung durch die Staatsregierung" hat Gaul zumindest versprochen. Immerhin habe die Berufsakademie Sachsen bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal und werde die Studienakademie Plauen stark nachgefragt. "Zum einen wird der regionale Fachkräftebedarf gesichert und zum anderen können die Studenten nach Abschluss ihres Studiums von Praxispartnern übernommen werden und damit in der Region bleiben", betonte der Staatssekretär. Die Studienakademie Plauen bietet Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Sozial- und Gesundheitswesen an. 
 Wenn in den kommenden Jahren der Bau des Multifunktionsgebäudes, in dem die Ruine als Fassade und das Portal als künftiger Eingang erhalten werden sollen, geschieht, werden Nordturm des Schlosses und ein Teil der Wehrmauer einen Hof umschließen. Der Obere Schlosshof erhält damit eine Funktion als Studienhof. Der Untere Schlosshof wird für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Finanzminister lobte die Stadt Plauen für ihre Gestaltung der Schlossterrassen. "So werden Schlosspark und Schlosshof wunderbar an die Stadt angebunden. Das steigert die Attraktivität des Studienortes nochmals."