Medizin von oben

Das Waldkalken im Forstbezirk Plauen hat begonnen: 4500 Tonnen Kalk werden auf 1500 Hektar ausgebracht - mit dem Heli.

Reuth/Pausa - Bis Anfang Oktober läuft die diesjährige Bodenschutzkalkung im Forstbezirk Plauen - in den Gemeinden Weischlitz und Rosenbach sowie in Teilen von Pausa-Mühltroff und Plauen. Im Einsatz ist eine Maschine der DHD Heliservice aus Groß-Kreutz bei Potsdam.
Jahrzehntelange, schwefelbetonte Schadstoffeinträge, der sogenannte "Saure Regen", hat dem Wald zugesetzt und die Böden tief reichend versauert. "Industrie, Verkehr und Hausbrand spielen dabei eine große Rolle", sagt Förster Mathias Schmidt, im Forstbezirk Plauen zuständig für Waldökologie und Naturschutz.
"Der ausgebrachte Magnesiumkalk aus gemahlenem Dolomitgestein dient dem Ausgleich dieser Einträge, verbessert Bodenzustand und Vitalität der Wälder. Zudem erhalten die im Rahmen des ökologischen Waldumbaus eingebrachten Jungpflanzen wie Buche, Ahorn, Tanne oder Eiche durch die Kalkung deutlich günstigere Startbedingungen." Die Kosten pro Hektar beziffert Schmidt auf rund 300 Euro - aber für private und kommunale Waldbesitzer entstehen keine Kosten.
Lokaltermin auf einem Umschlagplatz bei Reuth: Im Minutentakt startet der Hubschrauber von hier mit dem Kalkbehälter, sagt Förster Schmidt. "Der Hubschrauber entleert die 800 Kilo Kalk über den geplanten Flächen. Per GPS weiß er wo das ist", fügt der 40-Jährige hinzu. Durch Bodenuntersuchungen wisse man, ob die Befliegung im zehnjährigen Rhythmus notwendig ist.
Kurze Zeit später kehrt die Maschine zum Umschlagplatz zurück, setzt den Behälter ab und verharrt mit Gedröhn in der Luft: Der Radlader belädt in Sekunden den Behälter - und der Pilot fliegt wieder los.
Laut Schmidt werden in den geplanten acht Wochen 1500 Hektar gekalkt - 500 Hektar sind Landeswald, 1000 Hektar Privatwald mit gut 500 Eigentümern. Es sei nicht möglich, alle vorher zu kontaktieren. "Deshalb informieren wir über die Amtsblätter. Wer Einspruch gegen das Kalken geltend machen will, muss sich melden", schildert Schmidt.
In diesem Jahr habe sich erstmals ein Waldeigentümer gegen das Kalken ausgesprochen: "Ein Besitzer aus der Nähe Langenbachs bei Mühltroff hat sich gemeldet: Er will keine fremden Stoffeinträge, auch keinen reinen Naturkalk. Der Waldbesitzer ist der Meinung, dass er auch ohne Kalkung einen ausgewogenen Bodenhaushalt erreicht, da er schon lange ökologischen Waldumbau praktiziert."
Schmidt bedankt sich bei den Landwirten für die gute Zusammenarbeit. "Ohne die wäre es viel schwieriger, die 33 Umschlagplätze zum Beladen des Kalks zu finden."
Der Forstbezirk Plauen bittet Waldbesucher um Verständnis, dass während der Befliegung der Wald aus Sicherheitsgründen gesperrt wird und nicht betreten werden darf. Sobald die Befliegung beendet ist, werden die gesperrten Waldgebiete wieder für die Freizeitaktivitäten freigegeben. "Kalkreste auf Pilzen und Beeren sind gesundheitlich unbedenklich. Die Waldfrüchte sollten jedoch vor dem Verzehr mit Wasser abgespült werden. ufa

Hintergrund: Bodenschutzkalkung

In ganz Sachsen werden 2021 mehr als 2,5 Millionen Euro in die Verbesserung der Waldböden investiert. Die Kosten werden zu 90 Prozent aus Fördermitteln der EU finanziert - für private und kommunale Waldbesitzer ist die Maßnahme kostenlos. Im Freistaat werden insgesamt 8900 Hektar Waldfläche gekalkt, unabhängig vom Eigentum. Im Forstbezirk Plauen profitieren mehr als 500 Waldbesitzer von der diesjährigen Kalkung.