"Männer leiden leise"

Häusliche Gewalt geschieht zumeist unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit. Die Betroffenen scheuen sich, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, Rat oder Hilfe zu suchen. In Auerbach eröffnete ein Schutzprojekt eine Außenstelle - für Männer.

Auerbach - Zumeist sind es Frauen, die durch ihren Partner, manchmal aber auch Bruder, Vater oder Onkel, unter massiven physischen oder körperlichen Druck stehen. Seltener geraten Männer in solche Lebensumstände und werden durch ihre Partnerin gemobbt, misshandelt und in untragbare Situationen gebracht. Doch auch diese Fälle kommen vor. Sogar im Vogtland. In Auerbach eröffnete jetzt eine Beratungsstelle des Männerschutz-Projektes "Weissenberg e.V.". Der Vogtland-Anzeiger unterhielt sich dazu mit dem Vereinsvorsitzenden Marcel Schäder.

Herr Schäder, was ist Weissenberg e.V.?
"Wir sind ein vom Freistaat Sachsen gefördertes Männerschutz-Modellprojekt. Der Name Weissenberg steht für ein Synonym. Ich war lange Zeit selbst ein unter häuslicher Gewalt leidender Mann und habe unter den Namen Weissenberg ein Buch darüber geschrieben. Als wir im Januar 2018 in Plauen den Verein ins Leben riefen, haben wir ganz einfach diesen Namen genommen. Wir sind auch unter diesem im Internet gut zu finden. Aktuell gehören zu unserem Verein 15 Mitglieder, erstaunlich mehr Frauen als Männer. Dies erklärt sich daraus, dass wir auf die Fachhilfe von Pädagogen, Ärzten und Psychologen setzen. Und die sind in diesen Fachgebieten meistens weiblich."

Erklären Sie uns die Philosophie von Weissenberg.
"Häusliche Gewalt gegen Männer ist mit viel Scham verbunden. Betroffene haben meistens eine sehr hohe Hemmschwelle, um sich Hilfe zu holen. Nicht selten werden Männer, die unter ihren Partnerinnen leiden, psychischen Druck oder gar Gewalt erfahren, belächelt. Sie geraten unter Umständen sogar in ausweglose Situationen, im schlimmsten Fall kommt es zu Suizid-Gedanken, Mit unseren, zum Teil persönlichen Erfahrungen, können wir fachliche Hilfe bieten, zur Seite stehen und Kontakte zu Psychologen, Ärzten oder Schutzwohnungen vermitteln. Das Wichtigste in unserer ehrenamtlichen Arbeit ist aber das Vertrauen und höchste Diskretion."

Wie ist Ihre Arbeitsweise?
"Findet ein Betroffener zu uns, analysieren wir zunächst dessen persönliche Problemlage, schauen uns die Lebensumstände an und versuchen diese gemeinsam zu ordnen. Dies geschieht in der Regel mit der Vermittlung zu erfahrenen Sozialtherapeuten und eventuell sogar zu Ärzten. Wir unterstützten die betroffenen Männer bei der Planung nächster Schritte, begleiten bei notwendigen Behördengängen und helfen beim bürokratischen Schriftverkehr. Wenn erforderlich, helfen wir bei der Suche nach eigenem Wohnraum, in akuten Situationen können wir auch zeitlich begrenzt in Plauen und dem Vogtland mehrere Männerschutz-Wohnungen zur Verfügung stellen."

Was kostet Ihre Hilfestellung?
"Prinzipiell ist unsere Beratungstätigkeit und die notwendige Hilfestellung kostenlos. Wird eine Schutzwohnung benötigt, kostet diese am Tag 8,50 Euro pauschal."

Sie haben in Auerbach eine Beratungsstelle eröffnet - wo?
Da ich in Plauen lebe, ist der Vereinssitz von Weissenberg e.V. auch in dieser Stadt. Man findet uns auf der Äußeren Reichenbacher Straße 3 (Telefon 0152/25267210). Da die Zahl der Männer, die unsere Hilfe benötigen, im Vogtland wächst, haben wir nun im Kompetenz-Zentrum der Verbraucherzentrale an der Plauenschen 7 in Auerbach eine Außenstelle eröffnet. Hier sind wir zweimal im Monat, immer am Montag in der geraden Kalenderwoche, von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr zu finden. Unsere Telefonnummer ist dabei identisch wie die oben genannte. Hagen Hartwig