MAN-Standort Plauen gerettet

An den gestrigen Montagmorgen dürften sich die 150 Beschäftigten des MAN-Standortes Plauen noch lange erinnern. Bei einer kurzfristig anberaumten Belegschaftsversammlung wurde ihnen mitgeteilt, dass ihre Arbeitsplätze gesichert sind.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Nach langem Bangen gibt es für die Kollegen von MAN Bus Modification Cener (BMC) am Leuchtsmühlenweg eine Perspektive. Mit der Firma Binz aus dem thüringischen Ilmenau hat sich nicht nur ein Investor gefunden - die Firmenleitung hat der Belegschaft auch den Abschluss eines Tarifvertrages mit der IG Metall zugesichert.
Dass der eine oder andere Kollege nach zermürbenden Monaten der Ungewissheit nicht doch noch zu VW in Zwickau wechselt oder sich für eine Abfindung entscheidet, sei zwar möglich, sagt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel. Doch auch für die verbleibenden Kollegen gebe es nun eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für zunächst fünf Jahre. Auch künftig haben sie Anspruch auf den für Sachsen gültigen Flächentarifvertrag, fügt Knabel an, verweist aber gleichzeitig darauf, dass man in den Gesprächen auch Zugeständnisse machen musste - beispielsweise in Sachen Entgelt.
Besonders zufrieden zeigt sich der Gewerkschafter, dass beim des Erhalts des Standortes Plauen alle politisch Verantwortlichen auf kommunaler und Länderebene an einem Strang gezogen hätten. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Ministerpräsident Michael Kretschmer hätten sich parteiübergreifend engagiert. Das, so Gewerkschafter Knabel, könne durchaus als Modellprojekt für die Zukunft verstanden werden."
Der Plauener MAN-Betriebsratsvorsitzende Marcus Galle steht ebenfalls noch unter dem Eindruck der Belegschaftsversammlung. "Die Kollegen sollten es nicht aus der Zeitung erfahren. Deshalb haben wir sie über das Ergebnis gestern Morgen unterrichtet. Noch am Wochenende fanden die letzten Gespräche mit dem neuen Investor statt. Erst standen alle schweigend da, voller Erwartungen, dann gab es einen Riesenapplaus".
Gestern Mittag stellte sich auch schon die neue Chefin, die Geschäftsführerin der Firma Binz, Cathrin Wilhelm, in Plauen vor. Das Ilmenauer Unternehmen gilt als traditionsreicher Hersteller von Sonderfahrzeugen. In einem ersten Statement verweist Wilhelm darauf, dass man für das angestrebte Umsatzwachstum und zahlreiche anstehende Projekte dringend Verstärkung brauche. Dem Vernehmen nach werde man bestimmte Produktgruppen nach Plauen auslagern. Binz stellt unter anderem Rettungswagen, Polizei- und Behördenfahrzeuge, Einsatzwagen für die Feuerwehr und andere Sonderfahrzeuge her, beschäftigt 220 Mitarbeiter und erwirtschaftete nach eigenen Angaben im Vorjahr eine Betriebsleistung von 56 Millionen Euro.
Und auch der Vorsitzende des Vorstands der MAN Truck&Bus SE, Andreas Tostmann, zeigte sich zufrieden, dass mit Binz ein "renommiertes Unternehmen die Nutzfahrzeug-Tradition am Standort fortführen will." MAN hatte im Herbst 2020 angekündigt, den Standort Plauen zu schließen. Dagegen hatte sich breiter Widerstand formiert. An Protestkundgebungen hatten sich neben Kommunalpolitikern auch Wirtschaftsminister Dulig sowie der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz beteiligt.
"Für unsere Stadt Plauen ist jeder Arbeitsplatz wichtig, erst recht 150 Industriearbeitsplätze." Damit finde die Tradition von mehr als 100 Jahren Busbau in Plauen ihre Fortführung, kommentierte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer die erfreuliche Entwicklung. Und CDU-Landtagsabgeordneter Sören Voigt, der in den letzten Monaten in engem Kontakt zu dem Unternehmen stand, bezeichnet es als "großartig, dass mit dem Know how der Belegschaft in Plauen weiterhin Fahrzeuge gebaut und modifiziert werden." Der vogtländische Landtagsabgeordnete der Grünen, Gerhard Liebscher, verweist auf die hervorragenden Fachkräfte des Plauener Standortes, die nun mit mehr Sicherheit in ihre Zukunft blicken können.
Die Übernahme soll zum 1. April dieses Jahres erfolgen.