Lokführer-Streik wirft Bahn auch im Vogtland aus dem Gleis

Seit wenigen Stunden stehen in Deutschland Güter- und Personenzüge still. Die bei der GDL organisierten und der Deutschen Bahn angestellten Lokführer, Zugbegleiter und das Bordpersonal streiken. Auch im Vogtland gibt es Engpässe.

Plauen/Reichenbach - "Wir streiken nicht" - so titelt die private Länderbahn, zu der auch die Vogtlandbahn gehört, auf ihrer Homepage. Da diese Privatbahn im Vogtland die meisten Regionalverbindungen abdeckt, ist das Leid vogtländischer Reisender nicht ganz so groß wie das der Fahrgäste in den Regionen, in denen es außer der DB keine anderen Anbieter gibt.

"Wer sonst mit dem Regionalexpress der DB von Plauen nach Hof fährt, kann das, etwas zeitversetzt, auch mit der Vogtlandbahn tun. Die Vogtlandbahn fährt langsamer, weil sie an vielen kleinen Bahnhöfen hält - Anschluss gibt es aber dennoch", so Länderbahn-Sprecherin Christine Hecht.

Auch wer in Reichenbach in die Vogtlandbahn einsteigt, kommt zumindest bis Zwickau. Ab dort trifft der Reisende dann auf streikendes DB-Personal. Teilweise hat die Deutsche Bahn jedoch auch für Schienenersatzverkehr per Bus zwischen Zwickau - Hof gesorgt. Rund 130 GDL-Mitglieder vertritt Frank Heckel in der Ortsgruppe Reichenbach, darunter 14 Güterzugslokführer. "Um die 60 Prozent von diesen Kollegen treten in Arbeitsstreik", konstatiert Heckel, der mit 55 Jahren noch einer der "Jüngsten" im Kollegenkreis ist. Der Falkensteiner kämpft mit den Kollegen um eine 38-Stunden-Woche, bessere Bezahlung - und darum, dass der Arbeitgeber, die DB, endlich wieder Nachwuchs einstellt.

Wenn Heckel Güterzüge zwischen den VW-Werken Mosel und Braunschweig hin und her bewegt, muss er schon mal auswärts im Hotel übernachten, darunter leiden Familie, Freundeskreis, Freizeit. "Wer 45 Jahre im Schichtdienst arbeitet, muss auch ein, zwei Jahre eher in Rente gehen dürfen, wie schon in anderen Ländern üblich."

Für diese Ziele ließ Heckel - sonst Bahner mit Leib und Seele - am Montag einen leeren Autozug, der von Zwickau nach Dresden gehen sollte, stehen. Das Gros des Güterverkehrs sei schon vor Jahren von der Schiene auf die Straße verlegt worden, kritisiert Heckel - wofür die Bundes-Bahn selbst gesorgt habe. Im Vogtland verlassen sich auf die Schiene zum Beispiel noch Meiser Gitterroste Oelsnitz und die "Kohleverladung" Weischlitz.

Heckels Forderung "Ordentliches Geld für ordentliche Arbeit" schließt sich auch Andreas Männel von Regio Zwickau an - er vertritt in der GDL-Ortsgruppe Aue 70 Mitglieder, auch Lokführer aus dem Vogtland. "Unsere Lokführer streiken alle. Die haben die Schnauze voll von einem Arbeitgeber, der nicht bereit ist, einen Tarifvertrag für GDL-Lokführer, Zugbegleiter, Lokrangierführer und Bordpersonal abzuschließen." Als Lokführer habe man kaum noch einen Freundeskreis, weil nur alle 12 Wochen etwa ein langes Wochenende frei, kaum Zeit zum Luftholen bleibe. cze