Markneukirchen: Holocaust-Überlebende zu Gast

Markneukirchen - Die Vergangenheit ist nicht vorbei: Am Mittwoch berichtete ein Ehepaar über das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte im Gymnasium Markneukirchen: Es geht um den industriellen Massenmord an den europäischen Juden.

Grigori und Soja Feingold haben den Holocaust überlebt und leben heute in Jerusalem. Sie gehören zu den 30 Holocaust-Überlebenden, die seit Montag im Vogtland und dem Raum Zwickau unterwegs sind. Der Vogtländische Leiterkreis, ein Freundschaftsbund von Christen, sprach die Einladung aus - und das Ehepaar sprach - getrennt voneinander - zu zwei Gruppen von Elftklässlern. "Wir sind unheimlich froh, dass wir die Gelegenheit haben, Zeugen der grausamsten Zeit der deutschen Geschichte zu hören", sagte Schulleiter Norbert Hildebrand zur Begrüßung. In der Aula der Schule berichtete Grigori Feingold über seine Kindheit. 1935 wurde er in der Ukraine geboren. Als die Deutschen die Gegend im Krieg besetzten, drangsalierten verbündete rumänische Soldaten die dortigen Juden. Feingolds Vater starb 1942 an der Front, der Rest der Familie kam in ein Konzentrationslager.

Grigori Feingold gab den Schülern Einblicke in den damaligen Alltag und berichtete von Hunger, Angst und toten Menschen. Die Mutter und die drei Kinder konnten zwar aus dem Lager fliehen, mussten den Rest des Krieges aber in einem Ghetto verbringen. Schließlich wurde seine Schwester vor den Augen aller von einem rumänischen Soldaten erschossen. Diese Schilderungen waren für die Zuhörer nicht immer leicht zu ertragen. Nach dem Vortrag stellten einige Schüler wiederholt die Frage, wie Feingold nach diesen Erlebnissen heute zu Deutschland eingestellt sei. "Die Schüler sollen wissen, dass wir gerne hier sind. Und ich hoffe, dass diese jungen Leute und unsere Enkel gut miteinander auskommen und es nie wieder Krieg geben wird. Wir sind alle Geschwister", antwortete Grigori Feingold.

Anastasia Hopf und Michelle Tscherwinski übersetzten seine Worte aus dem Russischen. Die beiden Schülerinnen vom Gymnasium Markneukirchen sind als Russlanddeutsche zweisprachig aufgewachsen. Die 30 jüdischen Staatsbürger aus Israel bleiben bis 14. Juli im Vogtland und besuchen Veranstaltungen. Am 13. Juli unterstützen sie das Kinderfest in Schilbach und am 14. Juli verabschieden sie sich bei einem Gottesdienst in Plauen. Katrin Mädler