Malzhaus-Galeristin steckt voller Pläne

Seit Sommer ist Julia Blei die neue Galeristin im Plauener Malzhaus. Nach einigen Wochen des Warmwerdens und Hineinschnupperns in die Kunstwelt Plauens, will die 28-Jährige ihre eigene Spur legen.

Von Cornelia Henze

Plauen "Im Vogtland etwas gefunden zu haben als Galeristin, das ist wie ein Sechser im Lotto", resümiert Julia Blei die vergangenen Monate. Sie, die in Halle Kunstgeschichte und Denkmalpflege studiert hat, ist nun zurück in der Heimat. Das ist in erster Linie für sie Klingenthal. Blei, der Name ist vor allem im oberen Vogtland, aber auch darüber hinaus, ein Begriff: Die Klingenthaler rufen sich Karl-Heinz Blei in Erinnerung, ein bekannter Fotograf - Julia Bleis Großvater. Wenn sie an Klingenthal denkt, dann an bisweilen harte Winter und viel Schnee und natürlich das niedliche kleine Aschberghäusel der Großeltern. Mit ihrem Studium in Halle ging es in die Welt hinaus. Dort, in Mittelsachsen, zwischen Halle, Leipzig und Magdeburg lag genug Kunst und Kultur in der Luft, die es aufzusaugen galt. Dahat Julia Blei ihrenMaster of Art als Kunsthistorikerin "gebaut" und ebenso den Master of Science für den Abschluss als Denkmalpflegerin.
Dass sich das Malzhaus nicht mit Galerien in großen Kunststädten messen kann, weiß die Galeristin. Schon von den baulichen Gegebenheiten stoße das Haus an seine Grenzen: Wer Werke bedeutender Meister zeigen will, muss konservatorische Standards einhalten. Stimmen müssen Beleuchtung, Klima und die Absicherung der Werke im Falle von Beschädigung oder Diebstahl. Dafür weiß Julia Blei um das große Pfund des Malzhauses. Mit einem hochengagierten Team hat sich das von einem Verein geführte Haus als soziokulturelles Zentrum auf vielen Gebieten einen Namen gemacht: Da sind Livekonzerte, Lesungen, Vorträge, Kunstbetrachtungen, Tanz und natürlich Bildende Kunst unter einem Dach. So bunt und multikulturell soll es auch nach Julia Bleis Vorstellungen weitergehen. Sie denkt daran, ein Poetry Slam auf die Bühne zu bekommen. Auch Lesebühnen, Malkurse soll es geben; ebenso die Jam Session weitergeführt werden. "Man kann viele spannende Sachen machen", sagt die junge Frau, die voller Pläne steckt und daran geht, sich ein Netzwerk aufzubauen. Einige Jahre fort aus dem Vogtland, stellt sie anerkennend fest, dass kulturell dort einiges los ist zwischen Göltzschtalbrücke und Vogtlandschanze.
Augenmerk legt die Galeristin auf die Arbeit mit jungen Menschen: Kindern, Schülern, Jugendlichen. Zu Jahresanfang 2020 wird es eine Ausstellung mit dem Kinderschutzbund Plauen geben. "Die Jungen und Mädchen sind total kreativ", kann Julia Blei jetzt schon verraten.
Natürlich gilt ein Teil der Ausstellungen weiter dem Rückblick auf das künstlerische Schaffen regionaler Maler und Grafiker. Hier versteht sich Julia Blei als Mittler und Ansprechpartner zwischen Malzhausverein und Vogtländischem Kunstverein. Gemeinsame Ausstellungen stehen auf dem Plan. So wird es 2020 eine Exposition über Albin Schlehahn geben.
Das nächste Jahr wird eines der runden Jubiläen sein, und wie das bei solchen "Geburtstagen" ist, widmet man ihnen gerne Gedenken und Ausstellungen. So wird es zeitgeschichtliche Dokumentationen zu "30 Jahre Malzhaus" und ebensoviele Jahre zur Wiedervereinigung beider deutscher Staaten geben.
Wenn Julia Blei einen Künstler an ihre neue Wirkungsstätte holen würde, dann wären es die Werke von Max Beckmann. Sie, die für die Moderne ab der Künstlervereinigung "Brücke" brennt, bewundert Tiefe und Ausdruck, die Beckmanns Bilder hinterlassen. "Beckmann hätte ich gerne persönlich kennengelernt, vielleicht bei einem schönen Glas Wein", sinniert die Galeristin.