Max Hoelz in Mitten eines Arbeiteraufstandes

Anfang der 20-er Jahre in Falkenstein: Künstler Siegfried Henze hat den umstrittenen Rebellen kurz vor dem Mauerfall in Öl auf Hartfaser gebannt. Ein SED-Auftragswerk, das die folgenden 27 Jahre auf dem Dachboden des Falkensteiner Rathauses vor sich hin staubte. Nun wird das aktionsreiche Bild im Format 1,58 x 2 Meter im Falkensteiner Museum gezeigt. Nur für kurze Zeit.

Falkenstein - "Auch wenn das ein propagandistisches Bild ist, habe ich versucht, die Vorgänge in Falkenstein realistisch darzustellen. So, dass es jeder Mensch versteht", erklärt Siegfried Henze, weshalb er 1988 den parteilichen Auftrag angenommen hatte und sein Werk auch heute noch Berechtigung haben sollte.

Henze, Jahrgang 1933, Ur-Falkensteiner und von jeher an Historie interessiert, ist mit den Geschichten, die man sich von dem aufrührerischen Kommunisten und Arbeiterführer erzählte, in seiner Kindheit aufgewachsen. Denn Hoelz war vieles. Je nachdem von welcher Sicht man diese schillernde Figur betrachten mag, spaltet sich das Lager in Sympathisanten und Gegner.

Für die Armen war er der verwegene Robin Hood des Vogtlandes, der den reichen Textilunternehmern Geld und Gut abknöpfte, oft mit brachialer Gewalt und einer Meute pöbelnder Rotgardisten im Hintergrund. Für die Kommunisten ihr bedingungsloser Anführer, der im Nachgang des Kapp-Putsches und der großen Arbeitslosigkeit für die Rechte des Proletariats eintrat - aber auch gefährlicher Weggefährte, dessen ominöser Tod in Russland 1933 in deren Richtung weist.

Für die Frauen der gutaussehende Charmeur. Für die Wohlhabenden der Anarchist, der erpresste, raubte und fünf Villen anzündete. Eine Postkarte, auf der die brennenden "Hütten" der reichen Falkensteiner abgedruckt waren, entsendete man mit der Gänsehaut erzeugenden Kunde vom "Zündelmax" in den 1920-er Jahren quasi als Touristenwerbung in die Welt hinaus.

"Im Gasthof ,Falken? hat Hoelz vor Arbeitern zündende Reden gehalten. Denn Hoelz muss ein guter Rhetoriker gewesen sein", weiß Siegfried Henze. So setzt er Max Hoelz auch in den Mittelpunkt seines Bildes. Verwegen und kämpferisch, mit der Arbeitermütze auf dem Kopf, weist er mit der Hand in Richtung des empörten Großbürgertums, das sich zur Verteidigung ihrer Herrschaft die Bayrische Reichswehr zu Hilfe geholt hatte.

Drei Mal sei diese um 1920/21, der sogenannten "Hoelziade" in Falkenstein angerückt, um die Arbeiteraufstände niederzuschlagen und deren steckbrieflich gesuchten Anführer zu verhaften. Den Betrachter lässt Siegfried Henze in eine Arena blicken, die sich in zwei Lager teilt. Links Hoelz mit Arbeitern und Rotgardisten - rechts Bürgertum und Militär. Links die Armut, rechts der Wohlstand. Um Hoelz scharen sich der Leipziger Sozialdemokrat Georg Schumann und die Kampfgefährten Paul Popp, Oskar Hölzel und Louis Müller, drei Falkensteiner Kommunisten, die zwischen 1935 und 1945 in Zuchthaus und KZs ermordet wurden. An sie erinnern heute in der Stadt noch Straßennamen und Stolpersteine.

Am linken Bildrand gibt Siegfried Henze Otto Ahrens, dem ersten kommunistischen Bürgermeister Falkensteins nach 1945, sowie den Textilarbeitern Max Georgi und Erich Schmalfuß ein Gesicht. Angelangt am unteren Bildrand, setzt der Künstler hungernde Menschen in Szene, die gierig nach dem Brot greifen, das Hoelz den Reichen genommen hatte. Von dort geht der Blick nach rechts zu den Verlierern des Ersten Weltkrieges, dem Elend der Verwundeten, Witwen Waisen und Armen. Unter sie hat sich auch Jesus Christus gemischt. Als Randfigur. Im Vierfüßlergang, die Dornenkrone auf dem Kopf, blickt er entsetzt mitten in den Tumult hinein.

Wurden Max Hoelz und dessen Taten zu DDR-Zeiten eher klein gehalten, gewann er Ende der 1980er Jahre bei SED und DDR-Obrigkeit an Popularität. Dem nahenden 100. Geburtstags Hoelz? am 14. Oktober 89 ging der Auftrag an den Falkensteiner Maler voran. Einen Monat später fiel die Mauer. Das Bild und eine von einem Chemnitzer Bildhauer gefertigte Hoelz-Büste verschwanden in der Versenkung.

"Übel genommen habe ich das keinem", sagt der frühere Falgard-Textildesigner und weist auf die "Bilderstürmerei" und auf Zeiten, in denen politische Figuren kamen, gefeiert und hernach, peinlich berührt, verschwiegen wurden. Zu Recht oder Unrecht. Das Dilemma um den hochgelobten Arzt und Ehrenbürger Gotthard Schettler, der sich nun als Nazi entpuppte, ist das jüngste Falkensteiner Beispiel.

In diesem Kontext sollte man auch Max Hoelz betrachten: Differenziert, ohne ihn zu verleugnen. "Es wäre schön, wenn das Bild einen öffentlichen Platz bekäme", so Siegfried Henze. Zu sehen ist es neben anderen "Bodenschätzen", so der Titel der Schau, noch bis zum 29. April. cze