Martina Schulze ist Plauens Familienhebamme

Plauen - "Kinder die man liebt, werden Erwachsene die lieben", steht auf dem Flyer der Familienhebamme der Stadt Plauen geschrieben.

 

Um diesen Satz auch leben zu können, betreut und kümmert sie sich auf vielschichtige Weise um Schwangere in schwierigen Situationen.

Martina Schulze ist seit 2007 als Familienhebamme in Plauen tätig. Seit 2006 lebt die gebürtige Dresdnerin, die lange Zeit in Chemnitz gewohnt und gearbeitet hat, im Vogtland. 1987 begann sie die Ausbildung zur Hebamme. Bildete sich immer weiter und war eine Zeit lang in einer Frauen- und Kinderarztpraxis tätig. Die 39-Jährige hat zwei Söhne im Alter von 19 und einem Jahr.

"Meinen Beruf lebe ich mit viel Herzblut. Lange Zeit habe ich mich schon vorher mit den Aufgaben einer Familienhebamme beschäftigt, viel darüber gelesen. Als ich von der Stellenausschreibung hörte, habe ich mich sofort beworben und bin wirklich sehr froh, dass ich in diesem Fachbereich arbeiten kann", betont Schulze.

Eine Familienhebamme ist eine examinierte Hebamme mit Berufserfahrung, die zusätzlich eine spezielle Ausbildung durchlaufen muss. Dort werden neben sozialen Faktoren auch die rechtliche Seite durchleuchtet sowie die Funktion der Ämter verdeutlicht. Außerdem wird für Kindesvernachlässigung, häusliche Gewalt oder bestimmte Krankheitsbilder sensibilisiert.

Martina Schulze betreut werdende Mütter mit erhöhtem Hilfebedarf, oft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die medizinisch-psycho-soziale Hilfe, sondern auch ein Angebot von Problembewältigung und Lösungsvorschlägen. Dabei fungiert sie nicht nur als Wegbegleiterin, sondern auch als Vertrauensperson. Am liebsten lernt sie die Schwangere bereits vor der Geburt des Kindes kennen. Dann besteht die Möglichkeit ganz in Ruhe eine Bindung aufzubauen, Gespräche zu führen, zu beraten oder zu Behörden zu begleiten. In besonderen Fällen ist eine individuelle Geburtsvorbereitung möglich. Nach der Geburt gibt es Hausbesuche die in der Wochenbett- und ersten Stillzeit unterstützen sollen. Außerdem kann auf alle Fragen zu Pflege und Ernährung eingegangen werden. Eigentlich alles was rund um eine Schwangerschaft und Geburt passiert, gehört zu ihrem Aufgabenbereich. Dabei betreut die Hebamme der Stadt vorwiegend sozial schwächer gestellte oder auch erkrankte Mütter. Minderjährigkeit, finanzielle Nöte, Sucht, allein erziehend oder oft ungewollt schwanger sind nur einige der möglichen Probleme.

Eine unverbindliche Beratung ist jeden Dienstag zwischen 9 und 12 Uhr möglich. Die Arbeit unterliegt der Schweigepflicht und ist ein soziales Angebot, das freiwillig und kostenfrei ist. Wer nicht ins Rathaus kommen möchte, kann einen Hausbesuch in Anspruch nehmen oder einen selbst gewählten Ort vorschlagen. Gern darf auch eine Begleitperson beim Gespräch dabei sein. Gerade wird ein Kursraum im Kinder- und Jugendzentrum EsEf eingerichtet. "Das ist alles etwas gemütlicher. In Zukunft werde ich Gespräche sicher viel in diesem Raum führen. Dort herrschtt nicht so der offizielle Charakter, sondern eine persönlichere Atmosphäre. Statt am Schreibtisch zu sprechen, können wir dort auf dem Boden oder Gymnastikbällen sitzen", freut sich die Wahlplauenerin.

Fast wäre die Stelle weggefallen, doch im vergangenen Jahr wurde die Weiterführung beschlossen. "Dafür, dass das ermöglicht wurde, bin ich der Stadt sehr dankbar. Ich selbst musste kurzeitig aufhören, weil mein zweiter Sohn unterwegs was. Doch nun bin ich wieder voll im Einsatz und das sehr gerne", bestätigt sie. Stephanie Rössel