Mann überfällt gewaltsam Großeltern

"Es ist ja nicht so, dass ich irgendwie psychische Probleme hätte!" Schon allein dieser eine Satz, ausgesprochen durch den Angeklagten Bastel (29, Namen aller Betroffenen geändert) im Plauener Amtsgerichtes, offenbarte das große Maß an Realitätsferne, das der gelernte Tiefbaufacharbeiter an den Tag legte.

Am 18. Juni vergangenen Jahres versuchte er, in einem Haus an der Hofer Straße in Plauen gewaltsam in die Wohnung seiner Großeltern Rosalie (70) und Gotthard (73) einzudringen. Dabei brach er seiner Großmutter einen Arm und seinem Großvater den Unterkiefer. Einem weiteren anwesenden 61-Jährigen drohte er: "Jetzt haue ich dir ein paar in die Fresse!" Anschließend schlug er dem Freund der Familie mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht. Schon zuvor hatte er den Großvater zu Fall gebracht und den am Boden liegenden Mann massiv gewürgt.  Als Großmutter Rosalie in ihrer Not Hilfe holen wollte, verhinderte Bastel dies ebenfalls mit roher Gewalt. Er riss das Telefonkabel aus der Buchse, schleuderte das ganze Gerät auf den Boden und brüllte: "Hier wird nicht die Polizei gerufen!"

Bastel soll zum Tatzeitpunkt erheblich unter Drogeneinfluss gestanden haben. Vor Gericht erklärte er, sich an nichts mehr erinnern zu können. Und überhaupt gehöre er zu den friedlichsten Menschen auf der Welt. "Ich habe noch nie jemanden gezielt in die Fresse geschlagen", tat er wörtlich kund. Unmittelbar nach der Tat war Bastel für mehrere Wochen in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie eingewiesen worden. Die einzigen Erklärungen, die er vor Gericht abgab, beschränkten sich auf mehrfach stereotyp vorgetragene Formulierungen wie: "Ich hatte kein Geld. Ich hatte nichts zu essen. Ich war tagelang allein in der warmen Dachwohnung. Ich hatte Schlafmittel genommen." 

Bastels Verteidigerin versuchte, einen Teil der Verantwortung auf den Betreuer ihres Mandanten abzuwälzen. Der sei ja nicht einmal zum Gerichtstermin erschienen, monierte die Anwältin. Wer den Beschuldigten jedoch erlebte, der mag eine frühere Aussage des Betreuers nachvollziehen können, wonach seit langer Zeit jegliche Basis für eine vernünftige Kommunikation fehlt. Richter Josef Martin Oppermann hatte im Vorfeld der Verhandlung bereits eine psychologische Begutachtung angeregt. Dem vereinbarten Termin blieb Bastel allerdings fern. Seine Begründung: "Ich habe viel zu tun."  Die Großeltern bewiesen noch einmal viel Großmut mit ihrem Enkel. Wie schon in einem früheren,Verfahren machte beide von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Mit viel Überredungskunst dem Angeklagten doch noch, eine müde Zustimmung zu einer Begutachtung abzuringen. Bis zur Vorlage des Gutachtens wurde die Verhandlung ausgesetzt.

Keine 24 Stunden, nachdem er das Justizgebäude verlassen hatte, überquerte Bastel mit starrem Blick und bei rotem Ampellicht die Theaterstraße. Nicht nur der Autofahrer, der nur durch eine Vollbremsung den Zusammenstoß verhindern konnte, mag bezweifeln, ob von Bastel derzeit wirklich keine Gefahr für ihn selbst und sein Umwelt ausgeht.  S. Gerbeth