Manche mögen‘s schwarz

Zum 23. Dark Storm Festival machten sich am ersten Weihnachtsfeiertag auch etliche Vogtländer auf den Weg nach Chemnitz, um dort musikalisch schwarze Weihnachten zu feiern. Und dank der zwölf Bands war das erwartungsgemäß ein Fest.

Von Stephanie Rössel

Chemnitz/Plauen Gleich zwei Berliner Bands legten auf der Hauptbühne ordentlich vor. "Ost+Front" und "Tanzwut" setzen beide auf tiefe Stimmen und deutsche Texte, während auf der kleinen Bühne die britische Band "Massive Ego" dem Darkwave gerecht wurde. Den Rest des Abend mischten sich die drei für Small Talk und Selfies unters Publikum.
Solange tobten die Mexikaner "Rabia Sorda" im kleinen Saal weiter. Die in Hannover gegründete "Unzucht" hat in den vergangenen Jahren mit sämtlichen Namen der Szene zusammen gearbeitet. Aus ihrem Vorbandstatus haben sich die Musiker inzwischen viele eigene Fans gezogen und erst vor drei Wochen mit der Veröffentlichung ihres Videos zum aktuellen Titel "Nein" ordentlich abgeliefert. "Alle wollen reden.. alle wollen tanzen...alle wollen spielen...", passt doch irgendwie ganz gut zum Dark Storm.
Gar nicht menschenscheu gab sich auch Stefan Ackermann, Sänger der Band "Das Ich". Lange tauschte er sich nach dem Auftritt im Foyer mit Fans aus und Freunde der elektronischen Musik kamen bei "Solitary Experiments" voll auf ihre Kosten. Im Anschluss hatte es "SITD" durch technische Probleme etwas schwerer abzuliefern.
Um "Diary of Dreams" war es scheinbar etwas ruhiger geworden, doch beim Dark Storm schwang Adrian Hates seine Mähne und griff in die Saiten seiner Gitarre. Ein bisschen gebremst wirkte es trotzdem, was aber vielleicht an dem einen oder anderen brachialeren Auftritt der vorherigen Bands gelegen haben könnte.
Der Beitrag für die Massen war in diesem Jahr Peter Heppner. Er punktete mit den bekanntesten Titeln "Die Flut" und den Wolfsheim-Klassikern "Once In A Lifetime", "Kein Zurück" und "The Sparrow And The Nightingales". An diesen Liedern kommt man nicht vorbei und die kann er. Heppner steht zwar für keine wilde Bühnenshow, liefert aber stimmlich und musikalisch wirklich ab. 2020 geht er sowohl auf eine kleine, feine Akustik-Tour, als auch mit "Tanzzwang" auf Reise.
Vertraute Gesichter zogen inzwischen nicht nur "Project Pitchfork"-Anhänger zur zweiten Bühne, bei denen "Solar Fake" vorgruppen-erprobt und inzwischen auch festivalerfahren ist. In den vergangenen Jahren hat das Trio immer mehr musikalisch überzeugt und Songs veröffentlicht, die hängen bleiben.
Die Überraschung des Abends war der Headliner "And One". "Er ist zurück", könnte man sagen. Wer in den vergangenen zwei Jahren Konzerte erlebt hat, hatte etwas Respekt vor dem Auftritt, zumal Sänger Steve Naghavi auch seine komplette Tour im Herbst absagte. Etwas scheint passiert, dass er wieder anknüpfen kann an das, was ihn ausmacht. Er springt über die Bühne, ist voller Energie. Bereits nach wenigen Sekunden war klar, er hat es noch - was Fans an ihm lieben, womit er das Publikum gewinnt und was er scheinbar kurzzeitig verloren hatte.
"And One" versammelte alle vor der Hauptbühne und feierte eineinhalb Stunden richtig Party. Die Auswahl der Lieder war für Jeden gemacht. Von "Sometimes", "Technoman", "Unter meiner Uniform" bis hin zu "So klingt Liebe" und "U-Boot-Krieg in Ost-Berlin" gingen die Hände nach oben und die Füße zappelten im Takt. Und für die Band selbst könnte der Abend legendär gewesen sein. "Im Jahr 2020 werdet ihr keine Lied mehr in der Version hören, in der ihr es bisher kennt", kündigt Naghavi an und sagte "Tschüss" zum einen oder anderen Titel. "Es war genial. Ein Hammerabend. Wir kamen wegen Rabia Sorda, aber wir haben auch Solar Fake und And One gefeiert und den ganzen Abend genossen", schwärmen die beiden Sachsen Nicole Herberger und Enrico Kretzschmar, für die das Dark Storm Festival ein fester Termin im Jahr ist, zu dem auch Tochter und Schwiegersohn mitkommen.