Lukrative Arbeit in Dresdner Unterwelt

Weischlitz - "Unter der Hacke ist es dunkel!", deshalb können viele mit dem Thema Grundwasser nichts anfangen. Nicht so die UBV - Umweltbüro GmbH Vogtland in Weischlitz: Die Fachleute um Firmenchef Dr. Thomas Daffner sind auf dem Gebiet der Grundwassererkundung und darauf aufbauender Planungen besonders aktiv.

 

Sie sind dem edlen Nass auf der Spur, zeigen dessen Wege auf, egal ob zu Normalzeiten oder in Hochwasserphasen, weisen auf erforderliche bauliche Veränderungen hin, um künftig von Katastrophen weitestgehend verschont zu bleiben. Weiterhin geht es um die Brunnenplanung - sowohl für die Wassersicherstellung als auch für die Gewinnung von Wärme und Kälte - mit Anlagen von 500 Kubikmetern pro Stunde und darüber hinaus. Eines stellt der Wasserwirtschaftler des 1992 von seinem Vater gegründeten Unternehmens klar: "Wir spüren die Rezession derzeit nicht!"

 

Es seien zwar Einbrüche bei den Vermessungsarbeiten zu bemerken, aber das Umweltbüro Vogtland kompensiere dies mit klassischen Planungsarbeiten, Baubegleitung und -erkundung sowie Projektabwicklung.

Das Unternehmen lege die Stadt Hoyerswerda "trocken", wie Daffner schmunzelnd feststellt. Das Projekt laufe seit 1995 und die Vogtländer hätten dafür den Zuschlag erhalten. Dort ging es um die Planung, Bauleitung und den Betrieb des Westrandgrabens, einem neuen Gewässer mit zwei Brücken und 12 Durchlässen. Des Weiteren wurden drei Horizontalfilterbrunnen mit über fünf Kilometer innerstädtischer Ableitung geplant und gebaut, um so das aufsteigende Grundwasser in und um Hoyerswerda niederzuhalten. Das sei ein stabiles Projekt, unterstreicht der Unternehmer.

 

Die Überwachung des Grundwasseranstiegs stehe noch wie vor an. Seit einem Jahr erfolge die fachtechnische Begleitung. Bei jeder Kanalsanierung in dieser Gegend würden die Vogtländer hinzu geholt.

Um diese Aufgabe besser koordinieren und zentraler aufgestellt zu sein, wurde das 2001 gegründete UBV-Büro Hoyerswerda im April 2007 mit dem Dresdner zum Büro Lausitz/Dresden in Senftenberg zusammengelegt.

Apropos sächsische Landeshauptstadt: Die derzeit 21 Mitarbeiter des Umweltbüros Vogtland, zumeist Bauingenieure, Hydrologen, Hydrogeologen, Umwelttechniker und auch Wasserwirtschaftler sind auch in der Dresdner Unterwelt zu Gange. "Wir besitzen mit die höchste Kernkompetenz beim Grundwassermanagement in der historischen Innenstadt von Elbflorenz", formuliert es Daffner. Gemeinsam mit anderen Büros habe man ein 3-D-Grundwassermodell für die gesamte Landeshauptstadt erarbeitet, von Heidenau bis Cossebaude. Darin sind die Schmutz- und Regenwasserkanalisation ebenso berücksichtigt, wie alle Tiefgaragen und Tunnel Dresdens.

Ein Problem in der Landeshauptstadt sei die Grundwasserdynamik, wie die letzten Elbhochwässer gezeigt hätten. Denn kaum ist das Hochwasser weg, drücke das Grundwasser durch eine so genannte nachlaufende Grundhochwasserwelle von unten nach. Sodass ein zu frühes Auspumpen der Keller die Lage noch verschärfen könne. So oblag und obliegt den Weischlitzern weiterhin Planung und Bauleitung von "großen Wasserhaltungen" im Innenstadtbereich Dresdens. Insbesondere die Unterwelt um die Frauenkirche sei besonders verdichtet, wie es der Fachmann bezeichnet. Hier müsse sehr sensibel vorgegangen werden, um Grundhochwässer genauso zu vermeiden, wie eine zu starke Grundwasserabsenkung. Dies könnte im schlimmsten Fall zu Schäden an der historischen Bausubstanz der Landeshauptstadt führen.

Auch in Elbflorenz kamen wieder Horizontalfilterbrunnen zum Einsatz. In der Dresdner Altmarktgalerie, einem Einkaufszentrum entstand ein solches Bauwerk vorbeugend für den Schutz des historischen Kellergewölbes bei Grundwasser und gegen Auftrieb. Ein weiterer solcher Brunnen wurde für die Zentrale Kälteversorgung aller Hotels um die Frauenkirche herum errichtet.

Diese erfolgreiche Arbeit in der Landeshauptstadt und anderenorts wäre aber nicht möglich, wenn die Mitarbeiter des Umweltbüros Vogtland nicht auf gute Erfahrungen in der Region zurückgreifen könnten. So besitze die Stadt Plauen eines der ersten modernen Hochwassermessnetze in Sachsen. Betrieben wird dies vom Weischlitzer Büro seit 1995. Dabei seien im Vorhinein vor allem kleine Vorfluter untersucht worden, die in die Weiße Elster fließen. Durch die Ausrüstung mit Messtechnik konnten hier Erfahrungen gesammelt werden, die anderenorts erfolgreich angewandt werden.

Weitere regionale Referenzprojekte seien die Untersuchung, Abdichtung und umfassende Revitalisierung der Deponie am Plauener Vogtlandstadion, der grenzüberschreitende Schutz und die Nutzung der Heil- und Mineralquellen im Vogtland zur langfristigen Sicherung des Kur- und Bäderwesens in der Region, ergänzt Daffner.

Zu einem überregional bekannten Objekt könnte die Solebohrung in Bad Elster avancieren - vorausgesetzt die anstehenden Tests laufen weiterhin erfolgreich. Aktuell steht die Sanierung des Albertparks in Bad Elster nach historischem Vorbild an, mit dem Wegebau, den Teichanlagen und den Pavillons - bis zum Fundament, wie der Gesprächspartner einschränkt. Alles was über dem Fundament sei, das wäre Aufgabe von Architekturbüros. Das Unternehmen aus Weischlitz ist also gewappnet, um der Rezession zu begegnen.  Bert Walther