Matthias Reim rockt Wernesgrün

Wernesgrün - Matthias Reim, Kurzform "Matze", sorgte am Samstagabend in Wernesgrün wieder einmal für eine krachend volle Hütte.

 

In der Biertenne stellte der Sänger nicht nur seine neue Produktion "Sieben Leben" vor, er zeigte sich auch als Lebenskünstler und Steh-auf-Mann der deutschen Schlagerkunst. Es war schon beeindruckend, mit welchem Drive der Mitfünfzigjährige - und vor kurzem noch mit Millionen Euro verschuldete Star - seine Songs präsentierte.

"Sieben Leben" lockte die Fans sogar aus weiter Ferne in das vogtländische Bierdorf. Neben halb Sachsen war Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und sogar das bayrische Franken-Land unter der Zuhörerschaft vertreten. Das Publikum liebt Matthias Reim generationsübergreifend, von 15 bis über 70 war alles dabei. Dominierend dabei die etwas reiferen weiblichen Fans, die sich für Matze mit ihrem Styling extra auf jugendlich getrimmt hatten. So wie Melanie aus Hof, die offen zugab, ihre peppigen Klamotten samt feuerroten Leggins erst kurz vor dem Konzert (und nur für dieses) per Ebay ersteigert zu haben. "Das mache ich nur für Reim, mein Mann braucht es nicht zu wissen ", versicherte die freudig-aufgeregte Frau in ihrem fränkischen Dialekt.

Matthias Reim begann sein Konzert wie immer mit einem Fluch. Das Wort "Verdammt..." sorgt noch heute bei dem Sänger für einen Tantiemen-Wohlstand. Dank seines "Verdammt ich lieb Dich"-Hits machte er vor zwanzig Jahren eine Menge Geld. Er schaffte es aber genauso schnell, alles zu verlieren. Als 43-jähriger stand der talentierte Sänger und Komponist vor einer persönlichen Katastrophe und mit sage und schreibe 22 Millionen Euro im Minus. Heute, zehn Jahre später, ist er aus den Schulden heraus und wieder erfolgreich. Das siebente Leben und die gleichnamige CD-Produktion konnten beginnen. In Wernesgrün verlieh Reim seiner jetzt beginnenden Konzert-Serie den Feinschliff. Matze schwört auf die Generalproben in der Brauerei und schreibt darüber sogar in seiner druckfrischen Biografie: "Traditionell starte ich mit einer neuen Tournee immer im Vogtland. Ich hatte von meinem Freund Peter Maffay gehört, dass er gerne in dem etwas entlegenen Ort Wernesgrün spielt. Richtig, da wo die Brauerei mit dem guten Bier ist...!" Das Sieben-Leben-Konzert funktionierte. Schon beim ersten Song begann der Saal zu rocken. Der Sänger stand im bekannten Reim-Outfit, bestehend aus Jeans und engen Shirt, auf der Bühne und genoss sichtlich die Resonanz.

 

Selbst bei den neuen Lieder zeigte sich das Publikum textsicher, die Zuhörerschaft sang das Konzert von vorn bis hinten lautstark mit. Matthias Reim zeigte ein gutes Händchen bei der Auswahl der Titel, die gebotene Mixtur war perfekt auf die Erwartungen abgestimmt. Etwas verwundert zeigten sich die Fans nur, als ihr Star nach knapp fünfzig Minuten Bühneneinsatz schon um eine längere Pause bat. "Komisch, das hat er früher nie gemacht. ob unser Matze in die Jahre kommt", fragten sich da einige Reim-Anhänger. Doch am Ende waren alle zufrieden. Trotz des für eine Generalprobe deftigen Kartenpreises von rund 40 Euro hatte Reim bei seiner Zuhörerschaft für viele Glückshormone gesorgt. Der Sänger genoss seinen Erfolg mit einem "Wernesgrüner" und später im Schönheider Forstmeister-Hotel die wohlverdiente nächtliche Ruhe des Vogtlandes.  HH