Maus entdeckt das Festspielhaus

Das Kult-Tier der ARD hat sich gründlich hinter den Bayreuther Kulissen umgesehen. Das Ergebnis ist am Sonntag zu sehen.

Von Andreas Schmitt

Bayreuth  Die Maus bei Wagner: Drei Monate lang streifte das orange Kult-Tier auf dem Grünen Hügel durch jede noch so kleine Ecke. Das Ergebnis: Am Sonntag erklärt die "Sendung mit der Maus" ganz Deutschland, was im Festspielhaus hinter den Kulissen so alles passiert. "Wir wollten einfach mitlaufen, gar nicht weiter auffallen", sagt Regisseur Jan Marschner. Der 50-Jährige ist zusammen mit Armin Maiwald, dem Gesicht der Lach- und Sachgeschichten rund um die Maus, Geschäftsführer der Flash Filmproduktion. Sie dreht viele Beiträge der WDR-Kindersendung.
Das Ziel, nicht weiter aufzufallen, hat das Kamerateam in Bayreuth erreicht. "An manchen Tagen hat man sie wahrgenommen, an anderen Tagen nicht", erinnert sich Valentin Lotze (13) an die Festspiele 2018. Er, Benni Müller (14) und Kilian Hellmuth (11) waren Statisten im "Lohengrin". Und zwar nicht irgendwelche: In einer Flugszene ersetzten sie die Hauptdarsteller in den Rollen des Telramund und des Lohengrin. Die Hauptdarsteller wären zu schwer gewesen, weshalb die Jungs hoch über der Bühne um die holde Fürstin kämpften. Eingespannt in ein Fluggeschirr für die Sicherheit. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, über die Bühne zu fliegen", sagt Valentin Lotze. An einem guten Dutzend Drehtagen wurden die Jungs vom Filmteam der "Sendung mit der Maus" begleitet. Die Kamera war in der Umkleide dabei - und beim Schminken. Und natürlich bei den Proben und der Premiere. Am Sonntag ist es so weit. In der "Sendung mit der Maus" wird erklärt, wie eine Oper der Bayreuther Festspiele entsteht. "Die drei Jungs sind der Hauptstrang unserer Erzählung", sagt Regisseur Marschner. "Ich habe die Sendung früher immer geschaut, und freue mich sehr darauf, mich selbst im Fernsehen zu sehen", sagt Benni Müller. Die 28 Minuten lange Sendung läuft am Sonntag um 9.30 Uhr im Ersten, um 11.30 Uhr bei KiKA sowie online und in der Maus-App. "Man sieht, wie unglaublich viele Menschen zusammenspielen müssen, bis es zur Premiere einer Oper kommt", sagt Marschner. Die Maus krabbelte durch viele Ecken des Festspielhauses, an die sonst kaum einer kommt. Und es gab auch einen musikalischen Höhepunkt: Extra für die "Sendung mit der Maus" wurde im Orchestergraben zum allerersten Mal Musik gespielt, die nicht von Richard Wagner komponiert wurde. Die Idee, die Festspiele in die "Sendung mit der Maus" zu bringen, kam von Markus Latsch von der Bayreuther Festspiele Medien GmbH. Sie landete bei Joachim Lachmuth, seit über 20 Jahren Maus-Redakteur beim WDR. "Zuerst fragen wir uns, ob es ein Kinderthema ist." Der spontane erste Impul sei ein Nein gewesen. Umso länger man jedoch nachdachte, desto interessanter wurde das Thema. "Es sind Handwerker beteiligt, das Orchester, Szenenbildner. Viele Leute machen handfeste Arbeit", sagt Lachmuth. "Und je handfester, umso spannender für uns."