Mehr als 30 Anzeigen gegen Graffiti-Spryer

Seit mehreren Jahren treibt ein Sprayer in der Stadt Plauen sein Unwesen. Verunstaltete er zunächst nur Gebiete am Rande der Stadt, so hat er es jüngst auch auf das Zentrum abgesehen. Der Schriftzug ist dabei immer der gleiche: "Ärscher".

Plauen - Welcher Chaot versteckt sich hinter dem "Ärscher"-Schriftzug, der seit Jahren vermehrt im Plauener Stadtbild dick und fett, teils farbig, teils blass, Häuserzeilen, Wände, Transformatorhäuschen, Brücken, Schornsteinessen und gar einen Wasserturm "verziert"? Treibt ihn Langeweile oder Frust? Oder hat der Täter einfach nur "Spaß" an der Zerstörung fremder Leute Eigentum? Und wie ist es möglich, dass er im Laufe der Zeit noch keinem aufgefallen ist?

Samstagmittag in der Plauener Innenstadt. An einer renovierten Hauswand in der Nähe der Weststraße, die Treppen zum einstigen Kaiserlichen Postamt hinunter, ist es wieder zu lesen: "Ärscher" prangert in großen Lettern daran, umzogen von einem schwarzen Rand, ergänzt von der Jahreszahl der Entstehung: "2011". Die Buchstaben sind teils seitenverkehrt, teils auf den Kopf gestellt. Ein dümmliches "Let?s get dirty ..." ("Lasst uns verdrecken") säumt den Anfang des Schriftzuges. Es ist zugleich der Titel des 1970 geborenen US-amerikanischen Rappers Redman. Da die Hip-Hop-Szene mit Streetart stark verwurzelt ist, deutet vieles auf die Herkunft des unbekannten Sprayers aus dem entsprechenden Milieu hin. "Streetart" bezeichnet eine Form der Kunst in der Öffentlichkeit, die sich oft in Form von Graffiti-Kunstwerken äußert. Doch mit "Kunst" hat dieses Geschmiere wohl nichts am Hut.

Ein älterer Herr starrt auf das Graffiti neben den Kolonnaden: "Das war gestern noch nicht hier." Er hat also wieder zugeschlagen, der große Unbekannte. Womöglich kommt er in den Nachtstunden, wenn die Straßen und Wege fast menschenleer sind. Seit Monaten geht das schon so. Doch die Polizei hält sich vorerst bedeckt, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Wie Annett Münster, Pressesprecherin der Polizeidirektion Südwestsachsen, bekannt gab, liegen derzeit insgesamt 32 Anzeigen von Geschädigten vor. Seit 2009 gehen bei der Polizei Meldungen über derartige Sachbeschädigungen mit diesem Schriftzug ein. Allein sieben Anzeigen gegen Unbekannt sind in diesem Jahr getätigt worden. Die Schadenshöhe ist derzeit noch unbekannt, Schätzungen gehen jedoch in den hohen fünfstelligen Eurobereich: "Viele melden die Schäden nicht oder beseitigen sie selbst", erklärt Münster. "Andere wiederum belassen die Graffiti an Ort und Stelle oder lassen sie kostenaufwändig professionell entfernen."

Dass bislang nur ein Bruchteil der "Ärscher"-Schriftzüge der Polizei gemeldet worden ist, bestätigt ein Blick auf einschlägige Internetseiten. Rund 150 derartiger Schriftzüge prangern gegenwärtig an Objekten der Stadt Plauen, gibt ein entsprechender Link Auskunft. Dabei appelliert die Pressesprecherin an die Bevölkerung: "Graffiti-Schmierereien sind keine Bagatelldelikte. Es ist wichtig, dass die Betroffenen zu uns kommen und Anzeige erstatten."  E.H.