Mahngang auf Spuren der Täter

Über 80 Teilnehmer folgten am Samstag dem Aufruf des Aktionsbündnisses gegen Rechts und der Antifaschistischen Gruppen des Vogtlands (AGV) zu einem gemeinsamen Mahngang durch Plauen.

Plauen - Die Spuren des Nationalsozialismus und seiner Täter aufdecken sowie den Opfern gedenken, war das Ziel der Organisatoren. Der Mahngang startete am Oberen Bahnhof gegen 14.30 Uhr. Darunter die Mitglieder der AGV und des Aktionsbündnisses gegen Rechts sowie Einwohner aller Altersschichten.

Erster Stopp war das Gelände des ehemaligen "Braunen Hauses" Ecke Friedensstraße und ehemaliger Bärenstraße. Nach einer Rede am Ort der damals ersten NSDAP-Parteizentrale im Vogtland ging es weiter zur einstigen Plauener Synagoge. Der bewegenden Erzählung zum Schicksal der Juden und der Inbrandsetzung des architektonisch-einmaligen Gebäudes durch die Nazis lauschten die Teilnehmer aufmerksam - weiter ging es in Richtung Vomag (Vogtländische Maschinenfabrik AG).

Vorbei an den "Ghettohäusern" Pestalozzistraße weiter zur Siegener Straße, Straßberger Straße und Trockentalstraße. Akustisch untermalt wurde der Mahnzug durch Erzählungen von Zeitzeugen, die aus den großen Lautsprecher-Boxen des Begleitfahrzeuges ertönten. Nachdem die Dürerstraße passiert war hielt der Tross auf der Uferstraße am einstigen Gelände der Vomag.

Das Unternehmen war um 1910 Weltmarktführer im Bereich der Stickmaschinen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges stieg das Plauener Werk auf die Produktion von Lastkraftwagen um. Aber auch Granaten und Fliegergeschosse verließen die Fertigung an der Uferstraße. In einem spannenden Vortrag wurde die Rolle der Vomag im Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Der in Plauen produzierte Panzerkampfwagen IV war in den letzten Kriegsjahren der wichtigste Panzer der Wehrmacht.

In diesem Zusammenhang wurde auf das Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in der Tüllfabrik Mehltheuer hingewiesen. Zeitweise arbeiteten hier zu Beginn des Jahres 1945 über 350 jüdische Zwangsarbeiter für die Vomag, die für die Produktion von Kriegsgütern von großer Wichtigkeit war und daher ein essentielles Ziel alliierter Bombenangriffe bildete. Auf dem Altmarkt endete der friedliche Mahngang.

Abschließende Worte richtete Geschichtskennerin Waltraud Schmidt an die Teilnehmer mit denen sie verdeutlichte, dass es in Plauen unzählige Orte gibt, die im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus stehen. seb