Mangel an Wertschätzung

Zu einer aktiven Mittagspause zwischen 13 und 15 Uhr vor dem Helios Vogtland-Klinikum rief gestern die Gewerkschaft Verdi auf, um für ein gutes Tarifergebnis zu demonstrieren.

Plauen Damit schlossen sich Mitarbeiter des Hauses den gleichzeitig in verschiedenen Städten stattfindenden Protesten an. Hintergrund der Aktion in der Nähe von Haus 7 war die konfrontative Haltung des Unternehmens in den laufenden Tarifverhandlungen für die rund 21.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten in 34 Krankenhäusern, in denen der Helios-Konzerntarifvertrag gilt. Die Verhandlungen sollen heute fortgesetzt werden.
"Es ist ein Unding, dass Krankenhausbeschäftigte mitten in der Pandemie dafür streiten müssen, dass ihre Leistungen angemessen honoriert werden", sagte ver.di Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen. "Alle Welt redet darüber, wie wichtig die Arbeit der Klinikbeschäftigten ist - aber Helios hat das offenbar noch nicht verstanden und verweigert ihnen die Wertschätzung, die sie verdienen." Laut dem vom Unternehmen zuletzt vorgelegten Angebot sollen die Löhne und Gehälter in den ersten fünf Monaten überhaupt nicht und im Juni um nur ein Prozent steigen. "Das bedeutet nichts anderes als Reallohnverlust", stellte Bovensiepen fest.
"Schon jetzt fehlt es an allen Ecken und Enden an Personal. Um die dringend benötigten Arbeitskräfte zu gewinnen, müssen sie angemessen bezahlt werden. Das Helios-Angebot ist meilenweit von dem entfernt, was nötig ist."
Für Empörung sorgt zudem, dass das Unternehmen die tarifliche Vereinbarung zur Pflegezulage gekündigt hat. Bleibt es dabei, könnte sie Pflegekräften bei Neueinstellung oder Vertragsänderung ab Januar 2022 vorenthalten werden. "Währen die dritte Welle der Corona-Pandemie auf die Einrichtungen zurollt, stellt Helios Gehaltsbestandteile für Pflegekräfte in Frage - ein fatales Signal", so Bovensiepen weiter. Dabei könne sich die Klinikkette Verbesserungen durchaus leisten, erklärte die Gewerkschafterin mit Verweis auf den Vorsteuergewinn von 600 Millionen Euro, den Helios für 2020 bilanzierte. Auch für dieses Jahr erwarte das Unternehmen eine positive Entwicklung. Der Helios-Mutterkonzern Fresenius hat angekündigt, die Dividende zum 28. Mal in Folge zu erhöhen. "Immer mehr Geld für Aktionäre und Lohnkürzungen für die Beschäftigten - solche Praktiken haben im Gesundheitswesen nichts zu suchen", kritisierte Simone Bovensiepen. "Wir erwarten am Mittwoch ein deutlich verbessertes Tarifangebot."