Mantrailer trainieren in Plauen

Für viel Aufsehen sorgten gestern die schönen, braunen Hunde mit den riesigen Schlappohren. Bluthunde, genauer Mantrailer hatten Trainingstag in der Spitzenstadt.

 

Plauen - In Hinterhöfen, die Gehwege entlang, durch Parkanlagen und sogar in der Straßenbahn erledigten sie ihre Aufgabe und zeigten dabei, was in ihnen steckt. Aus Amerika stammt die Bezeichnung "Mantrailer" für die "Sucharbeit" mit dem Vierbeiner. Dabei wird eine individuelle Geruchsspur eines Menschen verfolgt. Abhängig von der Wetterlage, Umwelteinflüssen, dem Gelände und der Spürnase selbst, kann diese Spur nach Tagen, in Extremfällen sogar Wochen, gefunden werden. Jeder Hund arbeitet unterschiedlich. Während einer zielstrebig genau auf der Spur wandert, bewegt sich ein anderer oft meterweit weg und kommt doch genauso zum Ziel. Bereits im vergangenen Jahr konnte die Zusammenarbeit von Mensch und Tier beobachtet werden. Nun trafen sich die Hundeführer mit ihren ,,Spürnasen" erneut zu einem viertägigen Intensivlehrgang und machten dabei einen Abstecher nach Plauen.

"Ein Mantrailer ist keine Wunderwaffe" betonte Armin Schweda ausdrücklich. "Nur ein Drittel aller Personen werden gefunden, von einem weiteren Drittel erfährt man erst später, dass es der richtige Weg war." Der "Hund mit Mensch"-Trainer aus Regnitzlosau ist nicht nur Projektleiter, sondern auch selbst Hundeführer.

 

In zahlreichen In- und Auslandsmissionen war er sowohl als Einsatzteam mit seinen Hunden, wie auch als Baufachberater eingesetzt, denn für den eigentlichen Bauingenieur ist das alles ein Ehrenamt. Sein Hund JoJo ist mittlerweile nicht nur sehr erfahren, sondern erlangte in den Medien einen gewissen Bekanntheitsgrad. Zwei Jahre dauert es, bis ein Hund zu einem richtigen Mantrailer ausgebildet ist. Intensivkurse wie in diesen Tagen dienen vor allem dem nationalen und internationalen Austausch. Neben Teilnehmern aus Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg, sind auch eine Brasilianerin, ein türkischer Landsmann, Schweizer sowie vier Instruktoren aus Amerika dabei. In drei Gruppen "erschnüffelten" die teilweise noch sehr jungen Hunde sich den Weg durch die Stadt. Am Rathaus, der Elsterbrücke und rund um das Plauener Polizeirevier befanden sich die Einsatzorte.

Ein besonders begabtes Riechorgan haben die Bluthunde, doch auch andere Rassen können Mantrailing erlernen. Die "Bloodhounds" jedoch zeichnet zusätzlich eine besondere Konzentrationsfähigkeit aus. Sie vergessen fast alles um sich herum, wenn sie eine Spur verfolgen. Überhaupt seien es ganz besondere Hunde. Das bestätigen auch die beiden Hundeführer und Polizeiobermeister Ralf Blechschmidt und Jörg Kempe. Als einzige der Polizeidirektion Westsachsen gehören zwei Hunde dieser Rasse nicht nur zu ihrer Familie, sondern durchlaufen das Mantrailing quasi in der Gesellenphase. Während Hippie mit Jörg Kempe bereits 2010 dabei war, hat Blechschmidt sich im vergangenen Jahr von Rüde Hidalgo trennen müssen und kümmert sich nun um Hermine. Probleme mit den Gelenken hatte Hidalgo und wurde sogar in der Schweiz ärztlich versorgt.

 

Hermine ist mit Ralf Blechschmidt voraussichtlich ab 2013 einsatzfähig. "Ich bin mit beiden Hunden sehr zufrieden. Sie arbeiten beide auf ihre Art sehr gut. Hippie ist natürlich nicht nur ein Jahr älter, sondern hat auch ein Jahr Ausbildungsvorsprung, doch auch Hermine macht sich prima", so Armin Schweda. Ein ausgebildeter Mantrailer ist eigentlich unbezahlbar - von 20 000 bis 40 000 Euro reicht die Spanne. Doch einen Hund der zur Familie gehört und auf das Arbeiten mit dem Hundeführer eingespielt ist, denn würde keiner freiwillig aus den Händen geben.