Lustvolles im Stadtpalais

Lustvoll machten sich ungewöhnlich viele Besucher am Freitag auf den Weg, um kunstvoll inszenierte Aktfotografie zu betrachten. Nach dem Verbot der Ausstellung im Foyer des Neuberinhauses durch den Chef der Kultur GmbH, wurde mit dem Reichenbacher Stadtpalais ein spannender und reizvoller Ersatz gefunden.

Die gebürtige Greizerin Franziska Barth hat ihre Ausstellung im Reichenbacher Stadtpalais am Freitag eröffnet. Das Verbot, die Nacktheit im Neuberinhaus zu zeigen, schlug ein, wie eine Bombe. An die 400 gar nicht prüde Kunstfreunde strömten ins Stadtpalais, um die Aktausstellung unter dem Titel "meine lust mach ich mir selbst" anzusehen. Die 59 Fotoarbeiten sind oftmals zweideutig.
Severin Zähringer, der schon seit dreieinhalb Jahren die Kunsthalle-Vogtland führt, ist sich sicher, dass die Ausstellung die richtige Location gefunden hat. Die ungewöhnliche Werbung durch das Ausstellungsverbot zuvor, habe der Ausstellungseröffnung wahrlich keinen Abbruch getan.
Selbst das MDR-Fernsehen berichtete am Freitag in den 19 Uhr Nachrichten für zwei Minuten über die umstrittene Ausstellung.
Andere Blickwinke zulassen und Diskussionen - Kunst bewegt, eckt an, Kunst führe Menschen zusammen, Kunst genieße Freiheiten, Kunst solle inspirieren und Kunst könne man nicht verbieten, führte Ausstellungsmacher Severin Zähringer vom Förderverein Kunsthalle Vogtland in seiner Eröffnungsrede aus. Musikalische und tänzerische Unterstützung gab es zur Eröffnung von Saxofonist Christoph Beer samt einer Performance von Sophia Casna. Die Tänzerin bewegte sich grazil zwischen den dicht gefüllten Besuchern bei ihre Performance.
Großer Dank ging an die Woba- Chefin Daniela Raschpichler, die unkompliziert die Räume zur Verfügung stellte. Dank ging auch an den Stadtwerke Chef Lars Lange für die rasche Stromzufuhr. Viele Helfer waren im Vorfeld der Kunstschau im Einsatz, um für das Gebäude sicheren Zutritt zu gewähren. Auch ihnen wurde gedankt.
Mit ihren fotografischen Bildern experimentierte Franziska Barth mit der Natur, der Wissenschaft, im Geheimen, der Offenheit, dem Körper und dessen Ästhetik.
In der Laudatio von Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle aus Hannover beschreibt dieser die Fotokünstlerin und Diplom Kulturwissenschaftlerin Franziska Barth als kreative, individuell und selbstbestimmte Persönlichkeit, deren Prozesse in Ausdruck von Lust und Leidenschaft hervorragt. Mit ihrer Kamera schaffe sie eine ganz eigene Atmosphäre, der sich der Betrachter nicht entziehen könne.
Franziska Barth interessiere sich für die Momente der vorher und nachher Posen und halte dies mit der Kamera Canon D5 fest. Es liege eine stille Selbstvergessenheit über den Bildern, die Körperlichkeit zeigen und Menschlichkeit entwickeln..
Emelie Glück aus Greiz ist eine der Porträtierten in der Fotoausstellung. Sie erzählte: "2014 gab es ein Projekt mit Musik, Ton, Foto und Tanz. Franziskas Fotografie entstehen mit dem Aufbau des Vertrauens, viele Gesprächen und mit großer Lockerheit."
Franziska Barths Fotos entstehen draußen wie drinnen und sind Ergebnis eines spannenden Prozesses. Festgehalten wird eine Momentaufnahme. Es gibt keine verfälschten Fotos. Die Posen dürfe jeder selbst aussuchen, ob mit oder ohne Bekleidung. Mit ihrer Ausstellung setzt die Künstlerin Normen und Grenzen außer Gefecht. Es ist erlaubt, sich zu wundern und zu staunen, was im oder am Menschen interessiert und bewegt. Heute werde in der Werbung und in Filmen Nacktheit entfremdet. Unverfälschte Blicke seine kaum noch zu finden. Auch daher sei diese Ausstellung so wichtig. Ungünstig wirkte sich leider sichtbar die hohe Luftfeuchte im Stadtpalais auf die Fotos aus, die auf vier Räume in der ersten Etage verteilt sind.
Nach bisherigem Kenntnisstand sind die Fotos jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr zu sehen. Auch außerhalb der Tage ist die Ausstellung unter der Rufnummer 03765 - 66 76 467 zu erreichen. Bis zum 12. April bleibt die Kunstschau an jeden Sonntag im Stadtpalais geöffnet. vub