Mehr Vogtländer gehen wählen

Eine starke CDU, ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und der Linken, die stark abgeschlagenen Grünen und Liberalen und erschreckend viele Stimmen für die NPD: So haben die Vogtländer am Sonntag gewählt.

Plauen - Das Positive vorweg: Das als wahlmüde beschrieene Wählervolk kam am Sonntag auch im Vogtland munterer als erwartet daher. Mit weit über 60 Prozent konnte man 2013 immerhin mit der Wahlbeteiligung von vor vier Jahren (64,3 Prozent) mithalten. Am fleißigsten gingen die Schönecker und Mylauer (100 Prozent), Rodewischer (85), Pausaer (82 %) sowie die Theumaer zur Wahl: Letztere hatten eine Wahlbeteiligung von 74,2 Prozent, auch in Reichenbach mit 68,1 Prozent Wahlbeteiligung schnitt man nicht schlecht ab. Allerdings konnte man auch am Sonntag nicht die Wahlbeteiligung von 2005 toppen, als noch 75 Prozent der Vogtländer an die Wahlurnen gingen.

Viel zu feiern hatte am Sonntag die CDU im Allgemeinen und Direktkandidat Robert Hochbaum im Speziellen. Nach dem Wahlergebnisstand von Sonntagabend gegen 22 Uhr legte Robert Hochbaum im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 um gut 10 Prozent bei der Erststimme zu. Vergleich: 2009 - 40,9 Prozent; 2013: etwas um die 50 Prozent. Um die 19 Prozent fuhren auch Janina Pfau von den Linken und Benjamin Zabel von der SPD ein. Ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Wobei im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 Janina Pfau um etwa 5 Prozent abrutschte, holte die Studentin doch vor vier Jahren ansehnliche 24,9 Prozent.

Dass er seine Arbeit gut gemacht hat, kann man wohl dem jungen Lehrer-Anwärter Benjamin Zabel bescheinigen. Rolf Schwanitz, der 2009 schon lange im Bundestag etabliert und im Vogtland weithin bekannt war, konnte vor vier Jahren nur 15,9 Prozent für sich verbuchen. Zabel hingegen als Newcomer punktete gleich mit 19 Prozent. Hochbaum und Zabel erhielten weitaus mehr Erststimmen - wogegen die Wähler den Parteien CDU und SPD bei der Zweitstimme zurückhaltender votierten. Abgeschlagen die Grünen und die Liberalen im Vergleich von vier Jahren. 2009 holte der Grünen-Kandidat Thomas Pinkert 4,3 Prozent - Agnes Russo heuer 2,6 Prozent. Der scheidende Bundestagsabgeordnete Joachim Günther (FDP) holte 2009 noch 9,5 Prozent Erststimmen - Martin Treecks Stimmen bewegten sich am Sonntag um die 2,6 Prozent.

Ein noch schlechteres Wahlergebnis fuhr der Pirat Kai Grünler mit 1,8 Prozent an Erststimmen ein. Erschreckend hoch war das Ergebnis der rechtsextremen NPD. Für deren Kandidat Arne Schimmer voteten 4,4 Prozent der Vogtländer - in der Zweitstimme wollten nur 3,3 Prozent der Wähler diese Partei. Die meisten Erststimmen für die NPD vergaben die Mühlentaler mit 8,8 Prozent, die Mylauer mit 5,5 und Bergener mit 5,9 Prozent. Insgesamt waren 204 500 Wahlberechtigte im Vogtland aufgerufen, die Sitzverteilung im Bundestag mit neu zu bestimmen. 254 Wahllokale und 23 Briefwahllokale waren am Sonntag von 8 bis 18 Uhr besetzt. 2000 Wahlhelfer waren in Aktion. Die Briefwahl war auf dem Vormarsch mit 12 Prozent. Das kleinste Wahllokal befand sich in Losa bei Elsterberg - dort wurden maximal 74 Wähler erwartet. 1600 Bürger durften im Wahllokal im christlichen Kindergarten "Kindersonne" in Reichenbach wählen - und 1252 in der "Alten Feuerwache" in Plauen. Beide gehörten zu den größten Wahllokalen im Vogtland.

Eine der ersten Bürgerinnen im Plauener Wahllokal im Kindergarten an der Neundorfer Straße war eine junge Frau in Sportkleidung. Sie wollte, bevor es auf eine Radtour gen Fichtelberg (!) ging, noch ihre Stimme abgegeben. "Schade, ich habe gar keine Blumen bekommen, das war früher mal so üblich, dachte ich", meinte die Mittvierzigerin lächelnd. Über 500 Wahlberechtigte im Seehausgebiet wandelten den Tag über in die Kita und stimmten ab. In der Innenstadt herrschte durchaus eine rege Wählerbewegung so in den Lokalen Alte Feuerwache, in Schulen, Kitas. "Das stimmt mit den Blumen, das gab es mal, ist aber abgeschafft worden", sagte Michael Reißner, Wahlhelfer im Lokal im Vogtlandkonservatorium, über die frühere Begrüßungsüberraschung. "Hier herrscht ordentlicher Andrang, es kommen dauernd Leute zum Wählen rein", bestätigte Michael Reißner, der mit seiner Kollegin Renate Oertel und weiteren Helfern die Bürger begrüßte, ihre Wahlbenachrichtigungen mit den Anmeldelisten verglich und Auskünfte gab.

"Mehr als die Hälfte der Großfriesener waren schon zur Wahl. Wir hatten durchweg gut zu tun", sagte Wahlvorsteherin Dietberga Zabel kurz vor 15 Uhr. Im Rathaus war die Wahlleitung Plauens eingerichtet. Der kleine Plenarsaal glich einem mittleren Lagezentrum, in dem Wahlleiter Pierre Grasse mit einem Dutzend Kollegen die Regie inne hatte. Exakt 54.453 Plauener seien zur Wahl berechtigt gewesen, informierte Grasse, der auf den Zeitpunkt um 18 Uhr genauso gespannt wartete wie seine Helfer. "Im großen Plenarsaal ist dann auch eine kleine Wahlparty, da kann man ein Bierchen aus der Kantine holen und mit den Leuten, Politikern, Bürgern ins Gespräch kommen und auf die Leinwand schauen, wo die Wahlanalyse live gesendet wird", sagte Grasse. Frank Blenz/Cornelia Henze

Das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl 2013 - Vogtland

Wahlberechtigte 201731 Wahlbeteiligung 68.8 %

Wahlergebnisse CDU 48,3 %

SPD 20,7 %

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 2,6 %

FDP 2,6 %

Die LINKE. 19,6 %

NPD 4,4 %

PIRATEN 1,8 %