Marathon zum 2500-Jährigen

Plauen - 2500 Jahre ist es her, dass die Weltgeschichte einen anderen Verlauf nahm. In der Schlacht bei Marathon im Jahr 490 v.Chr. besiegten die Athener die Übermacht der Perser und verteidigten die Kultur Europas.

 

Und jedes Kind kennt den Mythos um den Krieger, der nach einem Lauf von gut 40 Kilometern mit der Siegesnachricht auf den Lippen starb."Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft." So prägnant lässt sich Wesentliches ausdrücken. Das konnte Emil Zatopek, die tschechischen Lokomotive. Wenn "Mensch läuft", dann gehört er zur Schar der weltweit Millionen Freizeitläufer und hat erkannt, dass es kaum etwas Besseres gibt als zu laufen, um sich wohl zu fühlen. Dass es nur weniger Dinge bedarf, um losrennen zu können: Laufschuhe, Turnhose und T-Shirt; im Winter wird?s etwas mehr. Und dass die Portion Sauerstoff, Sonne und Waldluft kostenlos dazukommt. Selbst Regen, Matsch und Kälte können angenehm sein nach dem Lauf, wenn die heiße Dusche alle Unbill vergessen lässt.

 Wer läuft stellt fest, dass es genügt, ein paar Mal in der Woche die Laufschuhe zu schnüren, um kaum zuzunehmen, sich fit zu fühlen und gesund zu bleiben. Wer läuft weiß auch, dass da noch der Mount Everest des kleinen Mannes lockt: der Marathon. Überall auf der Welt werden die 42 195 Meter gerannt. In großen und kleinen Städten, der Wüste oder am Nordpol, auf dem Rennsteig oder gar unter Tage. Und jeder dieser Läufe lebt durch ein und denselben Mythos, der sich in diesem Jahr zum 2500 Male jährt.

 Es sei wohl in der achten Klasse gewesen, als in einer Geschichtsstunde von einem Läufer erzählt wurde, der im September des Jahres 490 v.Chr. nach einer Schlacht rund 40 Kilometer von Marathon nach Athen gelaufen war, um die Botschaft "Wir haben gesiegt" zu verkünden. Dann brach er auf dem Marktplatz zusammen und starb. 40 Kilometer laufen - unvorstellbar. Danach konnte man nur tot umfallen. So erinnert sich der heute 63-jährige Dr. Lutz Behrens, Redakteur dieser Zeitung und seit 1. Oktober im Ruhestand. 40 Jahre mussten vergehen, bis er 2000 in Leipzig den ersten Marathon lief.

 Einen Marathonlauf meisterte Lutz Seidel zum ersten Mal entlang der Elbe. Der heute 55-jährige Diplom-Ingenieur nahm sich 2003 die 42 195 Meter vor und lief auf einem der schönsten Landschaftsmarathons vom Königsstein auf dem Elberadweg bis ins Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden. Auch der gerade 56 Jahre alt gewordene Hans-Joachim Wunderlich, Diplom-Ingenieur und Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, wählte sich 2003 diese Strecke für sein Marathondebüt. Er durchbrach später in Berlin die Schallmauer für Freizeitläufer und lief den Marathon unter vier Stunden.

 Sein erster Marathon, so berichtet der Rechtsanwalt Dr. Bernd Gerber, sei zugleich auch sein schwerster gewesen. Doch die tolle Atmosphäre am Straßenrand und das Erlebnis, mit über 40 000 Läufern beim Berlin-Marathon zusammen zu laufen, das habe den heute 61-Jährigen für alle Strapazen entschädigt.

 Lutz Behrens, Bernd Gerber, Lutz Seidel und Hans-Joachim Wunderlich sind in der Laufszene keine Unbekannten. So machte die Wahl ihres Maskottchens, ein stachelwadiger Uhu, auf die vier Freizeitläufer aufmerksam. Sie starteten in Reichenbach bereits zwei Mal als Bubo bubo-Staffel beim 24-Stunden-Lauf. Ihr Ziel: mehr Kilometer zu erlaufen als die Summe ihrer Lebensjahre ausmacht. Das haben sie jedes Mal geschafft. Lutz Seidel hat sich in diesem Jahr die 24-Stunden-Hatz sogar allein zugetraut. Die vier Ausdauerläufer laufen mit, wenn es 32 Kilometer beim Städtelauf von Plauen nach Hof zu bewältigen gilt oder starten beim Lauf vom Plauen Park zum Elster Park. In ihren Laufkalendern stehen der Neujahrsberglauf in Falkenstein, aber auch die drei Läufe, die jedes Jahr als Plauen Runde, Viaductus und Lavandula die Laufgemeinde am Friedrich-August-Stein bei Jocketa versammeln.

 Jetzt soll es wieder ein Marathon sein, den sich die vier Vogtländer vorgenommen haben, am 31. Oktober. Nicht irgendeiner, sondern der erste, der Ur-Marathon. Kein leichtes Unterfangen. Die Strecke von Marathon nach Athen ist schwer. Die ersten rund zwölf Kilometer sind flach und führen um die Gedenkstätte der Schlacht von Marathon herum. Erst muss allmählich und ab Kilometer 20 deutlich bergauf gelaufen werden. Rund zehn Kilometer vor dem Ziel ist der höchste Punkt der Anhöhe zwischen Marathon und Athen erreicht. Von gut 200 Metern Höhe geht es dann 100 Meter bergab bis ins Ziel im Panathinaikon-Stadion. Die antike Arena wurde 330 vor Christus errichtet. Nach und nach zerstört, wurde das Stadion für die Olympischen Spiele 1896 neu aufgebaut.

 Die vier Plauener haben sich für ihren Lauf in Athen keine Bestzeiten vorgenommen. Zwar trainieren sie seit Monaten eifrig und gehen gut vorbereitet an den Start. Aber die Hitze und der bergige Kurs werden wohl ihren Tribut fordern. "Wir wollen ankommen und uns wohlfühlen", fasst Bernd Gerber die Erwartung der vier Läufer zusammen. "Wir freuen uns auch nicht nur auf den Lauf", so Lutz Seidel, "sondern auch auf das Zusatzprogramm, das nach dem Marathon zum Beispiel einen Zwei-Tage-Ausflug nach Olympia vorsieht." Lutz Behrens möchte sich bei den Sponsoren bedanken: "Der Vogtland-Anzeiger hat unsere vier T-Shirts bezahlt und die Vogtland Biomühle in Straßberg das Aufdrucken." Und Hans-Joachim Wunderlich sagt danke an die Ehefrauen der Läufer, "weil sie unsere Laufleidenschaft tolerieren, der wir viel Zeit opfern." va