Matinee zu Joseph Süß auf der Kleinen Bühne

Detlev Glanert, einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten, schuf 1998/99 mit der Oper Joseph Süß ein Werk über die Instrumentalisierung von Rassismus als Staatsideologie - von beklemmender Aktualität.

Plauen - Während seit Mai 2013 am Oberlandesgericht München der NSU-Prozess läuft und am 1. Mai Neonazis vom "Freien Netz Süd" einen Aufmarsch in Plauen angemeldet haben, stellt sich ganz aktuell die Frage nach der Übernahme von Verantwortung im Bezug auf die Zwickauer Terrorzelle, aber auch nach der notwendigen Zivilcourage gegen rechte Kräfte.

Glanerts Oper Joseph Süß steht ab Samstag, 10. Mai, auf der Bühne des Plauener Vogtlandtheaters. Bereits am 1. Mai, findet um 11 Uhr eine Einführungsmatinee auf der Kleinen Bühne statt. Regisseur Thilo Reinhardt, Bühnenbildner Andreas Auerbach und die Dramaturgen Stefan Bausch und Ulrike Cordula Berger werden die Hintergründe der Oper beleuchten und über die Konzeption sprechen. Darüber hinaus wird es Szenenausschnitte sowie musikalische Hörproben mit den Solisten Nathalie Senf, Hinrich Horn und Shin Taniguchi geben.

1738. Joseph Süß Oppenheimer steigt zum Geheimen Finanzrat des verschwenderischen Herzogs Karl Alexander von Württemberg auf. Dem Parlament sind der neue katholische Landesherr und sein jüdischer Finanzier ein Dorn im Auge. Um den prunksüchtigen Herzog zu befriedigen, führt Joseph Süß eine repressive Wirtschaftsreform ein. Als der Herzog überraschend stirbt, wird Joseph Süß zum Sündenbock gemacht, in einem Schauprozess verurteilt und ohne Urteilsbegründung am 4. Februar 1738 hingerichtet.

Diesen ersten antisemitischen Justizmord, der durch den NS-Propagandafilm Jud Süß traurige Berühmtheit erlangte, zeigt Detlev Glanert, ohne den Charakter des Kapitalisten und Lebemannes Oppenheimer zu verklären, und schafft ein packendes zeitgenössisches Stück aktuellen Musiktheaters, das mit einem historischen Fall ein nach wie vor heutiges Thema eindringlich vor Augen führt. va

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