Malen als Konstante im Leben

Manfred Feiler, Jahrgang 1925, feiert heute seinen 94. Geburtstag. Prägende Ereignisse seines langen Lebens sind: Kunstschule in Plauen, Verwundung als Soldat, Ehe und Familie, lange totgeschwiegener, heute hochgeehrter Kunstmaler. Die Konstante: das Malen.

Von Lutz Behrens

Plauen In einem Jahr wird Manfred Feiler sich kaum retten können. Wenn zu seinem nächsten "runden" Geburtstag, dem 95.!, die Gratulanten, Freunde, Honoratioren, Politiker und vor allem aber die Bewunderer seiner Kunst sich die Klinke in die Hand geben werden. Heute wird er 94, und auch heute wird der Geburtstag anstrengend, für ihn aber auch beglückend. Weil er, bei allen Gebrechen und Gebresten, dem Hören, das ihm schwerfällt, ein Künstler ist, der sich mitteilen muss, der Kontakte braucht und vor allem über die Kunst reden will.
Es ist ein wenig still um ihn geworden; nach den großen, repräsentativen Ausstellungen, den vielen Ehrung, mit dem Vogtländischen Ehrenpreis, der Ehrenbürgerschaft der Stadt Plauen und dem Sächsischen Verdienstorden. 35 Bilder schenkte er seiner Stadt, die in zwei Jahren die Arbeiten im Rathaus in einem Feiler-Foyer präsentieren wird.
Wer es aufmerksam verfolgte, konnte ihn unlängst in einer Publikation entdecken; im Fotoband "Vogtland. Zauber einer Landschaft", mit Fotografien des Schöneckers Hans Jakob. Das Buch ermöglicht auch den reizvollen Vergleich von Motiven vogtländischer Maler mit dem Vorbild in der Landschaft. Manfred Feiler erlaubte, sein "Nymphental" (2007) und eine Ansicht des Mühlgrabens hinter dem Weisbachschen Haus in Plauen von 2001 aufzunehmen.
Auch ein Aquarell Kurt Geipels kann im Fotoband bewundert werden; Geipel war - neben Walter Löbering - einer der Feiler prägenden Lehrer an der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie in Plauen. 1939, als Vierzehnjähriger, begann Manfred Feiler dort seine Ausbildung, gefördert durch ein Staatsstipendium. Als Soldat an der Ostfront wird er im Sommer 1943 schwer verwundet, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Seiner damaligen Freundin und späteren Frau Erika ist es zu verdanken, dass er den Lebensmut nicht verlor. Nach ersten Ausstellungen 1948 in der Galerie Fritz Geyer und im Lutherhaus in Plauen, Tätigkeit als Werbegestalter und Entwerfer für Textilunternehmen in der Region, wird er ab 1952 freischaffend.
Neben einem schlimmen Verriss 1961 ("prowestlicher Schmierfink") nach einer Ausstellung abstrakter Gemälde in der Galerie Fritz Geyer in Plauen wird Feiler im Jahr 1962 andererseits in das Künstlerlexikon des 20. Jahrhunderts aufgenommen; bis zum Ende der DDR jedoch offiziell totgeschwiegen.
Nach der Wiedervereinigung erlebt der Künstler eine Periode künstlerischer Schaffenskraft. Ausstellungen in ganz Deutschland folgen; 2001 kauft das Freedom Museum Washington zwei Gemälde Feilers an, und er hat auch in den USA Erfolg als "Botschafter des Vogtlandes".
Bis heute malt er. Nicht mehr mit der Intensität wie früher, aber, so sein Kommentar, "mehr in die Tiefe gehend" und immer noch als ein Meister des Gegensätzlichen. Beeindruckend ein abstraktes Gemälde, dessen Intensität überrascht. Und eine Sache liegt ihm sehr am Herzen, die er unbedingt benennen will: die Kunstschule. Für ihn stand diese Institution am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn, die Schule hat ihn geprägt. Es sei ein großer Verlust, dass in Plauen nach der Wiedervereinigung die Chance nicht genutzt wurde, die Schule wieder in Plauen zu etablieren. Doch er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, sagt Manfred Feiler.