Marieney: Auftrag nach Widerspruch neu vergeben

In Kürze starten soll der Bau der Ortsverbindungsstraße von Marieney nach Oberwürschnitz. In einer Sondersitzung Mitte März hatte der Mühlentaler Gemeinderat den Auftrag an die Firma Hoch- und Tiefbau Reichenbach GmbH (HTR) für rund 634 108 Euro brutto vergeben. Diese Entscheidung beanstandete die Kommunalaufsicht im Landratsamt. Die Firma Heilit+Woerner hatte die zehntägige Einspruchsfrist genutzt und Widerspruch eingelegt.

In der Ratssitzung am Donnerstag hob der Gemeinderat unter Leitung von Bürgermeister Dieter Weller den Vergabe-Beschluss vom März auf. Die Volksvertreter stimmten der Auftragsvergabe nach erneutem Wertungsverfahren an die Firma Heilit +Woerner Bau GmbH aus Glauchau zum Preis von 580 048 Euro mit drei Gegenstimmen zu.

Ralf Bräunel vom gleichnamigen Ingenieurbüro begründete das Vorgehen. Aus Sicht des Planers waren bei dem Erstplazierten des Ausschreibungsverfahrens "Unstimmigkeiten bei der Angabe von Nachunternehmerleistungen" aufgetreten - weshalb er die Firma aus der Wertung ausschloss. Die Kommunalaufsicht habe jedoch die nachträgliche Erklärung der Firma akzeptiert. Bräunel: "Die Unstimmigkeiten waren geheilt, das Angebot war nicht mehr auszuschließen." Wegen dem sehr niedrigen Angebotspreis - gegenüber dem teuersten Bieter fast nur die Hälfte - sei mit Heilit+Woerner ein Bietergespräch geführt worden, wobei die Firma die Preisgestaltung schlüssig erklärt habe.

Im Bauablauf - noch ist erneut eine zehntägige Einspruchsfrist abzuwarten - will er der Firma "auf die Finger schauen, dass wir auch das bekommen, was wir bestellt haben". Vehement forderte Arndt Doll Einblick in sämtlichen Schriftverkehr, "um zu sehen, was hier gelaufen ist". Nachdem ausgerechnet der günstigste Bieter zunächst aus der Wertung ausgeschlossen worden war, gab er nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung eine Stellungnahme ab: "Ich vermute Mauschelei." Den Einblick soll Doll im Schönecker Bauamt erhalten. Weller: "Wir haben nichts zu verheimlichen."

Fachliche Bedenken gegen die Baufirma hegt Bräunel aber nicht. Die regionale Tochterfirma der Strabag sei im Straßenbau versiert von der Autobahn bis zum Radweg. "Wenn wir für diese Summe diese Leistung bekommen, kann uns nichts Besseres passieren", meinte Bürgermeister Weller. Die im Haushalt geplante Straßenbau-Maßnahme wird zu 89 Prozent aus dem Programm für die Integrierte Ländliche Entwicklung gefördert. Erneuert werden gleichzeitig 100 Meter Trinkwasserleitung.  Renate Wöllner