Mann mit Durchblick

Erich Schettler hat vor 60 Jahren den Meistertitel erhalten: Heute geht es im Adventsrätsel um das "diamantene" Jubiläum des Glasermeisters. Und der Gewinn? Eine gedrechselte Figur, die einen Spiegel trägt.

Reichenbach - "Ja, wir haben Spiegel gebaut, etwa dreiteilige Toilettenspiegel für Frisierkommoden, die in vielen Schlafzimmern standen", sagt Erich Schettler. Der 82-Jährige hatte 1952 seine Glaserlehre im Betrieb des Onkels in Reichenbach begonnen - obwohl er eigentlich Elektriker werden wollte und bereits einen Lehrvertrag unterschrieben hatte. Der Onkel sei kinderlos gewesen und habe Interesse gehabt, den Neffen in den Betrieb zu holen - mit Blick auf eine spätere Firmennachfolge.
Schettler kann sich genau an seinen ersten Arbeitstag als Lehrling erinnern: "Ich musste Fenster streichen mit Xylamon, einem giftigen Holzschutz - ohne Handschuhe, ohne Maske. Die Fenster waren für die Stalin-Allee in Berlin: Alle Glaser in Reichenbach mussten Fenster für den Prachtboulevard in der DDR-Hauptstadt liefern."
In den drei Jahren seiner Lehrzeit profitiert Schettler nach eigenen Worten von den Erfahrungen der alten Gesellen, die teilweise aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sind. Aber klar wird auch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. "Damals wurde 48 Stunden pro Woche gearbeitet und jeden Samstag. Und es gab keinen Verwandtschaftsbonus, weil mein Onkel der Chef war. Eher im Gegenteil: Krank machen ging gar nicht."
Die Firma mit einem halben Dutzend Leuten hat laut Schettler drei Standbeine: Glasschleiferei, Fensterbau und Autoglaserei. "Mein Vater war Lokführer und hat in seiner Freizeit geholfen, Autoscheiben in die Kraftwagen einzusetzen. Dabei ging ich ihm zur Hand. Es gab zwar nicht so viele Autos wie heute - aber viele der wenigen waren klapprig: Die Türen wurden zugeklappt, die Scheiben gingen zu Bruch." Als Geselle ist Schettler in Reichenbach und Umgebung unterwegs, um allerorten Fenster zu reparieren, die teilweise Kriegsschäden aufwiesen - in Privathäusern, in Firmen und Fabriken.
Und er beginnt seine Meisterausbildung. Was waren seine Meisterstücke? "Meine Frau Ingeburg, eine Finanzkauffrau, die ich in der Berufsschule kennengelernt habe und zwei Fenster: ein dreiflügliges Kasten und ein Zirkelbogenfenster mit aufgehender Sonne: Da kam es auf die vielen Holzverbindungen an und die Sprossen."
1967, nach seiner Armeezeit, übernimmt Schettler das Geschäft des Onkels und macht sich selbständig. Er sei nicht gezwungen worden - im Gegensatz zu anderen - in eine Produktionsgemeinschaft des Handwerks einzutreten: "Wir hatten immer viel zu tun, weil alle Welt Fenster brauchte."
In den 1980er Jahren wird in Schettlers Betrieb ein neues Holz-Alu-Fenster entwickelt - innen Holz, außen Aluminium und deshalb pflegeleicht, weil es keinen Anstrich braucht. Es habe nur drei Betriebe in der DDR gegeben, die sie hergestellt haben. "Wir hatten dementsprechend viele Aufträge - von der Ostsee bis zum Fichtelberg. Die Wartezeit betrug bis zu sechs Jahren." An der Reichenbacher Textilschule könne man die Fenster bis heute sehen.
Schettlers Firma ist Ausbildungsbetrieb. "Aber Lehrlinge zu kriegen war für uns damals so schwierig wie heute: Meist Acht-Klassen-Schüler, denn die Zehntklässler waren sich zu fein, Glaser zu lernen, von den Abiturienten ganz zu schweigen."
Wie Schettler schildert, hat er dennoch gute Erfahrungen mit den jungen Leuten gemacht. "Mein alter Lehrer von der Dittesschule hat mir Tipps gegeben, wen ich nehmen kann und wen nicht."
Im Laufe der Jahre hat Schettler nach eigenem Bekunden 15 Lehrlinge und 3 Meister ausgebildet, nach der Wende auch 5 Umschüler.
Apropos Wende: Im Betrieb wird investiert und zieht um, ganze Wohnblöcke brauchen neue Fenster, die Auftragslage ist gut.
Die Firma führt seit 2003 der Sohn. "Wenn Not am Mann ist, helfe ich", sagt der Ruheständler, der sich viele Jahre auch gesellschaftlich engagiert: Er sitzt 24 Jahre für die CDU im Reichenbacher Stadtrat, gründet die Vogtland-Innung der Glaser und wird deren Obermeister.

Kalenderblatt 21:

Wo hat Glasermeister Schettler seine Frau kennengelernt? Wenn Sie das wissen, schreiben Sie uns das Lösungswort bis zum 23. Dezember auf eine Postkarte und senden sie an: Redaktion Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen. Oder Sie mailen uns an: redaktion@vogtland-anzeiger.de oder beteiligen sich über Facebook an dem Rätsel, unter Kennwort: Kalenderblatt 21.
Zu gewinnen gibt es eine Figur der Serie "Finn & Finja", gesponsert von der Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen.
Das Lösungswort von Kalenderblatt 17 ist Graslitz. Das wusste die Gewinnerin Christel Seidl aus Plauen. Glückwunsch zum Gewinn, der in der Redaktion abgeholt werden kann.
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