Maikundgebung auf Plauener Theaterplatz

Unter dem Motto "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!" versammelten sich die Teilnehmer der diesjährigen Maikundgebung auf dem Theaterplatz.

Plauen - An den 1. Mai vor Jahresfrist erinnerten sich weder Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, noch die rund 400 Teilnehmer der diesjährigen Kundgebung gern. Damals hatten Neonazis und Rechtsextreme Plauen wiederholt als Ort eigener Aufmärsche erkoren - Rangeleien von vorwiegend jungen Gegendemonstranten mit der Polizei sorgten für überregionale Schlagzeilen.

Ob die Nazis diesmal um Plauen einen Bogen machten, weil sie hier keinen Nährboden fanden, wie OB Ralf Oberdorfer in seinen Begrüßungsworten formulierte, darf wohl als ein wenig zu viel Optimismus gelten. Diesmal jedenfalls herrschte ein eher familiäres Fluidum und der Beobachter konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, es seien eben die gekommen, die immer kommen.

Das Besondere an dieser Maikundgebung hob übrigens Thomas Knabel von der IG Metall als letzter Redner hervor: Der Plauener OB trete erstmals bei einer Maikundgebung vors Mikrofon. In der Tat schien FDP-Mitglied Oberdorfer vom "revolutionären Elan" der Gewerkschaft leicht infiziert. Nachdem er für ein Einwanderungsgesetz und eine aktive Flüchtlingspolitik plädiert hatte - auch vor dem Hintergrund der demografischen Probleme in Deutschland - nahm er die Konzerne in die Pflicht, die in der Region Firmen betreiben.

Es sei deren Aufgabe, in der Region nicht nur Gewinne zu realisieren, sondern sich auch zu engagieren. Man könne Neoplan zwar zum Weiterbestehen gratulieren, aber ein Zufall sei es aus seiner Sicht nicht, dass in Plauen gerade rund 200 Arbeitnehmer entlassen werden, während bei VW in Zwickau eine neue Fertigungslinie entstehe, die qualifizierte Kräfte brauche. "Das schwächt den Arbeitsmarkt im Vogtland", so der OB der anmerkte, er befinde sich in Gesprächen mit der VW-Konzernspitze und habe den Chef des Autoherstellers, Martin Winterkorn, in einem Brief aufgefordert, als Ausgleich für die in der Region verloren gegangenen Jobs neue in der Zulieferindustrie zu schaffen.

Im Anschluss ergriff der Gast aus Dresden das Wort. Die Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, zeigte sich erfreut, dass das langjährige Streiten der Gewerkschaft für den Mindestlohn nun von Erfolg gekrönt worden sei und man nun endlich von der Werbung für Sachsen als Billiglohnland Abschied genommen habe, kritisierte aber gleichzeitig, dass die Gleichstellung von Mann und Frau im Berufsalltag noch lange nicht realisiert sei. Lohnunterschiede von bis zu neun Prozent und Karriereknicke bei Frauen seien der Beleg dafür.

Auch sie widmete sich der Flüchtlingspolitik und mahnte mehr Geld für Integrations- und Sprachkurse an. Für dieses Jahr avisierte sie 15 300 nach Sachsen kommende Flüchtlinge. "Erwärmen wir unsere Herzen für Menschen, die aus Not kommen", so Köpping. Gewohnt kämpferisch gab sich der Vertreter der IG Metall, Thomas Knabel. Er beschäftigte sich ebenfalls mit dem Mindestlohn. "8,50 Euro sind alles andere als ein Geschenk. Sie sind das Mindeste, was die Kollegen verdient haben." Ein Stundenlohn von zehn Euro und mehr seien eigentlich nötig, um nach einem langen Arbeitsleben eine Mindestsicherung zu bekommen.

Dass in einigen Betrieben gute Löhne gezahlt würden, so Knabel, sei den Kollegen und Betriebsräten vor Ort zu danken. "Lasst uns die Welt Tag für Tag ein Stück besser machen", schloss er unter Beifall der vorwiegend älteren Zuhörer. Mit Infoständen machten die IG Metall, Verdi, das Sozialforum Göltzschtal, das Jugendparlament und weitere Vereine, Verbände und Gremien auf sich aufmerksam. Am Stand der Linken gab es Kuchen und Kaffee zum selbst gewählten Spendenpreis, die SPD holte die Jüngsten mittels Hüpfburg "von der Straße" und bot Fettbemme statt Fettnapf.