Milchpreise rutschen in den Keller

- Der sinkende Milchpreis macht den Landwirten in Sachsen zu schaffen. "Die Lage ist katastrophal", sagte der Milchreferent des Landesbauernverbandes, Manfred Uhlemann. Man sei auf bestem Wege, wieder in eine ähnliche Situation zu schlittern wie 2009.

Damals war der Milchpreis auf einen Tiefstand von rund 20 Cent pro Liter gesunken, Bauern boykottierten bundesweit die Lieferungen an Molkereien, die Müller-Milch-Tochter Sachsenmilch in Leppersdorf bei Dresden wurde mehrere Tage lang blockiert.

Nach einem guten Vorjahr mit Preisen von bis zu 35 Cent pro Liter liege der Preis nun wieder bei rund 28 Cent. "Der Weltmarkt wirkt massiv auf den europäischen Markt", erklärte Uhlemann. Durch Überschüsse würden die Preise verdorben. Das habe fatale Auswirkungen, viele sächsische Landwirte schrieben inzwischen rote Zahlen. Die Agrikultur Schönfeld GmbH, die rund 520 Milchkühe hält, rechnet mit weniger Einnahmen. "Halten die niedrigen Preise an, ist die Existenz bedroht", sagte Werner Friebel vom Vorstand.

"Die Kosten, um einen Liter Milch zu produzieren, liegen bei mindestens 32 Cent." Zudem seien die Preise für Futtermittel, Energie, Dünger, Saatgut und Pflanzenschutz drastisch gestiegen. Da bleibe kein Raum für Preissenkungen. Die Agrikultur GmbH ist einer von 1200 Milchproduzenten in Sachsen. Rund 180 000 Kühe im Freistaat liefern jedes Jahr insgesamt 1,5 Millionen Tonnen Milch. "Ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für unsere Landwirte", sagte Uhlemann. Vor allem in den Grünlandregionen spiele die Milchwirtschaft eine große Rolle, die Flächen könne man nur durch die Haltung von Wiederkäuern bewirtschaften, hieß es.

Sechs Molkereien gibt es in Sachsen, darunter die Sachsenmilch GmbH in Leppersdorf, die Molkerei Niesky oder Vogtlandmilch in Plauen. Ihnen könne man aber nicht die Schuld an dem Preisverfall geben, betonte der Landesbauernverband. Demonstrationen oder Blockaden wie 2009 seien nicht geplant. Vielmehr seien es der europäische Markt und die Preispolitik der Discounter, die den Landwirten zu schaffen machten. Erst im Mai hätten viele Supermärkte die Ladenpreise um 6 Cent je Liter Milch gesenkt. Auch der Preis für ein Stück Butter sei um 14 auf 75 Cent gefallen. "Einen solchen Verfall hat es selbst im Krisenjahr 2009 nicht gegeben", sagte Uhlemann.

Dennoch wollen die Landwirte den Internationalen Tag der Milch feiern. Am Samstag luden sie zur einer zentralen Veranstaltung auf dem Gelände der Agrikultur GmbH im Schönfelder Hochland ein. "Wir wollen einfach zeigen, wie wichtig die Milch ist", sagte Uhlemann.