Maler Weiß stellt im Oelsnitzer Schloss aus

Oelsnitz  - Herbst, Zeit, Laub zu rechen, den Rasen noch einmal zu mähen, die Ernte einzufahren?oder eine Schaffensperiode zu besichtigen. Zu Ehren seines 70. Geburtstages eröffnet die Oelsnitzer Stadtmarketing GmbH am Samstag auf Schloss Voigtsberg die Ausstellung "Malerei Grafik 2000 - 2010" von Günter Weiß.

 

Der Künstler und seine Frau Hannelore bereiten die Werkschau, die von einem Katalog begleitet wird, seit zehn Monaten intensiv vor. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer langen Reihe von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen des Oelsnitzers weit über das Vogtland hinaus. Mehrere seiner Arbeiten fanden 2009 Aufnahme in die "Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst" auf Schloss Schlettau.

Das Jahr 2000 bildet eine Zäsur im Leben von Günter Weiß. Seine Zeit als Berufsschullehrer für Bauberufe in Schwarzenberg und Oelsnitz endete nach 35 Jahren. Seitdem ist er freischaffend als Maler und Grafiker tätig. Der 70. Geburtstag dagegen ist für ihn "ein Tag wie jeder anderer", betont er, "die Zahl stelle ich nicht in den Vordergrund, wenn man sich jünger fühlt, hat sie keine Bedeutung".

Aus dieser Einstellung heraus, beschränkt er sich in seiner Jubiläumsausstellung auf eine Werk-Auswahl aus den vergangenen zehn Jahren. Weniger ist mehr. Zu sehen sind Arbeiten in verschiedenen Techniken wie Aquarell, Acryl, Öl, Pastell, Holzschnitt und Kaltnadelradierung - "der Landschaft verschrieben". Weiß verschmäht die Motive und Stimmungen der Hochglanzprospekte. Dem Weiten, Unbestimmten, dem Unspektakulären gibt er Gestalt durch Farbe, Struktur und Perspektive. Doch auch die heimische Stadtlandschaft findet Beachtung. Von Oelsnitz zeigt Weiß mit analytischem Blick Bekanntes und Übersehenes zum Neu-Entdecken.

"In der heutigen Zeit mit ihrer Flut von Bildern verkümmern die Sinne", erklärt der Künstler. Oft wird deshalb Spektakuläres in der Bildenden Kunst gewagt, um aufzufallen. Mir reicht die Natur, in der ich die Kunst finde. Das versuche ich mit meinen Bildern dem Betrachter näher zu bringen." Die unbedingte Wiedererkennbarkeit einer bestimmten Handschrift wird von ihm nicht vordergründig gesucht.

Geboren wurde Günter Weiß am 21. September 1940 in Brunn bei Reichenbach - dem Ort, an dem 1930 der Zeppelin landete. Die Heimatstube in der alten Schule bewahrt die Erinnerung. Ein KIassenzimmer nahm einst vier Jahrgänge von Schülern auf. Fotos zeigen Günter, den Eisenbahnersohn, als Schuljungen, in der Feuerwehr und in der Laienspielgruppe. In dieser Zeit kam Weiß vergangenes Jahr mit großer Freude wieder an. Mit drei weiteren Brunner Malern stellte er in seiner alten Schule aus.

Auf einem langen Studienweg hat er sich in der Welt des Gestaltens umgesehen, sein Talent ausgebildet, Anregungen aufgesogen, ohne sich einer Richtung zu verschreiben. Dem Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg von 1958 bis 1961 folgte die Zeichenschule bei Professor Carl Michel in Zwickau. Das pädagogische Fernstudium an der Technischen Universität Dresden und das Fernstudium zum Diplomdesigner (FH) in Berlin stemmte er bei vollem Berufseinsatz als Lehrer.

Weiß, der Mitglied im Vogtländischen Künstlerbund (BBKV) ist, sucht die fachliche Herausforderung, stellt sich neuen Ideen und kritischer Diskussion. So packte er diesen Sommer Grafikutensilien und Druckerpresse ins Auto, um am 2. Vogtländischen Druckgrafiksymposium im Reichenbacher Neuberinhaus teilzunehmen, bei dem sich 13 Leute unter anderem aus Hamburg, München und Dresden zu Austausch und gemeinsamer Arbeit trafen. Ergebnisse werden ab Oktober in der Kunsthalle Reichenbach ausgestellt.

An meinem Geburtstag wird es keine Feierlichkeiten geben, sondern erholsames Wandern an der Ostsee", erzählt der Künstler. Auf Hiddensee haben er und seine Frau ein Refugium zum Auftanken gefunden - und der Insel im vergangenen Jahr in einem sympathischen kleinen Album "Tagebuchnotizen und Skizzen" gewidmet. Die Verwurzelung im Nahen und das Streben nach dem Fernen und Andersartigen, das man sich mit den Mitteln der Kunst aneignet - das ist ein Spannungsbogen im Werk von Günter Weiß.

Der Katalog zur Ausstellung auf Schloss Voigtsberg erscheint zur Vernissage am Samstag, die 18 Uhr beginnt. 20 Exemplare sind mit einer Vorzugsgrafik des Künstlers ausgestattet. Die Laudatio hält Klaus Hirsch, der Maler und Grafiker aus Lugau im Erzgebirge. Er ist Mitglied im Landesrat des Sächsischen Künstlerbundes. Den musikalischen Rahmen gestalten Almut Rönnecke und Andrea Voigt vom Theater Plauen/Zwickau. Zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen ist die Ausstellung "Günter Weiß Malerei Grafik 2000 bis 2010" vom 5. September bis zum 24. Oktober. va